Der 22-Stunden-Tag

Samstag, 24.03.2012

Heute heißt es früh aufstehen (5.30 Uhr), da mein Flieger schon von 9.45 Uhr nach Gatwick abgeht. Wieder muss ich in Frankfurt zwischenlanden und noch einmal durch die Sicherheitskontrolle. Auf meinen Einwand, ich sei schon in London kontrolliert worden, heißt es „Das war London, hier ist Frankfurt“. Solche Kleinstaaterei dient niemandem. Nichts gegen Sicherheitsvorkehrungen, ab so etwas kann man anders regeln. Als letzter Passagier gehe ich an Bord des Kleinflugzeuges nach Münster-Osnabrück. Ich hoffe, dass es bald wieder eine direkte Verbindung von Münster nach London geben wird. Aber offenbar ist dem Oberbürgermeister und dem Stadtrat Umbenennung des Hindenburgplatzes in Schlossplatz wichtiger, als sich darum zu kümmern, dass aus dem Flughafen FMO zunehmend ein Geisterflughafen wird.

So schnell, können 12 Tage vorbei sein! Heute ist mein Tag gleich 2 Stunden kürzer: eine Stunde wegen des Zeitunterschiedes zwischen dem UK und Deutschland und eine weitere wegen der Sommerzeit (ja gut, eigentlich findet die Umstellung am Sonntag statt.)

Dank vor allem an Norman für die Gastfreundschaft und die Fahrdienste, Mike für das unermüdliche Organisieren und John C. für die zahlreichen Christie-Hintergrundinformationen.

Rückkehr nach London

Heute heißt es Abschiednehmen. Bis 10 Uhr müssen wir das Appartement räumen. Dann werden im Museumsladen noch letzte Einkäufe getätigt.

Norman, John P. und ich machen Zwischenstation in Exceter, während Mike und John C. direkt nach London fahren. In Exceter ist gar nicht so einfach, das Parkhaus in der Innenstadt zu finden. Während wir die Kathedrale besichtigen, probt die Roman Catholic School Notre Dame aus Portsmouth ihr Musical „Seven last words„, das die Schüler am Abend in der Kathedrale aufführen. Eine passende Musikuntermalung.

Nach einer Stärkung im Café im Klostergarten geht es weiter nach London zurück. Abends kehren wir in einem indischen Restaurant ein, angeblich der Lieblings-Inder von Premier Cameron (Ob man mit ihm dort für 250.000 Pfund essen kann, wird noch zu klären sein).

Fotos von diesem Tag in meinem Fotoalbum

Exkursion nach Torquay

Donnerstag, 22.03.2012

Nach dem Frühstück gründlich die Bücher, die im Haus ausliegen (The library, The drawing room, the Dining room, The kitchen, archeology, writing) abfotrografiert und gelesen. Fotos vom Appartement gemacht.
Kleiner Lunch im Café. Um 13.15 Uhr mit dem historischen Bus nach Torquay gefahren. Dort den Pavillion und die dortige Ausstellung zum 100-jährigen Bestehen des Gebäudes angesehen. Heute wirkt der Pavillion ziemlich trostlos, viele Geschäfte stehen leer. Auch die Tourist Information sieht nicht viel besser aus. Der Christie Shop ist mittlerweile geschlossen. Durch die Fußgängerzone geschlendert, die Geschäfte dort werden von Jahr zu Jahr billiger. Bei Tesco etwas geshoppt. Dann zum Imperial Hotel gelaufen. Treffen dort min den Anderen. Devonshire Cream Tea (mit Cappuccino) genossen. Um 17.20 Uhr bringt uns der historische Bus zurück nach Greenway. Der Fahrer ist so mutig, uns während der Fahrt Informationen zu Agatha Christie zu geben. Es ist etwas wie früher bei „Dalli Dalli“, wo es Aufgabe war, in einer Geschichte möglichst viele Fehler zu entdecken (z.B. dass Agatha Christie die Hochzeitsnacht mit ihrem zweiten (!) Ehemann im Grand Hotel verbrachte).
Leider regnet es, als wir aus dem Bus in Greenway aussteigen. So fällt mein Gang durch den Garten in Greenway sprichwörtlich ins Wasser.

In unserem Abendprogramm werden heute zwei japanische Animationen von Poirot und Marple ausgestrahlt. Wir rätseln zwar, warum ein Mädchen (angeblich die Tochter von „Krimi-Autor“ Raymond West, Neffe von Miss Marple) mit einer Ente in jeder Folge ständig auftaucht. Ansonsten halten sich die Zeichentrickfolgen eng an die Vorlagen. Anschließend eine weitere Fogle von Tommy und Tuppence: „The man in the mist“.

Ein Tag in Greenway und in Gampton

Mittwoch, 21.03.2012

Heute nutze ich die Gelegenheit, Greenway House einmal ganz gründlich zu besichtigen. Ich verbringen knapp zwei Stunden im Haus und lese die Texte in den Räumen in Ruhe durch.

Nach einer längeren Mittagspause laufen Norman, Mike und John C. nach Gampton. In dem Ort konnte Agatha Christie ihre Einkäufe erledigen. Wir dürfen einen Blick in die Grundschule werfen, wo die Queen of Crime 1971 einen Anbau einweihte.

Abends steht diesmal ein Tommy und Tuppence-Krimi auf dem Programm: „The secret adversary“. Nach längerem Überlegen einigen die Muttersprachler sich darauf, dass die Betonung bei „Adversary“ auf der ersten Silbe liegt. Ansonsten ein guter Film, der schon lange nicht mehr im deutschen Fernsehen wiederholt wurde.

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Unusual Houses: Coleton Fishacre und Castle Drogo

Dienstag. 20.03.2012

Nach dem Frühstück fahren Norman, John P. und ich zu Johns B&B-Place „The Barn“. Die ehemalige Scheune ist sehr luxuriös umgebaut worden. Von dort ist es nicht weit bis zur ehemaligen Jugendherberge. Diese wurde letztes Jahr verkauft und der neue Besitzer versetzt das Haus in seinen alten Zustand bevor es Jugendherberge wurde zurück. Die Herberge spielt eine Rolle in Dead man’s folly, wo die Übernachtungsgäste von dort über das Grundstück von Ness House (alias Greenway) sehr zum Ärger des Besitzers laufen, um den Weg zur Fähre abzukürzen. Der neue Besitzer ist so freundlich, uns in den Hof zu lassen, um Fotos zu machen.

Von der Jugendherberge fahren wir nach Coleton Fishacre. Das Haus wurde von der Familie D’Oyle Carte erbaut und im Art Deco Stil eingebaut. Richard D’Oyle Carte und sein Sohn Rupert (der Erbauer des Hauses) produzierten Gilbert and Sullivan’s Operetten und betrieben das Savoy Theatre und Hotel.
Rupert D’Oyle Carte fuhr freitags mit dem Zug nach Coleton Fishacre und nutzte das Haus an den Wochenenden, während seine Frau Lady Dorothy Gathorne-Hardy die ganze Woche über im Haus wohnte. Doch Coleton Fishacre war kein glückliches Haus. 1932 starb der einzige Sohn der Familie Michael im Alter von 21 Jahren bei einem Motorradunfall in der Schweiz. In der Folge entfremdete sich das Paar und ließ sich 1936 scheiden. 1982 ging das Haus in den Besitz des National Trust über.

Nach der Besichtigung des Hauses fahren wir nach einem kleinen Lunch weiter in Richtung Exeter nach Drogo Castle. Das Haus der Familie Doyle wurde als normannisches Castle aus Granit erbaut (das letzte Castle, das im UK gebaut wurde). Der berühmteste Architekt der Zeit Lutyens wurde dafür engagiert. Doch auch die Familie Doyle wurde vom Schicksal getroffen: der älteste Sohn der Familie, der mit seinem Vater das Castle geplant hatte, fiel im Ersten Weltkrieg in Ypern. Danach wurden die Pläne für das Castle auf ein Drittel beschränkt. 1930 bezog die Familie das Haus. 1974 übernahm der National Trust das Haus. Das Castle muss allerdings kernsaniert werden, weil Feuchtigkeit in den Granit eingedrungen ist. Der Granit muss abgetragen, Membranen einer deutschen Familie verlegt und die Granitblöcke wieder aufgesetzt werden.
Nach der Besichtigung fahren wir zurück nach Greenway. Nach Salmon Pie aus dem Ofen sehen wir eine Hindu-Version von „The unexpected guest“.

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Moorland Hotel und Widecombe

Montag, 19.03.2012

Nach dem Frühstück fahren wir zum Moorland Hotel in der Nähe von Haytor. Dort arbeitete Agatha Christie während eines 14-tägigen Urlaubs an ihrem Erstlingswerk „The mysterious affair at Styles“. Da das alte Hotel abbrannte, sieht es heute anders aus als zu Agatha Christies Zeiten. Nach einer Kaffeepause im Café des Hotels fahren wir weiter nach Widecombe. In dem idyllischen Ort (ohne Handyempfang) schauen wir uns die Kirche und den alten Friedhof an und lunchen im Old Inn am Herdfeuer.
Nach der Mittagspause geht es nach Newton Abbot. Dort kaufen wir Nachschub bei Tesco ein und bringen die „Girls“, die leider schon wieder nach London zurückreisen müssen, zum Bahnhof.
Wir fahren zurück nach Greenway, wo relaxen angesagt ist.

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Burgh Island

Sonntag, 17.03.2012

Nach dem Frühstück brechen wir nach Burgh Island auf. Da Mike seine Navigation auf „kürzeste Route“ eingestellt hat, geht es über endlose einspurige Wege zur Halbinsel. Es herrscht Ebbe, wir können wir zu Fuß zu Insel. Nach einem Rundgang über die Insel gibt es einen luxuriösen Lunch: Nach Pork Cheek Cappaccio und Entenbrust gibt es für mich zum Abschluss Schokoladen-Parfait, Schokoladencreme und Mousse.
Auf dem Rückweg legen wir einen Stopp in Torquay ein und besichtigen in der Rock End Avenue „Nick Bucklys“ Haus (Aus „Peril at End House“).
Dann geht es zurück nach Greenway. Alle sind angenehm überrascht von „A murder is announced“ aus dem Jahr 1956. Der Film setzt trotz seiner Kürze von knapp 60 Minuten das Werk getreu um. Miss Marple mit schottischem Akzent ist allerdings etwas weird. Anschließend lösen Agatha Christie selbst und Dr. Who das Geheimnis um „The wasp and the unicorn“. Wir zählen 16 Christie-Titel, die im Film erwähnt werden.

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Dinner at Greenway

Samstag, 16.03.2012

Es gelingt uns, noch für den Abend ein Dinner im Dining Room in Greenway House zu buchen. Vormittags organisieren wir „in situ readings“ an der Battery (Five little pigs) und im Boats House (Dead man’s folly). Am Nachmittag fahren wir mit der Fähre (bekannt aus „Ordeal by innocence“) nach Dittisham (wie die gleichnamige Lady aus Five little pigs“) und mit einer anderen Fähre nach Dartmouth. In einem schiefen Haus(„The sloppy Deck“) trinken wir dünnen englischen Kaffee und essen gebutterte Scones.
Das Dinner im Dining Room in Greenway ab Abend ist nicht nur ein lukullisches Highlight. Abends sehen wir eine moderne französische Filmfassung von „Towards zero“ an und vergleichen die ersten fünf Minuten aus den beiden Verfilmungen von „4.50 from Paddington“ einmal mit Margaret Rutherford und einmal mit Joan Hickson. Im letzteren Film spielt die erste Szene in Normans Pfarrkirche.

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Auf nach Greenway!

Freitag, 16.03.2012

Am nächsten Tag treffen wir uns im Torquay Museum und decken uns dort mit Christie-Memorabilia ein. Anschließend gehen wir Lebensmittel für die Woche, die wir in der Ferienwohnung in Greenway benötigen, einkaufen. Nach einem Lunch im Grand Hotel holen wir Sue und Tracy („The girls“) vom Zug ab und fahren dann nach Greenway, wo wir die Wohunng beziehen. Darauf haben wir uns schon Monate gefreut.
Die Wohnung ist sehr komfortabel eingerichtet. Allerdings ist die Heizung ausgefallen und es ist freezing cold. Gentleman Norman leiht Tracy seinen Dressing gown gegen die Kälte. Wir machen ein Christie-Quiz und schauen eine Dokumentation über den Garten Greenway.

Fahrt nach Torquay

Donnerstag, 15.03.2012

Um 11.30 Uhr brechen Norman, John P. und ich Richtung Torquay auf. Um 15.30 Uhr erreichen wir Torquay und checken im Hotel ein. Wir treffen uns am Abend im Grand Hotel mit den John C. und Mike zum Dinner. Anschließend spielt zufällig der Pinanist in der Lounge die Titelmeldodien aus der Miss-Marple-Reihe mit Joan Hickson und der Poirot-Serie mit David Suchet.