Potter-Premiere um Mitternacht

Als die Uhr Mitternacht schlug, war die Harry-Potter-Euphorie wieder auf einem Höhepunkt. Tausende von Fans hatten lange vor den zahlreichen Buchhandlungen, die extra für diesen Augenblick um Mitternacht ihre Lokale öffnenten, gewartet. J. K. Rowling zeigte sich bei der Veröffentlichung „erfreut, erleichtert und überrascht“, das der Plot des Buches nicht vorher herausgekommen ist. „Ich denke es ist ein Wunder bei der Anzahl von Büchern und von Leuten, die bei der Produktion involviert waren, dass er nicht herausgekommen ist“, sagte sie in der Filiale der Buchhandlung Waterstone’s in Edinburgh.

Sie fügte hinzu, dass sie den Tod einer Figur im neuesten Band der Serie nicht bereue. „Ich bereue es nicht, denn ich musste es für den Plot tun, aber ich mochte die Figur wirklich.“

Waterstone’s hatte mehr als in Großbritannien mehr als 100 Filialen geöffnet. Vor der in Picadilly, London, der größten Buchhandlung in Europa, warteten mehr als 600 Leute bis zum Countdown um Mitternacht – teilweise schon ab 16 Uhr! Auch Prominente waren unter den Wartenden, zum Beispiel Dame Judi Dench („Shakespeare in love“, „M“ aus „James Bond“). Sie sei ein großer Fan der Bücher und habe sie zusammen mit ihrem Enkel Sam gelesen.

Die Buchhandlung W H Smith hatte vor seiner Filiale in King’s Cross den Bahnsteig 9 3/4 aufgebaut. Fans warteten Stunden darauf, wie Harry einen Trolley durch die Wand schieben zu können.

Auch in Deutschland wurde bereits zahlreiche Originalausgaben von Band fünf verkauft. Die deutsche Übersetzung erscheint erst am 8. November. Online-Buchhändler Amazon lieferte weltweit mehr als 1 Million Exemplare aus – Rekord. In den USA stürmten von der Ost- bis zur Westküste Tausende Kinder und Eltern in den verschiedenen Zeitzonen jeweils eine Minute nach Mitternacht die Buchläden. In den USA startete der fünfte Band mit einer einzigartigen Auflage von 8,5 Millionen Exemplaren.

Harrys magische Zahlen

1 Anzahl der signierten Exemplare, die in einem Britsh Airways Cockpit in die New York Libary transportiert werden
1 Gewicht von Band fünf in Kilogramm – der schwerste der Serie
10 Seiten pro Tage – die Geschwindigkeit mit der das Buch ins Französische übersetzt wird
30 LKWs, die Werbematerial in britische Buchhandlungen bringen
34 Harry Potters sind in Großbritannien gemeldet
55 Sprachen, in die „Harry Potter und der Phönixorden“ übersetzt wird
114 Minuten dauert es das Buch zu lesen, zumindest für Anne Jones, Weltmeisterin im Speed Reading (Schnelllesen)
277 Mal wird Harry Potter in britischen Zeitschriften in der Woche des Erscheinens von Band fünf erwähnt
845 Pence stieg die Aktie des Verlegers Bloomsbury seit der Auslieferung des Manuskripts am 15. Januar 2003
11 000 Bände, die von britischen Bibliotheken bestellt wurden
282 000 Treffer zu „Harry Potter and the order of the Phoenix“ im Google-Suchindex

Quelle: The Times, London

Neues zum Start von „Harry Potter und der Orden des Phönix“

Zum Verkaufsstart von „Harry Potter und der Orden des Phönix“ in Deutsch auch ein paar neue Seiten auf meiner Website. Zunächst gibt es eine ausführliche Inhaltsangabe – zunächst nur in Deutsch. Aber Vorsicht – hier wird alles verraten. Wer sich die Spannung erhalten will, sollte erst einmal das Buch lesen.

Weiterhin gibt es die Übersetzung eines interessanten Interviews, das Ann Treneman von der Times mit J. K. Rowling geführt hat, als das Buch im Original erschient.

Schaut doch einfach auf der Harry Potter Seite vorbei!

Kritiken zum Band 5 „Harry Potter und der Orden des Phoenix“

Stephen Kind lobte das Buch in den höchsten Tönen. Sie sei eine Geschichtenerzählerin, die „nur so strotzt vor verrückten lebendigen Ideen“.

Rowling sei ein Platz unter unsterblichen „nicht literarischen“ Autoren wie Alexandre Dumas („Die drei Musketiere“) und Conan Doyle („Sherlock Holmes“) sicher.

Im „Bann des Guten“ von Felicitas von Lovenberg (FAZ vom 24.06.2003)

„Dass Bücher, die diese Welt größer, rätselhafter und erhaltenswerter erscheinen lassen, süchtig machen können, hat niemand nachdrücklicher bewiesen als Joanne K. Rowling.“

„Drei Jahre musste ihr Publikum auf Band fünf warten, und wer jetzt sagt, dass Enttäuschung meist vorprogrammiert ist, woe die Erwartungen so hoch sind, ist ein Spielverderber und ein Neidhammel. J. K. Rowling hat ihre Leser noch nie enttäuscht. Auch in „Harry Potter and the Order of the Phoenix“ gibt es keine Anzeichen einer Ermüdung der Autorin, anders als Band vier, der stellenweise ein bisschen bemht wirkte. Das neue Buch strotzt nur so von Einfällen, von liebevoll erdachten und gewohnt geschickt plazierten Details. Fäden, die in den früheren Bänden raffiniert ausgelegt wurden, werden hier wieder aufgenommen.“

„Harry Potter and the Order of the Phoenix“ ist so wild, abenteuerlich und spannend wie seine Vorgänger, tortz der schwerfällig anmutenden Länge. Außerdem ist es, wie zu vermuten war, das bisher dunklste Buch der Reieh, das psychologischte, gegen Ende auch das traurigste. Doch gerade weil die Finsternis allgegenwärtig ist, finden sich in diesem Band herrlisch komische Episoden und Wortwechwechsel, geht es ein bisschen flotter, rabiater und schlagfertiger zu … Vor allem ist dieses der erste Band, der keine Auflösung hat, auf die die Autorin hinschreiben könnte. Zwar gibt es am Schluss den obligatorischen, kinematrographisch inszenierten Showdown zwischen Harry und Voldemort, doch ist schon zu Beginn klar, dass der Kampf gegen das Böse am Ende dieses Bandes nicht vorüber sein wird. Er hat erst richtig angefangen.“

„Das Genie von „Harry Potter“ liegt – unter anderem – darin begründet, dass die Bücher, die gern dem Fantasy-Genre zugeordnet werden, zwar in einer anderen Welt spielen, aber doch in einer Welt, die von unserem Alltag aus erreicht werden kann.“

„Die Bücher sind von Folge zu Folge dicker geworden, wobei die Aussagekraft der Handlung allerdings nicht unbedingt proportional mitwuchs. Was größer wurde, waren Kühnheit und Selbstvertrauen der Autorin. Joanne K. Rowling wäre eine geringere Schriftstellerin, wenn sie ihren Tolkien und ihren Hauff, ihre Artussage und ihren Milton, ihren Dickens und ihren Twain, ihre keltischen Mythen und die Biblel nicht so genau gelesen hätte. Doch das, was ihre Bücher so besonders, im wahrsten Sinne magisch macht, hat sie sich nicht alesen können: das mutige Vertrauen in die schützende, rettende Macht der Liebe – und ihr Talent, darüber unbefangen zu schreiben, ohne dass vermeintlich coole Teenager ihre Bücher in die Ecke feuern. Harry muss eben nicht nur Zaubersprüche meistern, sondern auch das Leben verstehen lernen. Trotz der Aufregung um die Ereginisse im Kampf der Guten gegen die Bösens ins dieess andere große Thema in keinem Band zu übersehen. Jetzt ist es wichtiger denn je: Zwar weiß Harry, dass ihn die Liebe seiner toten Mutter vor Voldemort beschützt, doch das einzelkind hat bei den Dursleys niemals erfahrenf, was bedingugnslose Zuneigung bedeutet. Auch deshalb ist dieses Buch – das erste, in dem Harry und Ron kein wortlose Trotzphase überwinden müssen – für die Serie so bedeutsam. Harry begreift, dass Meinungsverschiedenheiten wahre Freundschaften nicht gefährden.“

„Harry Potter and the Order of the Phoenix“ mag seine Leser nicht verändern. Ihren Charakter jedoch stählt die Lektüre bestimmt.“

Neues aus der Übersetzer-Schmiede

Klaus Fritz übersetzt wieder Harry Potter Früher las er gerne Kalle Blomquist, Huckleberry Finn und die „Funf Freunde“. Erst als er die Kinderbücher der Dorfbücherei komplett gelesen habe, stieg er auf Erwachsenenliteratur um. Fritz hat alle vier Rome der Potter-Reihe übersetzt. Keine leichte Aufgabe, den Stil von Joanne K. Rowling ins Deutsche zu übertragen. „Die Helden reden auf lockere Weise“, doch nicht flapsig. Die Autorin lässt sie ein gutes Englisch sprechen.“

Die schottische Schriftstellerin, die ganz passabel Deutsch können soll, habe ihm versichert, dass ihr seine Übersetzungen gut gefallen.

Da die Bücher immer dicker werden, brechen für Fritz immer anstrengendere Monate an. Beim 760 Seiten starken Band vier hatte Fritz nur drei Monate Zeit für die Übersetzung. Gegen Ende der Arbeit musste er parallel übersetzen und Korrektur lesen.

Vor Harry Potter lag der Schwerpunkt von Fritz‘ Übersetzertätigkeit bei Sachbüchern. 1997 stieg er bei Harry Potter ein. Nach einer Probeübersetzung erhielt er, der zuvor keine Erfahrungen mit Jungedliteratur gesammelt hatte, den Auftrag. Für die „flott erzählten Gesichten mit vielen umgangssprachlichen Wendungen“ musste er einen entsprechenden deutschen Ton finden. So entschied er sich, ohne Dialete auszukommen. Im Original hat Waldhüter Hagrid einen schottischen Akzent. „Doch wenn ich ihn schwäbeln oder berlinern lassen würde, wäre das bald peinlich.“ Um dem gutmütigen Riesen dennoch einen entsprechenden Touch zu geben, verschluckt er bestimmte Buchstaben, sagt „drauf“ statt „darauf“ oder ’n statt „ein“.

Viel Mühe muss Fritz darauf verwenden, die bildhaften Bezeichnungen für Tiere, Pflanzen und Geister ins Deutsche zu übertragen. „Die sprechenden Namen der magischen Wesen sollen etwas Greifbares sein, unter dem sich die Kinder etwas vorstellen können.“ Selbst für Stabreime im Original sucht er ein Pendant. So wurden aus den „Knallrümpfige Kröter“ und der Moaning Myrtle die „Maulende Myrte“.

Während Übersetzer sonst im stellen Kämmerlein arbeiten, brachte der Wirbel um Harry Potter auch Fritz ein wenig ins Rampenlicht. Allein in Deutschland wurden mehr als elf Millionen Exemplare bisher verkauft. Lesungen mit Joanne K. Rowling oder Rufus Beck oder Auftritte auf Buchmessen brachten Fritz in die Öffentlichkeit.
Quelle: Heute.t-online.de vom 20.06.2003
Linktipp:
Die Community „Harry auf Deutsch“ setzt sich mit der Übersetzung von Harry Potter auseinander, hat einige Klöpse („Gurken“) bei der Übersetzung entdeckt und macht Verbesserungsvorschläge.

Harry nun auch wieder auf Deutsch

Am Samstag ist es endlich soweit: der neueste Band der Harry-Potter-Reihe erscheint auf Deutsch, rund vier Monate nach der Veröffentlichung des Originals „Harry Potter and the Order of the Phoenix“. Dorle Neumann von dem „Westfälischen Nachrichten“ sprach mit Sabine Wilharm, die auch wieder das Cover des jüngsten Band gestaltete. Es begann alles ganz harmlos. Sabine Wilharm erhielt einen Anruf vom Hamburger Carlsen-Verlag. Ob sie nicht den Einband für ein viel versprechendes Kinderbuch gestalten wollte? Und die Hamburgerin hatte Zeit und Lust, das Buch gefiel ihr, sie sagte ja – zum Glück. Denn der Junge, der da aus ihrer Fantasie auf das Papier sprang, wurde weltberühmt. Sein Name: Harry Potter.

Inzwischen, so räumt die Illustratorin ein, ist sie „ein bisschen zittriger“, wenn sie die Entwürfe für einen neuen Potter-Umschlag zeichnet. „Schließlich ist einem bewusst, dass weit über eine Million Menschen auf das Cover schauen werden.“

Für den neuen Band hatte sie auch wieder vier verschiedene Motive entworfen: Den Raum mit dem archaischen Bogen, in dem Harrys Patenonkel Sirius Black für immer (?) verschwindet; dann der gute Phönix und die böse Schlange im Kampf; eine Häuserschlange; und den Raum mit den vielen Türen im Ministerium für Zauberei, in dem die Hogwarts-Sprößlinge den Kampf gegen Voldemort & Co aufnehmen. Nach intensiver Diskussion stellte der Carlsen-Verlag die letzteren beiden im Internet zur Abstimmung. 102 799-mal machte es klick – dann stand das Raum-Motiv mit 55,1 Prozent knapp als Sieger fest. „Mein Favorit war das andere“, gibt Sabine Wilharm zu. Und musste deshalb „nachsitzen“: Seit Band zwei wird das Covermotiv auf Vor- und Rückseite gestaltet – und für den Türen-Raum hatte sie noch nichts entwickelt. So viel sei verraten: Die Schlange und der archaische Bogen tauchen auf!

Die Hamburgerin, Jahrgang 1954, hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. In der Schule hat sie ein Zeichenlehrer ermutigt, nach der mittleren Reife ging sie auf Anraten der Mutter zur Fachhochschule : „Damals wollte ich Künstlerin werden“, schmunzelt sie heute. Ein Hochschulprofessor mit dem prägnanten Namen Wilhelm M. Busch weckte dann ihre Begeisterung fürs Zeichnen: „Wenn ich den nicht gehabt hätte.“

Seit dem Abschluss 1976 ist sie freie Illustratorin und arbeitet für Buchverlage und Zeitschriften. Einige Male hat sie auch Liedertexte für die „Sendung mit der Maus“ bebildert. Zeitweise hat sie einen Lehrauftrag an der FH innegehabt: „Da habe ich auch noch einmal viel über meine Arbeit gelernt, weil ich gezwungen war, anderen zu erklären, was ich mache!“ Ihren eigenen prägnanten Stil bezeichnet sie als „etwas karikierend mit Comic-Elementen, räumlich und dynamisch.“

Wenn sie einen Auftrag auf dem Atelier-Tisch liegen hat, dann „kreist“ sie ihre Figuren erst einmal ein. Das spontane Beispiel während des Interview gibt einen Eindruck. „Nein, der ist im Gesicht zu schmal“, meckert sie an der Harry-Skizze herum, während ihre Hand über das Papier flitzt. „Der sieht schon viel zu alt aus“ – sie hat Recht. Aber dennoch ist es unverwechselbar Harry.

Normalerweise bekommen Illustratoren von den Lesern wenig Resonanz auf ihre Arbeit. Deshalb war sie „völlig überwältigt“, als sie für Band vier zu einer Signierstunde in eine Poppenbütteler Buchhandlung fuhr. „Da wartete eine lange Schlange, Kinder und Eltern, keiner hat gemurrt, dass es so lange dauerte“, erinnert sie sich noch erstaunt und beeindruckt. Und am Ende tat ihr der Arm nur noch weh.

Trotz des Harry-Booms – viel lieber illustriert Sabine Wilharm nach eigenem Bekunden ein ganzes Buch. Auf der Grundlage des Textes kann sie dann frei gestalten, „die Figuren können sich entwickeln“. Zu richtigen „Typen“, wie etwa das Bilderbuch „Ein Huhn, ein Ei und viel Geschrei“ beweist. Der Autor sieht das Resultat immer erst nach der Fertigstellung. Eine enge Absprache vorher hält sie nicht für sinnvoll – „das fände ich zu einengend“. Und dann lächelt Harrys optische Mutter: „Der eine oder andere Autor kriegt sicher einen Schock, wenn er die Illustrationen sieht.“

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Dorle Neumann aus den Westfälischen Nachrichten vom 25. Oktober 2003. Dorle Neumann