Hochzeit von Edward und Sophie

Bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen waren Tausende von „Hochzeitstouristen“ in Windsor auf den Beinen um bei der letzten königlichen Trauung des Jahrtausends dabei zu sein. Einige hatten die Nacht im Schlafsack verbracht, um einen möglichst guten Platz zu ergattern. Gegen Samstagnachmittag zog sich allerdings der Himmel zu. Der erste Gast war der Erzbischof von Canterbury, Dr. George Carey. Die Queen, die normalerweise als letzte erscheint, traf bereits vor den Eltern der Braut ein. Der Bräutigam und seine beiden Brüder spazierten von Windsor Castle zur Kapelle, wo sie 15 Minuten zu früh eintrafen. Sie schlugen die Zeit im Souvenirladen der Kirche tot. Die Braut selbst kam drei Minuten zu spät.

In einem einfachen Traugottesdienst von nur 45 Minuten wurden Edward und Sophie getraut. Der Gottesdienst begann um 17 Uhr. Anwesend auch Prinzessin Margaret, die immer noch an ihren Verbrennung nach einem zu heißen Bad litt. Sie saß bleich in einem Rollstuhl und konnte während der Feier nicht aufstehen, während ihre 98-jährige Mutter sich bei der Nationalhymne erhob. Auf dem Höhepunkt der Zeremonie hatte Edward Schwierigkeiten, seiner Braut den Ring auf den Finger zu streifen. Sophie dagegen steckte den Ring ihrem Mann mühelos an den kleinen Finger seiner linken Hand. Auch Charles und Andrew trugen bei der Hochzeit ihren Ehering am kleinen Finger. Nach dem Gottesdienst fuhr das Paar in einer Kutsche durch Windor. Die zahlreichen Fotografen warteten vergeblich auf den Hochzeitskuss.

Circa 200 Millionen Menschen sahen das Ereignis am Fernsehschirm. im Gegensatz zu bisherigen königlichen Hochzeiten musste die übertragende BBC diesmal für die Rechte zahlen. Prince Edward verfügte, dass das Geld an einen wohltätigen Zweck geht. Die Bilder wurde von der BBC an 31 Länder verkauft.

Facts

Ort der Hochzeit: St. George Kapelle in Windsor Castle aus dem 16. Jahrhundert, eines der schönsten spätgotischen Bauwerke Großbritannien. Normalerweise finden königliche Hochzeiten in der Westminster Abbey statt. Charles und Diana heirateten in der St. Paul’s Cathedral in London. Die St. George Kapelle ist mehr eine Familienkapelle. Hier wurde zum Beispiel Prince William getauft und konfimiert. Hier haben zahlreiche Monarchen ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die Kapelle ist darüberhinaus Sitz des Hosenbandordens.

Gäste: 6000 Schaulustige wurden in den Hof von Windsor Castle zugelassen. Einige Plätze blieben aber unbesetzt. Die Schwarzhändler gingen von £ 350 auf £ 100 für Karten heruten. Unter 550 geladenen Ehrengästen waren hauptsächlich Freunde und Verwandte des Paares, aber auch Prominente wie John Travolta, John Cleese und Andrew Lloyd Webber. Premierminister Tony Blair wünschte vom G-8-Gipfel in Köln aus einen „wundervollen Tag“. Sarah Ferguson wurde erst gar nicht eingeladen. „Ich wäre gerne gegangen“, wurde „Fergie“ von der britischen Nachrichtenagentur PA zitiert. Sie freue sich aber für ihre beiden Töchter Beatrice und Eugenie, die im Gegensatz zu ihr eine Einladung bekommen hatten. Andrew war sogar Trauzeuge zusammen mit seinem Bruder Charles. Fergie ist bei Hofe nicht wohlgelitten, Prince Philip hatte sie noch vor kurzem als „seltsam“ bezeichnet. Auf Kritistieß, dass auch die adeligen Gäste beim Buffet anstehen müssen. Das sei für Fürsten „viel zu unterschichtmäßig“. Zum Essen spielte eine Band der Marine HIts von den Village People, Tom Jones und anderen. Edward sprach den Toast auf „unsere Gastgeberin und die vielleicht wundervollste Mutter der Welt“ aus. Wie es hieß, ging es bei der Party sehr familiär zu. Die Gäste vermischten sich und die Königin und Prinz William und Harry verbrachten die meiste Zeit damit, herumzugehen und mit den Gästen zu plaudern.

Kleidung: Die verschleierte Braut trug ein langes, handgefärbtes Seidenkleid mit V-Ausschnit und hochgeschlitzem Rock. Sophie musste in letzter Minute ihre Schuhe zurückgehen lassen, nachdem sie festgestellt hatte, dass die pfirsichfarbenen Pumps nicht zum Kleid passten. Edward konnte als erster Königssohn seit Jahrhunderten keine Uniform zur Vermählung anlegen: Er hatte seine Offizierslaufbahn nach nur 14 Wochen abgebrochen.

Ringe: Die 22karätigen Trauringe wurden aus walisischem Gold gefertigt, gefördert in der Prince Edward-Mine.

Geschenke: Prinz Edward hat mit einer überlangen Wunschliste Kopfschütteln verursacht. Der Prinz, der eigentlich schon alles haben dürfte, wünschte sich zu seiner Hochzeit unter anderem eine Stereoanlage und einen Fernseher. Dabei hat er gleich die Marke und den fünfstelligen (!) Preis dazugeschrieben, um sicherzustellen, dass er nur das Beste bekommt. Das billigste Präsent auf der Liste ist eine Kaffeetasse für 255 Mark, für ein besonderes Milchkännchen dageben, muss man schon 30 000 Mark aufbringen, selbst ein Teesieb hat seinen Preis: 18 000 Mark. Die Angestellten des Königshofes, die selten mehr als 21 000 Mark im Jahr verdienen, sollten zusammen 30 000 Mark aufbringen. Per Rundschreiben wurde ihnen ihr jeweiliger Anteil mitgeteilt. Doch zusammengekommen sind nur einige hundert Pfund.

Gehorsam: Sophies Entscheidung, ihrem Ehemann auch Gehorsam zu versprechen, hat die Öffentlichkeit überrascht. Der gesamte Gottesdienst war eher traditionell ausgelegt.

Titel: Am Morgen der Hochzeit ernannte die Queen das Hochzeitspaar zum Graf und zur Gräfin von Wessex sowie zum Viscount bzw. Countess Severn. Nach dem Tode von Prinz Philip werden sie auch den Titel Herzog und Herzogin von Edinburgh erhalten. Die Entscheidung ist ein Kompromiss zwischen Tradionalisten und Modernisten, die die königlichen Titel begrenzen wollen. Edward selbst ist trotz seiner sonst modernen Einstellung zur Monarchie sehr an Titeln interessiert. Der letzte Träger des Titels Earl of Wessex war ein Kommandant im Krimkrieg. Wie später bekannt wurde kam Prince Edward auf die Idee, sich Earl of Wessex zu nenen, durch den Film „Shakespeare in love“. In dem Film ist die fiktve Figur des Earl of Wessex Konkurrent des Dichterkönigs William Shakespeare in der Gunst der schönen Viola (Oscar-Preisträgerin Gwyneth Palthrow). Der Film dürfte Edward gut gefallen haben, weil ihn Geschichte und Theater schon immer interessiert haben.

Kurze Flitterwochen: Da die Brautleute beruflich so eingespannt sind, blieben ihnen nur eine Flitterwoche in Balmoral Castle in Schottland. Inzwischen sind sie wieder an der Arbeit.

Williams falsches Lachen: Wie Hoffotograf Sir Geoffrey Shakerley enthüllte, wurde das offizielle Hochzeitsfoto von Prinz Edward und Sophie abgeändert, weil Prinz William nicht freundlich genug guckte. Mit Digital-Technik sei ein anderes Foto Williams in das Hochzeitsbild eingefügt worden. Der Bräutigam habe die Anweisung dazu gegeben. Robert Simpson, der Assisten Shakerleys, erkärte, Prinz William sei am Samstag zwar guter Stimmung gewesen, habe im Moment der Aufnahme aber gerade weggeguckt. Die britische Presse druckte am Dienstag nach der Hochzeit das Original und die Abänderung des Fotos.

Ihre Meinung!

In einem am Hochzeitstag ausgestrahlten Fernsehinterview versicherte Edward auf die Frage nach den Motiven für seine Hochzeit: „Zufällig lieben wir uns, und das ist das Allerwichtigste.“ Charles dagegen hatte bei seiner Hochzeit mit Diana auf die Frage, ob er sie liebe, geantwortet: „Was immer Liebe bedeuten mag“.

Bei den Londoner Buchmachern standen die Wetten am Samstag fünf zu eins dafür, dass Edward und Sophie mindesten 20 Jahre verheiratet bleiben.

In meiner ersten Meinungsumfrage hatten Sie die Möglichkeit, Ihren Tip abzugeben: Wird diese Ehe halten oder nicht? Es wurden 101 Stimmen abgegeben. 81, also 80 % meinten, dass die Ehe halten wird, 20 (20 %) waren nicht dieser Meinung. Interessanterweise waren in den ersten Tagen nach der Hochzeit die Optimisten in noch größerer Überzahl. Wollen wir hoffen, dass sie recht behalten!