Ausklang einer Reise

Unser Gasthaus bietet kein Frühstück und es ist gar nicht so einfach, ein Café zu finden, wo Frühstück serviert wird. Anschließend besichtige ich das „Nonnihaus“, das etwas außerhalb der Stadt liegt. Jón („Nonni“) Sveinsson war ein isländischer Jesuitenpater, der nach dem Tode seines Vaters aus finanziellen Gründen ins Ausland geschickt wurde, um dort die Schule zu besuchen. Später lebte er in Deutschland und veröffentlichte 12 Nonni-Bücher in deutscher Sprache, die in 30 verschiedene Sprachen übersetzt wurden. Sie erzählen von seiner glücklichen Kindheit in Island. 1988 verfilmte das ZDF zusammen mit dem isländischen Fernsehen „Nonni und Manni“ als eine damals sehr beliebte Weihnachtsserie.

Mittags geht es mit dem Flugzeug wieder zurück nach Reykjavik. Wir geben am Busbahnhof unser Gepäck zur Aufbewahrung auf und haben noch etwas Zeit, uns in der Stadt aufzuhalten. Ich nutze die Gelegenheit, die Besiedlungsausstellung „871 +-2“ zu besichtigen. Anhand von Lavaschichten kann der Beginn der Besiedlung der Insel auf den engen Zeitraum 869 bis 873 datiert werden, daher der Name der Ausstellung. Gezeigt werden archäologische Funde eines Langhauses, in dem die ersten Siedler lebten.

Um 18.30 Uhr nehmen wir den Bus zum Flughafenhotel. Nach dem Einchecken schlendern wir herüber in den Flughafen, um zu erfragen, ab wann man morgens einchecken kann. Doch die Information ist, wie wir erfahren, schon seit 18 Monaten nicht mehr besetzt. So begeben wir uns gleich am nächsten Tag nach dem Frühstück um 5.30 Uhr in den Flughafen. Für Mike geht der Flieger nach London Gatwick, meiner bringt mich – wieder problemlos – zurück nach Düsseldorf. So schnell geht eine lang geplante Reise zu Ende – die Eindrücke werden aber sicher noch lange erhalten bleiben.

Fotos aus Akureyri in meinem Fotoalbum

„Der Bus ist schon weg“ – Tücken von Fahrplanwechseln, wenn der Bus nur einmal am Tag fährt

Nach einem schönen Frühstück greife ich mir meine Kamera und mache einige Fotos von der sehenswerten Einrichtung unserer Unterkunft: jede Menge Möbel und Gegenstände aus der viktorianischen Zeit. Draußen regnet es heftig, das Wetter lässt erahnen, wie das Leben während des langen Winters hier sein mag.

Wir spazieren durch den Regen zur Tankstelle, von wo am Nachmittag der Bus abfahren soll. Dort erleben wir eine böse Überraschung: der Busfahrplan, den ich mir noch kurz vor der Abreise aus dem Internet ausgedruckt hatte, war noch der Sommerfahrplan. Inzwischen gilt der Winterfahrplan und laut dem fährt der Bus schon um 10 Uhr morgens ab, also vor einer halben Stunde.

Ein Paar aus unserem Gasthaus, mit dem wir uns beim Frühstück unterhalten hatten, und Beeren suchend durch die Gegend streift, bietet zwar netterweise an, uns Richtung Akureyri mitzunehmen. Doch wir rufen unseren Freund, den Taxifahrer vom Vortag an. Die Rückfahrt mit dem Taxi kostet „nur“ 20.000 Kronen.

Beim Einchecken in unserem Gasthaus dort, stellt sich heraus, dass der Besitzer aus Österreich kommt. Endlich kann ich mal wieder Deutsch reden. Das Wetter in Akureyri ist besser als in Siglufjörður: wir können die Stadt (mit ca. 60.000 Einwohnern die zweitgrößte Islands) ohne Regenjacke erkunden.

Fotos aus Akureyri in meinem Fotoalbum

Mit dem Flugzeug in den Norden oder die Suche nach dem Vikar

Norman und John R. sind schon vor Tag und Tau wieder nach London zurückgeflogen, während Mike und ich gemütlich frühstücken können und mittags vom Regionalflughafen in der Innenstadt von Reykjavik nach Akureyri in den Norden der Insel fliegen. Da in Reykjavik zum „Abschluss des Sommers“ ein Marathon stattfindet, sind alle Straßen für den Autoverkehr rund um unser Hotel gesperrt. So rollen wir unsere Koffer zur Hallgrímskirkja und fahren von dort mit dem Taxi zum nahe gelegenen Flughafen. Der Flug nach Akureyri dauert dann 45 Minuten. Nun ist Mikes Kunst, einen „special deal“ auszuhandeln, gefragt: am heutigen Samstag fährt nämlich kein Bus zu unserem Ziel Siglufjörður. Nicht nur gelingt es uns, ein Großraumtaxi zu chartern, Mike kann auch den Preis von 28.500 Kronen auf 25.000 Kronen drücken. Die Taxifahrt dauert ungefähr 75 Minuten. Kurz vor Siglufjörður hält der Taxifahrer auf Empfehlung unseres Freundes Ragnar Jonasson kurz am Hedinsfjordur, einem „Beauty spot“ an und wir können ein Foto machen. Per Zufall entdeckt Mike sofort, als wir Siglufjörður erreichen, unser Hotel, Siglunes Guesthouse.

Am Nachmittag trinken wir Kaffee in einer gemütlichen Bäckerei um die Ecke. Wir erkunden den kleinen Ort und besichtigen am Hafen das preisgekrönte Heringsmuseum (2004 erhielt es den europäischen Museumspreis). Es berichtet von der Heringsfischerei, die zwischen 1903 bis 1968 dem Ort zu einer kurzen Blüte verhalf. 20 Prozent des Exports liefen vom Hafen in Siglufjörður, über 3.000 Menschen lebten hier. Doch dann kam es wegen Überfischung zu einem abrupten Ende. Heute ist die Bevölkerungszahl auf ein Drittel geschrumpft.

Die Nahrungsaufnahme am Abend gestaltet sich problematisch: viele Restaurants stehen nicht zur Auswahl. In „Hannes Boy CAfé“, das mein Führer empfiehlt, stehen gerade mal zwei Gerichte zur Auswahl: Pferd und marinierter Hering. Wir gehen lieber ins Haus neben an, wo es weniger experimentierfreudiges Essen gibt, dazu trinken wir „Black death“. Wir überleben das Bier.

Dann schellt mein Handy: es ist Ragnar. Der Vikar, hat seinen Vater angerufen und der hat Ragnar angerufen. Ob wir noch zum Interview vorbeikommen wollen. Der Vikar, der nebenberuflich noch die lokale Website betreut, hatte davon erfahren, dass ich von Siglufjörður in Ragnars Krimis gelesen hatte und nun mir die Schauplätze mit eigenen Augen ansehen will. Wir hatten schon den ganzen Tag über versucht, den Vikar telefonisch zu erreichen, aber keinen Erfolg gehabt. Nun klappt es aber doch noch mit dem Treffen und der Vikar führt uns durch seine schmucke Kirche. Wir dürfen sogar den Turm besteigen und haben eine wunderbare Aussicht auf den Ort. Dann schießt der Pfarrer noch ein paar Fotos von uns vor der Kirche und vor dem Haus von Ragnars Familie. Hier wohnt auch Ari, der Dorfpolizist aus Ragnars sechs Kriminalromanen (zwei davon wurden bisher ins Deutsche übersetzt). Morgen kann der Vikar übrigens ausschlafen: nur an zwei Sonntagen im Monat wird Gottesdienst abgehalten.
Der Artikel des Vikars über unseren Besuch.
Fotos aus Siglufjörður in meinem Fotoalbum.


Videoclip (Fahrt durch den Tunnel)

Bike Tour nach Grotta

Morgens miete ich eine Fahrrad für fünf Stunden für einen Preis, wo man anderswo Räder für eine ganze Woche mieten kann. Aber es ist ein leichtgängiges Alu-Fahrrad mit 21 Gängen. Ich fahre damit an der Küste entlang zum Grótta-Leuchtturm, sehr einsam gelegen.

Von dort fahre ich zur Perlan (Perle). Der Turm liegt 61 Meter über dem Meeresspiegel und beinhaltete sechs Wassertanks mit 85 Grad heißem Wasser, mit dem Reykjavik mit Energie versorgt wird. Oben befindet sich ein Restaurant, das sich binnen zwei Stunden einmal um die eigene Achse dreht. Hier wurden prominente Gäste wie Bill Clinton bedient. Im vierten Stock befindet sich eine allgemein zugängliche Aussichtsplattform mit einem wunderschönen Blick auf die Stadt.

Anschließend fahre ich mit dem Rad zurück in die Stadt und gebe das Rad ab.

Fotos zu der Tour in meinem Fotoalbum.

Südküste und Jökulsárlón

Die heutige 14-stündige Bustour beginnt schon früh um 8 Uhr. Wir passieren die Vulkane Hekla und Eyjafjallajokull. Letzterer – auch kurz E15 genannt – legte 2010 mit seinem Ascheregen der Flugverkehr lahm. Wir fahren durch den Skaftafell Nationalpark. An der Gletscherlagune Jökulsárlón steigen wir um in Amphibienboote und fahren auf der Lagune mit dem beeindruckendem blauen Eis – eine optische Täuschung.
Unterwegs machen wir noch Station an den Wasserfällen Skogafoss und Seljalandsfoss. Man kann sogar hinter den Seljalandsfoss gehen.
Nach einem eindrucksvollem Tag erreichen wir um ca. 22.20 Uhr unser Ziel in Reykjavik. Etwas anstrengend war die Reiseführerin, die uns leider wenig Zeit im Bus zum Abschalten gönnte, sondern isländische Sagengeschichten und Märchen (zum Beispiel eine Rumpelstilzchen-Variation) vortrug. Mike, der die Tour am nächsten Tag unternahm, hatte noch mehr „Glück“ mit der Reiseleiterin, die die Gruppe durch das Gelände scheuchte (25 Minuten Pausen maximal und „if you won’t be here in 25 minutes, the bus will be gone!“) und während der Fahrt meinte, ihre Gruppe dadurch zu unterhalten, dass sie Lieder aus alten Musicals anstimmte – oft ziemlich neben der Tonhöhe.

Fotos von der Tour in meinem Fotoalbum


Skogafoss Wasserfall


Videoclip, aufgenommen mit meinem Smartphone

Die Blaue Lagune

Morgens besuche ich das Nationalmuseum in Reykjavik, unweit des schönen Tjörnin-See gelegen. Auf zwei Etagen wird die Geschichte des Landes von der Besiedlung um 870 bis zur Reformation und weiter bis zur Moderne mit eindrucksvollen Objekten und nicht überladenen Multimedia-Bildschirmen dargestellt.

Am Nachmittag fahre ich dann mit dem Bus zur Blauen Lagune in der Nähe des Flughafens. Der Eintrittspreis in das Open-Air-Wellness-Bad ist zwar gesalzen, doch das Baden in dem warmen milchig-weißblauem Wasser ist äußerst entspannend. Schwimmen kann man bei dem niedrigen Wasserspiegel allerdings nichts. Nach drei Stunden bringt mich der Bus wieder in die Hauptstadt.

Fotos zur „Blauen Lagune“ in meinem Fotoalbum.


Videoclip

Auf dem Golden Circle

Zur zivilen Zeit um 11 Uhr morgens starten wir eine Bustour auf dem Golden Circle. Auf dieser Tour durch die Umgebung von Reykjavik kann man viele Höhepunkte der Insel erleben. Erstes Ziel ist der Nationalpark Þingvellir. Hier treffen die eurasische und die amerikanische Kontinentalplatte aufeinander. Hier tagte jahrhundertelang das isländische „Parlament“, die Volksversammlung „Althing“.
Nächste Station ist der Wasserfall Gullfoss. Genauer gesagt sind es eigentlich zwei Wasserfälle. Der Gletscherfluss Hvitá stürzt den oberen Wasserfall ca. 11 Meter tief herunter und dann noch mal auf der zweiten Stufe, die in einem 90-Grad-Winkkel zur ersten Stufe steht, weitere ca. 20 Meter tief.
Das nächste Naturerlebnis ist der Geysir. Seit 1964 ist die Springquelle, die allen anderen ihren Namen gab, inaktiv. Doch ganz in der Nähe gibt es aktive Geysire.
Unser letztes Ziel ist die alte Bischofs“stadt“ Skálholt. Hier residierten von 1056 bis 1765 31 katholische und 12 protestantische Bischöfe bis der Bischofssitz nach Reykjavik verlegt wurde. Der Grundstein der heutigen Domkirche wurde 1956 aus Anlass des 900-jährigen Jubiläums der ersten Bischofsweihe gelegt.

Fotos zur Tour auf dem Golden Circle in meinem Fotoalbum.


Videoclip 1


Videoclip 2


Videoclip 3


Videoclip 4

Reykjavik

Nach einem ausgiebigen Frühstück gehen wir zur Hallgrimskirkja, die von unserem zentral gelegenen Hotel nur unweit entfernt ist. Die Kirche wurde erst 1986 nach 41-jähriger Bauzeit fertiggestellt. Nach der Besichtigung des Inneren fahren wir mit dem Fahrstuhl den Kirchturm herauf und genießen die Aussicht.
Anschließend mache ich mich auf, die Innenstadt von Reykjavik zu erkunden: das neue Parlament (Alpingishusid), Adalstraeti (lange Zeit die einzige Straße der Hauptstadt) und das Rathaus. Auf die Besichtigung des Doms (Domkirkjan) muss ich verzichten, da dort gerade eine Beerdigung stattfindet. Ich schließe meinen Rundgang am Regierungshaus (Amtssitz des Premierministers, ursprünglich als Gefängnis erbaut) ab.

Für den Abend hat Ragnar uns Karten für das moderne Konzerthaus („Harpa“) besorgt. Das isländische Symphonieorchester führt dort eine öffentliche Generalprobe für ihre Aufführung bei den Proms in London auf. Schumann und Beethofen stehen auf dem Programm sowie ein isländischer Komponist.

Die Fotos aus Reykjavik in meinem Fotoalbum.

Auf nach Island!

Am 17. August fliege ich mit Wow Air von Düsseldorf nach Reykjavik. Der Name der Fluggesellschaft hatte Skepsis bei Kollegen und Freunden hervorgerufen, doch diese erwies sich als unbegründet. Der Flug verläuft reibungslos. Mit einem Bus geht es zur Busbahnhof in der Innenstadt und von dort mit einem Shuttlebus zum Hotel. Dort warten schon meine Christie-Freunde Mike, Norman und John R. auf mich und nach dem Check-in geht es gleich weiter zu unserem Christie-Freund Ragnar, der in Reykjavik lebt. Dieser hat schon ein Barbeque vorbereitet: es gibt zartes Island-Lamm. Da es doch nur 14 Grad sind und wir nicht so abgehärtet sind wie die Isländer, gehen wir doch zum Essen ins Haus.

Nach dem guten Essen gehen wir zum Meer den Sonnenuntergang ansehen und machen dann ein Spaziergang zum Hafen herunter. Wir besteigen einen künstlich angelegten Hügel mit einer kleinen Hüte auf der Spitze. Das ganze ist ein Kunstwerk: Þúfan („Kleiner Hügel“). Von dort gehen wir zurück in den Innenstadt. Da es mittlerweile 24 Uhr (nach deutscher Zeit 2 Uhr) ist, bin ich doch froh, als wir schließlich an unserem Hotel Thingholt ankommen.