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Archiv für Juni 2003

Charles zieht um

Montag, 16. Juni 2003

Prince Charles zieht vom James’s Palace nach Clarence House um. Das Haus war nach dem Tod der Queen Mum frei geworden. Zuvor wird es kräftig renoviert. Bei den Planungen hilft dem Thronfolger Camilla Parker Bowles, die zwar nicht miteinziehen, aber ein Büro im Haus erhalten wird. Das vom Architekten John Nash 1825 entworfene Gebäude wird zurzeit kräftig modernisiert. Die verstorbene Queen Mother hatte seit ihrem Einzug 1953 praktisch nichts verändert. Die Renovierungsarbeiten kosten den britischen Steuerzahler 4,5 Millionen £. Aber auch der Prince of Wales steuert Geld aus seinem Privatvermögen bei.

Camilla Parker Bowles wird in Clarence House ein Privatbüro erhalten und ihren eigenen persönlichen Assistenten. Sie behält aber ihr eigenes Haus in Lacock, in der Nähe von Highgrove, dem Landsitz von Prince Charles. Mrs. Parker Bowles unterstützt Charles bei den Planungsarbeiten. Ebenso Michael Fawcett, der wegen des geplatzten Prozesses gegen Dianas Butler Paul Burrell als Charles’ persönlicher Berater zurücktreten musste. Nun arbeitet Fawcett freiberuflich für Charles. Der Thronfolger will den Stil des Hauses bewahren, nur die Räume für Prince William und Prince Harry sollen moderner eingerichtet werden.

Clarence House wird für die Öffentlichkeit erstmalig im Sommer geöffnet sein: vom 6. August bis zum 17. Oktober. Die Tickets kosten für Erwachsene 5 £ für Kinder unter 17 Jahren 3 £ und können online bestellt werden.

Dreimal Elizabeth

Montag, 16. Juni 2003

Die Queen lächelte im National Martime Museum unter dem dem strengen Blick ihrer Vorfahrin und Namensvetterin Elizabeth I. Die derzeitige Queen eröffnete Anfang Mai eine Ausstellung in Greenwich zum 400. Todestag der berühmten Monarchin. Auch dabei: Glenda Jackson, die die Jungfrau auf dem englischen Thron in einer BBC-Serie verkörpert hat. Vor dem Bild Elizabeth I. ließ die Queen sich zusammen mit Glenda Jackson ablichten. Jackson, zweifache Oscar-Gewinnerin, sitzt heute für die Labour Party im Unterhaus. Mit der Queen unterhielt sie sich darüber, wie unbequem die Mode zur Tudorzeit gewesen sein muss. Außer der Schauspielerin traf die Königin noch Kinder in Kostümen aus der Zeit Elizabeth I. Der siebenjährige Jeffrey, verkleidet als Sir Francis Drake (den Elizabeth I. hinrichten ließ), fragte die königliche Besucherin: “Bist du eine Königin?”. Sie antwortete schlicht “Yes.”

Royals wollen Tourismus ankurbeln

Montag, 16. Juni 2003

Britanniens größer Touristenmagnet, die Königliche Familie, will dem von den Folgen des 11. Septembers, der Maul-und-Klauen-Seuche, dem Irakkrieg und schließlich dem Sars-Virus gebeutelten Tourismus im Königreich ankurbeln. Am 10. Juni werden die Royals Touristenattraktionen im ganzen Lande besuchen. Die Queen wird Buckingham Palace am 10. Juni besuchen. Hört sich nicht ungewöhnlich an, aber es geht um die Lego-Version, die in einem Freizeitpark in der Nähe ihres anderen Heims in Windsor steht.

Acht Royals machen mit bei der Kampagne, Touristenattraktionen zu vermarkten: die Queen besucht Legoland und das Dockkand-Museum in London, der Prince of Wales die Royal Mile in Edinburgh und ein Whisky-Zentrum. Princess Anne zieht es in einen Zoo in Sussex und ein Marine-Museum in Gosport, Prince Andrew trinkt ein Bier oder zwei in einem Pub in Ambleside, Sophie Wessex besucht ein Freilichttheater in Cornwall und der Duke of Kent Fountains Abbey in Nordyorkshire. Prince Edward ist in Wales, unter anderem auf einem Wohnwagenplatz zu finden.

Ursprünglich sollte die Aktion schon letztes Jahr stattinden, aber im Terminkalender war wegen des Golden Jubilee kein Platz mehr. Der richtige Buckingham Palace ist wieder im Sommer zu besichtigen, zumindest ausgewählte Räume: vom 1. August bis 28. September, für 12 £.

Princess Anne und Tochter Zara im königlichen Doppelakt

Sonntag, 15. Juni 2003

Zara Philipps überstand Ende Mai ihren ersten größeren öffentlichen Auftritt. Zusammen mit ihrer Mutter taufte sie zwei Schwesternschiffe. Die Reederei P&O hatte Mutter und Tochter zur doppelten Schiffstaufe eingeladen – angeblich die erste Doppelzeremonie dieser Art in der britischen Seefahrtsgeschichte. Eigentlich war es nur eine “Umtaufe”: Die Adonia war vorher die Sea Princess und die Oceania die Ocean Princess.

Buckingham Palace stellte klar, dass es sich um keinen offiziellen Auftritt der beiden handelte, denn weder Zara noch ihre Mutter Anne vertraten die Queen. Zara 22, engagiert sich bereits in einer Organisation, die junge Leute an Sport heranführen soll.

Im Vergleich mit ihrer Mutter ist Zara – was königliche Pflichten angeht – eine Spätentwicklerin. Princess Anne hatte ihren ersten öffentlichen Auftritt mit 19 und taufte ihr erstes Schiff noch vor ihrem 20 Geburtstag.

Auch Zaras Cousin, Prince William, hält sich weiterhin zurück. Vor Studienabschluss will er auf keinen Fall königliche Pflichten übernehmen. Immerhin hat er bereits seinen Vater bei einigen derartigen Anlässen begleitet.

Prince Harry: School is out!

Dienstag, 10. Juni 2003

Seine Schulzeit beendete Prince Harry (18). Am 12. Juni legte er seine letzte Abiturprüfung in Eton ab. Mit einem freudigen “Yes” verließ er das Elite-Internat Eton. Auf die Frage, wie die letzte Klausur in Geographie gelaufen sei, sagte eine Palastsprecherin: “Er hat gesagt, nicht allzu schlecht. Nicht so schlimm wie erwartet.” Nun will er zur Militärakademie Sandhurst. Nach Zeitungsberichten zieht es ihn als ersten Royal seit 40 Jahren zum Herr und nicht zur Marine. Zuvor legt er wie damals sein älterer Bruder William ein “Gap year” ein. Was er während in seiner “Aus-Zeit” machen wird, wird nicht vor September bekannt gegeben.

Zum Abschied von Eton wurden Fotos von Prince Harry veröffentlicht. Sie zeigen, dass der jüngste Sprößling von Prince Charles, seine künstlerischen Seiten – auf der Bühne wie auf der Leinwand – entwickeln konnte. Harry spielte in der Schulaufführung von Shakespeares “Much ado about nothing” (Viel Lärm um nichts) mit. Zwar nicht in einer Hauptrolle (nur die des Conrade), aber mit viel Freude. Außerdem ist die Rolle eine Steigerung gegenüber früheren Rollen während seiner Grundschulzeit als einer der sieben Zwerge und Ginger Spice. Auch Vater Charles spielte in seiner Schulzeit Theater. Er war ein gefeierter Macbeth, im Jahr 1965 im Internat Gordonstoun.

Andere Fotos zeigen ihn vor zwei unbetitelten Gemälden mit Aborigines-Einflüssen. “Harry is ein fantastischer Maler”, zollt ihm Bruder William Lob.

Auch sein Zimmer in Eton ist auf den Fotos zu sehen. Auf seinem Schreibtisch steht ein Foto seiner Mutter, eine Aufnahme für “Vanity Fair”, kurz vor ihrem Tod entstanden. An der Pinnwand über seinem Bett ein Foto von ihm mit Diana und eines von Vater Charles. An der Pinnwand auch Fotos von Mädchen in Bikinis, darunter das Modell Caprice, die sich außer sich vor Freude über die königliche Aufmerksamkeit zeigte. Auf seinem Nachtisch steht ein Foto von seiner Urgroßmutter, der Queen Mum.

Auch wenn Harry vor dem Fototermin ein wenig aufgeräumt hat, täuschen die Fotos nicht darüber hinweg, dass in diesem Zimmer ein Teenager lebt. In Sandhurst wird das dann wohl anders aussehen …

Um an der renommierten Militärakademie in Sandhurst aufgenommen zu werden, muss man zunächst eine Tauglichkeitsprüfung bestehen und dann vom Zulassungsamt ausgewählt werden. Erste Erfahrung hat Prince Harry schon im Kadettenkorps von Eton während seiner fünfjährigen Schulzeit sammeln können. Erst vor kurzem führte Harry unter den stolzen Augen seines Vaters bei einer jährlichen Parade 48 Schulkameraden an.

Prince William wird 21

Dienstag, 10. Juni 2003

Nach der ersten Halbzeit seiner vierjährigen Studiumzeit gab Prince William, der am 21. Juni 21 Jahre wird, ein Interview. Darin gestand er seine Schwäche für Apfelwein ein und dass er St. Andrews nach dem ersten Jahr verlassen wollte, ihn sein Vater aber überzeugen konnte zu bleiben. Außerdem berichtete er von seiner Liebe zu Afrika.

Das entspannte Interivew wrude von Peter Archer, dem Hofkorrespondenten der Press Association durchgeführt. Prince William trug eine verwaschene Jeans, einen Pullover (mit Löchern!) und abgetretene Halbschuhe. Die Prüfungen zum Abschluss des Semesters lagen gerade hinter und die Semesterferien vor ihm.

Der Prince bedankte sich dafür, dass ihn die Presse in St. Andrews weitgehend in Ruhe gelassen hat. Auch die Einwohner von St. Andrews hätten sich schnell daran gewöhnt, dass William – der zweite in der Thronfolge – sich in ihrer Stadt aufhält. Nur die Touristen stören seinen Frieden gelegentlich.

Das Studium gefällt William, auch das viele Lesen und die Vorlesungen. Nur die Prüfungen seien nicht so einfach. St. Andrews sei die richtige Wahl gewesen, auch wenn damals die Wahl zwischen Edinburgh und St. Andrews nicht leicht gewesen sei. Am Anfang war die Eingewöhnung allerdings – wie bei vielen Studenten – schwierig gewesen. William berichtete in den Ferien seinem Vater von seinen Sorgen. “Mein Vater war sehr verständnisvoll und erkannte, dass ich dieselben Probleme hatte, die er wahrscheinlich gehabt hatte. Er ging wirklich sehr gut damit um und am Ende haben wir beide erkannt – ich jedenfalls bestimmt – dass ich zurückkommen musste.”

Das Wohnen im Studentenheim half ihm, neue Freunde zu finden. Mittlerweile hat er zahlreiche Freunde: Schotten, Engländer und Amerikaner von unterschiedlichem sozialen Hintergrund. In seinem zweiten Jahr zog er mit drei anderen Studenten in ein Haus im Stadtzentrum. Meistens übernimmt er die Einkäufe, denn Kochen ist nicht seine Sache. Das können die anderen besser, sie essen aber oft außerhalb. Nur mit dem Putzplan hab es nicht so geklappt: “Es endete in totalem Chaos”. Nun erledigt das eine Cleaning lady.

Demnächst zieht er in ein Haus am Rande der Stadt. “Ich denke, ich bin in meinem Herzen ein Landjunge. Ich liebe die Geräusche der Stadt und mit meinen Freunden auszugehen. Aber ich liebe daneben Platz und Freiheit.”

Er treibt viel Sport. Er ist Kapitän des Water-Polo-Teams der Uni, spielt Rugby, Fußball, Quick Golf und schwimmt – wenn auch nur ganz kurz – in der Nordsee. Auch in den schottischen Tänzen versucht er sich gerne. “Ich werfe meine Arme gefährlich um mich herum und Mädchen fliegen über den Tanzboden.” An das Kilt-Tragen habe er sich aber noch nicht gewöhnt. Das Kleidungsstück sei etwas “zugig”.

Häufig fährt er mit dem Auto die 70 Kilometer nach Edinburgh, wo er mit Freunden ins Kino geht oder Bars und Restaurants besucht. Statt Bier trinkt er lieber Apfelwein. Aus der Studentenpolitik hat er sich lieber rausgehalten.

William überlegt, im neuen Semester seinen Schwerpunkt von Kunstgeschichte auf Geographie zu verlegen. Auch versuche er, Suaheli zu lernen. “Wegen meiner Liebe zu Afrika. Ich liebe die Menschen in Afrika und möchte mehr über sie wissen – und mit ihnen sprechen können.” Nach dem Studium will er in Afrika möglicherweise an einem Umweltprojekt teilnehmen oder dort ein Postgraduate-Studium machen – und nicht wie sonst im Königshaus eine militärische Laufbahn einschlagen. William, der “Jenseits von Afrika” als Thema seiner privaten Geburtstagsfeier in Windsor Castle gewählt hat, entdeckte seine Liebe zu Afrika wähernd seines Gap-Years nach dem Abitur, wo er sich drei Monate in Tansania, Kenia und Botswana aufhielt. Damit werden auch Spekulationen hinfällig, William würde nach dem Studium in die USA gehen, um weniger im Rampenlicht zu stehen.

Williams wichtigstes Einrichtungsstück ist wie bei vielen jungen Leuten die Stereoanlage. Er liebt vor allem R&B. Von der Times nicht ganz richtig als “rhythm and bass” aufgelöst. Es muss natürlich Rhythm and Blues heißen.

Im Gegensatz zu seinem Vater, der mit 21 Jahren zum Prince of Wales inthronisiert wurde und in dem Alter schon zahlreiche öffentliche Auftritte hatte, möchte Prince William weiterhin keine königlichen Verpflichtungen übernehmen und lieber William Windsor bleiben.

Immerhin ist er der erste Royal, zu dessen 21. Geburtstag die britische Post Sondermarken herausgibt. Etwas verärgert soll er gewesen sein, dass eines der vier Fotos, die den Marken als Grundlage dienten, ausgerechnet von einem Paparazzo stammt, der seine Mutter Diana häufig bedrängt hat. St. James’s Palace hatte für die Veröffentlichung schon das OK gegeben, weil die Aufnahme von William bei einem offiziellen Fototermin entstanden war. Die Royal Mail erhofft sich gute Umsätze mit den Marken – im In- und Ausland. Außerdem gibt es Sondermünzen auf den Kanalinseln Guernsey und Alderney mit dem Porträt des Prinzen.David Cornwell, der die Münzen entwarf meinte: “Es war ein schöne Aufgabe, weil Prince William so ein gut aussehender Bursche ist.” William bestand darauf, dass er auf den Münzen lächelt. “Es ist schwierig, eine lächelnde Münze herauszubringen, weil es schwierig ist, die Zähne herauszubringen. Aber ich habe es am Ende geschafft.”

250 geprägte Einladungskarten wurden für Williams-Geburtstagsparty verschickt. Die PR-Berater der Royals wollten eine Wohltätigkeits-Pop-Konzert mit vielen Stars ähnlich dem zum Golden Julilee der Queen veranstalten. Aber William hat dabei nicht mitgespielt. So kommen nur Freunde und Familienmitglieder zur Feier. Die Queen hat dafür Windsor Castle zur Verfügung gestellt, ein paar wenige Freunde dürfen auch über Nacht im Schloss bleiben. Neben der Queen, Prince Philip, Prince Charles, seine Cousin Zara und Vetter Peter Phillips werden Schulfreunde aus Eton und der Uni in St. Andrews und das Polo-Team kommen. Es soll eine üppige Party werden – heißt es.

Frühere Berichte:
William beginnt sein Studium in St. Andrews
Langweilt sich William in St. Andrews?

Queen vor 50 Jahren gekrönt

Dienstag, 10. Juni 2003

Vor 50 Jahren wurde die Queen in einem dreistündigen Akt mit viel Pomp mit der Imperal State Crown gekrönt. Am 2. Juni 2003 war alles viel schlichter. In einem einfachen gelben Kleid und Strohhut nahm sie mit vielen Royal an einem Dankgottesdienst in der Westminister Abbey teil. Die Königin schritt zu den Klängen von “Old Hundredth” wie vor 50 Jahren zu ihrem Platz. Mehr als 200 Personen, die schon bei der Krönung vor 50 Jahren dabei waren, waren jetzt wieder Teil der Gemeinde. Ebenso 34 50-Jährige, die am Tag der Krönung geboren wurden. Aber einiges war auch anders: 50 Jahre später, musste sie eine Brille aufsetzen, um die Liedtexte lesen zu können.

Unter den 2 250 Gästen war auch Camilla Parker Bowles, allerdings weit von den Royals getrennt und Sir Edmund Hillary, der vor 50 Jahren den Mount Everest bestiegen hatte. Über 1 000 Gäste waren “Normalbürger”, die eine Einladung gewonnen hatten.

Der bewusst schlicht-gehaltene und mit 50 Minuten recht kurze Gottesdienst wurde von Dr. Wesley Carr, dem Dekan von Westminister Abbey, abgehalten. Die Gemeinde wurde aufgefordert, dieselben Verpflichtungen, die die Queen 50 Jahre zuvor auf sich genommen hatte (Treue gegenüber Gott, Dienst an den Menschen, Verantwortung und Respekt) nachzusprechen. Damit sollte der Königin nicht nur Dank gezollt werden, sondern die Bedeutung des Krönungseids der Hälfte der britischen Bevölkerung, die nach 1953 geboren wurde, näher gebracht werden.

Der Duke of Edinburgh sah erstaunlich frisch für einen Mann kurz vor seinem 82. Geburtstag aus, Prince Charles sah sehr gerührt aus. Prince William, befand die Times, sah aus “wie auf der Beerdigung einer entfernten Großtante.” Prince Harry fehlte, er musste sich für eine Abiturprüfung in Eton vorbereiten.

Auch viele Politiker waren anwesend. Premierminister Blair (im Krönungsjahr geboren)war zum G8-Gipfel in Evian. Baroness Thatcher unterhielt sich angeregt mit Schatzkanzler (und möglichem Blair-Nachfolger) Gordon Brown. Partei”freund” Sir Edward Heath wünschte ihr sogar einen “guten Morgen”.

Der Gottesdienst in der Abbey wurde von der BBC live übertragen. Die ARD strahlte eine Live-Reportage mit dem bewährten Rols Seelmann-Eggebert aus.

Für den Nachmittag war eine Hüpfburg im Garten von Buckingham Palace aufgebaut worden. 500 Kinder waren zu einer Gartenparty eingeladen worden. Sie wurden von Zirkuskünstlern und angehenden Popstars unterhalten. Auch die Queen und Prince Philip zeigten sich kurz. Ein paar kleine Geschenke durfte jedes Kind dann mit nach Hause nehmen. Unter den Kindern waren hundert aus Soldatenfamilien, deren Eltern im Golfkrieg eingesetzt waren.

Für den Abend hatte Prince Charles in den St. James’s Palace eingeladen. Auch hier war Camilla Parker Bowles anwesend. Das Unterhaltungsprogramm stammte passenderweise aus den 50ern. Alan Rickman las Noel Cowards Gedicht “This is to let you know”.

Charles: How to be King in waiting

Dienstag, 10. Juni 2003

Der Prince of Wales ist dabei eine Broschüre zu veröffentlichen, in der er seine Rolle als Thronerbe und seinen Job als Prince of Wales definiert. Auch soll sie eine Hilfe für Prince William sein, wenn er einmal die Nachfolge seines Vaters antritt. Charles sieht seine Rolle in der Unterstützung der Monarchie, als Botschafter seines Land und in wohltätiger Arbeit. Möglicherweise auch darin, den Regierenden mitzuteilen, was der Bürger auf der Straße über politische Fragen denkt. Denn Charles – so ein Sprecher – erhält Tausende von Briefen. Und wenn er Briefe gehäuft zu einem bestimmten Thema bekommt, dann sieht er seine Rolle darin, den Betroffenen Gehör zu verschaffen.

Auch wird die Broschüre die Geschichte der Fürsten von Wales streifen und das Wirken einiger seiner Vorgänger. Bereits auf seiner Website macht Charles ein paar Aussagen zu seiner Funktion als Prince of Wales und merkt an, dass ihm ein Leitfaden, als er das Amt antrat, gefehlt hat. Diese Lücke will er nun offenbar schließen.

Nicht alle sind von der Idee der Veröffentlichung begeistert. Kenneth Rose, ein Historiker, der sich mit der Geschichte der Windsors beschäftigt hat, sieht darin eine unnötige Festlegung, die Veränderungen erschweren würde.

Charles will noch zwei weitere Broschüren veröffentlichen: eine wird seine karitativen Aufgaben detailliert beschreiben, eine andere soll seine Ein- und Ausgaben transparenter machen.

Beckham bekommt Orden von der Queen

Montag, 09. Juni 2003

Zu ihrem 77. Geburtstag, der offiziell am Samstag (14.06.) gefeiert wurde, hat die Queen wieder Prominente, aber auch Normalbürger in den Adelstand gehoben oder ihnen Orden verliehen. Unter den Geehrten Ex-Bond Roger Moore und Fußballspieler David Beckham. Schauspieler Roger Moore (75) wird zum Ritter geschlagen und darf sich künftig “Sir” nennen. Moore bekommt den Titel für sein langjähriges Engagement als UNICEF-Botschafter. Vor ihm erhielt bereits Bond-Kollege Sean Connery diese Ehre.

David Beckham, Kapitän der englsichen Fußballnationalmannschaft, wird “Officer of the British Empire” und darf demnächst OBE hinter seinen Namen setzen. Beckham wird für seine sportlichen Leistungen sowie seine “Vorbildfunktion” ausgezeichnet. Der Vater zweier Jungen trinkt und raucht nicht und schlägt “überhaupt nie über die Strenge”, wenn man einmal von seinen modischen Eskapaden absieht. Offenbar reicht das schon in Blair-Britannien, um ausgezeichnet zu werden – wenn man nur berühmt genug ist.

Popsänger Sting und Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour bekommen den Orden “Commander of the British Empire” (CBE). Gilmour spendete kürzlich mehrere Millionen Pfund für den Bau von Obdachlosenheimen.

Neben den Prominenten stehen auf der 509 Namen umfassenden Liste, auch “Normalbürger”, die den weitaus größten Teil ausmachen, darunter Diplomaten, Polizisten oder ehrenamtliche Helfer.

Harry Potter in der Albert Hall

Montag, 09. Juni 2003

Die Vorverkaufszahlen sind höher als bei jedem anderen Buch in der Geschichte. Am 26. Juni liest J. K. Rowling aus dem neuen Harry Potter Buch. Am 26. Juni wird J. K. Rowling vor 4 000 Kindern aus dem neuen “Harry Potter and the Order of the Phoenix” vorlesen. Außerdem wird sie von Stephen Fry interviewt. Stephen Fry ist der “englische Rufus Beck”, er hat Harry Potter auf Cassette und CD gelesen. Das Event wird eine gute Stunde dauern.

Die ersten vier Potter-Bände haben ihrer Autorin 280 Millionen £ eingebracht, dreißig Millionen mehr, als Her Majesty The Queen besitzt.

Diesmal gibt es keinee Tour mit dem Hogwarts Express, keine Signierstunden. Denn Rowling ist von Natur aus schüchtern und muss sich vor allem um ihren im März geborenen Sohn David kümmern.

Der Vorverkaufszahlen sind höher als bei jedem anderen Buch in der Geschichte. In Großbritannien sind weit über eine Million Bücher vorbestellt, in den USA liegt die Erstauflage bei 6,5 Millionen Exemplaren, ein Nachdruck von 1,5 Millionen ist schon in Auftrag gegeben. Seit der Bekanntgabe des Veröffentlichungstermins sind die Aktien des Verlegers Bloomsbury in London in die Höhe geschnellt.

Nur zwei Personen bei Bloombury haben Harry Potter 5 bereits gelesen. Wir kennen nur sein orangefarbenes Cover und wissen, dass es 0,92 Kilo schwer ist.

Am Samstag, 21. Juni, ab genau 0.01 Uhr wird das Buch in vielen englisch-sprachigen Ländern zum ersten Mal über den Ladentisch gehen. Die Neugier, was darin stehen mag, wurde durch ein cleveres Marketing noch gesteigert. Bei einer Wohltätigkeitsauktion wurde eine Postkarte mit einzelnen Wörter aus dem Roman versteigert – für 28 680 £. Ein erster Abschnitt des Romans wurde bei der Bekanntgabe des Erscheinungssdatums veröffentlicht. Außerdem wurde bekannt, dass wir Harrys Nachbarin im Lingusterweg, Mrs. Arabella Figg, kennen lernen werden, es ein neues Lied des Sprechenden Huts geben wird, Scabbers wieder auftaucht, wir erfahren, warum einige Zauberer Geister geworden sind, und Dumbledore Harry “alles” erzählen wird. Und Harry sich zwischen dem, was richtig und was einfach ist entscheiden muss. Damit keine weiteren Details vorzeitig bekannt werden, sind umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden: bewaffnete Wächter sichern die Druckereien, Buchhändler dürfen den Band vorher nicht lesen und schon gar nichts ausplaudern. Tun sie es doch, wird ihnen mit einem Fluch nicht des Zaubereiministeriums, sondern von Bloomsbury untersagt, je wieder Harry-Potter-Bücher zu verkaufen. Trotz aller Vorkehrungen sind zwei Potter-Bände von einem Spaziergänger in einem Park im Städchen Bungay gefunden worden. Er händigte die Bände der Polizei aus. Ein Druckereiarbeiter versuchte einige Seiten des Romans an Zeitungen zu verkaufen. Er wurde zu Sozialdienst verurteilt.

Viele Buchhandlungen rund um den Globus werden ihre Türen um Mitternacht öffnen, um die heiß begehrte Ware zu verkaufen. Am nächsten Tag haben viele Händler Sonderprogramme geplant: Eulen sind zu sehen, Zauberer unterhalten Groß und Klein, und bei Wettbewerben sind Preise zu gewinnen.

Vor sechs Jahren – beim Erscheinen von “Harry Potter and the philosopher’s stone” war alles noch ganz anders. Die Startauflage betrug ganze 500 Exemplare – heute heiß begehrte Sammlerstücke (ein Exemplar wurde kürzlich für 25 000 £ verkauft). Erst beim dritten Buch stellte sich der ganz große Erfolg ein. “Harry Potter and the prisoner of Azkaban” wurde binnen drei Tagen 64 000 Mal verkauft – Rekord. Doch der wrude bereits im Jahr 2000 innerhalb eines Tages von “Harry Potter and the goblet of fire” eingestellt.

Harry Potter and the Order of the Phoenix ist mit 768 Seiten das längste Kinderbuch der Geschichte und fast so umfangreich wie alle drei Bände vom “Herr der Ringe” zusammen. Das scheint seine Leser nicht zu schrecken. 195 Millionen Exemplare von allen Potter-Büchern wurden bereits verkauft, in 55 Sprachen, in 200 Ländern, selbst in Latein und Altgriechisch. Der gesamte Kinderbuchmarkt hat von Harry Potter profitiert.

Die Karten für das Event in der Royal Albert Hall wurden unter Schulkindern verlost. Wer nicht gewonnen hat, kann trotzdem live dabei sein – via Internet. MSN.co.uk hat ein Live-Webcast eingerichtet. Am 26. Juni um 16 Uhr Ortszeit (17 Uhr deutscher Zeit) geht es los. Wer unter 16 Jahre alt ist, kann noch Tickets bei Bloomsbury gewinnen (eigene Anreise!)

Früherer Bericht Interview mit der BBC 2002


 
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