Harrogate: Crime Festival und Old Swan Hotel 

Mittags fahre ich mit einem alten Regionalzug nach Harrogate. Die Fahrt dauert nur eine Stunde. Vom Bahnhof mache ich mich zum Old Swan Hotel auf. Dieses Hotel stand schon länger als Reiseziel auf meiner Liste, weil hier Agatha Christie 1926 unter dem Namen Teresa Neele abstieg, nachdem sie ihr Haus „Styles“ in Berkshire mitten in der Nacht ohne jemanden zu informieren verlassen hatte. Sie befand sich ein einer Lebenskrise, weil ihr Mann Archibald wegen einer anderen Frau (Nancy! Neele) sie um die Scheidung gebeten hatte. Damals hieß das Hotel noch „Swan Hydropathic Hotel“ (Harrogate war ein bekannter Kurort). Fast das ganze Land war auf der Suche nach der verschwundenen Krimiautorin. Nach zehn Tagen meldete sich ein Musiker, der im Hotel arbeitete, bei der Polizei. Er hatte Mrs. Christie erkannt. Die genauen Umstände und vor allem die Beweggründe für das Verschwinden sind bis heute Grund für Spekulationen. Für den Film „Agatha“, der 1979 in die Kinos kam, wurde hier im Hotel im Ballsaal und im Speisesaal gedreht.
Das Hotel ist komplett ausgebucht, denn das „Theakston Old Peculier Crime Writing Festival“ findet hier statt. Ich bin überrascht, dass es so viele eingefleischte Krimifans gibt – und vor allem auch so viele Autoren, deren Bücher auf dem Festival vorgestellt werden. Doch keine(r) kann meiner Meinung nach der Queen of Crime das Wasser reichen und so höre ich mir nur wenige Veranstaltungen des Festivals an.
Am Sonntag geht meine Reise zu Ende. Mit dem Zug fahre ich nach Manchester. Leider hat mein Flug am Abend weit über eine Stunde Verspätung, so dass ich in Düsseldorf lande, als der letzte Zug nach Münster schon abgefahren ist und erst am frühen Montagmorgen erreiche ich heimischen Boden.

Fotos aus Harrogate in meinem Fotoalbum

York und Castle Howard revisited

Am Vormittag fahre ich mit einem Regionalzug weiter nach York. Mit einem Taxi geht es weiter zu meiner Pension „Monkgate Guest House“. Ich habe mit der Pension eine sehr gute Wahl getroffen: sehr zentral, ein sehr geräumiges Zimmer und vor allem sehr nette Gastgeber. Gleich zu Anfang bekomme ich nützliche Tipps für meinen Aufenthalt. Nach dem Auspacken mache ich mich auf den Weg, die Stadt neu zu erkunden. Bereits zweimal war ich bereits in York, der letzte Besuch ist aber über zwanzig Jahre her. Unter anderem besichtige ich die „Merchant Adventurers’ Hall“, das Haus der Kaufmanns-Gilde. Um 18 Uhr nehme ich an einer kostenlosen Stadtführung teil. Pensionär Malcolm beginnt an den Museums Gardens, dann geht es zum King’s Manor und ein Stück auf der Stadtmauer entlang. Nach der sehr informativen Führung stärke ich mich erst mal mit einem Burger.

Am nächsten Morgen fahre ich mit dem Bus nach Castle Howard. Bereits bei meinem ersten Besuch in York hatte mich ich das Castle sehr beeindruckt. Nach 28 Jahren war es höchste Zeit für eine Wiederkehr. Ich bin angenehm überrascht, dass man im Schloss fotografieren darf. Castle Howard war Drehort für beide Verfilmungen von „Brideshead Revisited“ (1981 und 2008). Außerdem wurden Innenaufnahmen für die TV-Serie „Death Comes to Pemberley“ hier gedreht. Diesmal habe ich mehr Glück mit dem Wetter als 1988. Zwar zieht es sich zum Nachmittag hin zu, aber es bleibt im Gegensatz zu meinem ersten Besuch, bei dem es in Strömen regnete, trocken.

Am Nachmittag fahre ich zurück nach York und tauche in die Geschichte dieser mittelalterlichen Stadt ein. Bevor ich am nächsten Tag weiter nach Harrogate – meiner letzten Station auf der Reise – weiterreise, besuche ich noch das York Castle Museum. Hier wird das Leben vergangener Generationen wieder lebendig. Im Erdgeschoss ist in der „Kirkgate“ eine viktorianische Straße nachgebaut.

Fotos aus York und von Castle Howard in meinem Fotoalbum

Liverpool: auf den Spuren der Fab Four

Am Samstagvormittag fahre ich von London aus nach Liverpool. Mein Quartier, das Travel Lodge, liegt direkt an den Docks. Die Mischung aus moderner Architektur und klassizistischen Gebäuden ist beeindruckend. Das Beatles Museum zeigt anschaulich die Anfänge der „Fab Four“ als Schulband (The Quarrymen, benannt nach der Quarry Bank High School), ihre ersten Auftritte in Hamburg und in London im Cavern Club sowie den Beginn der Weltkarriere gemanagt von Brian Epstein. Eine zusätzliche Ausstellung „The British invasion“ beleuchtet den Erfolg britischer Bands und Musiker im Gefolge der Beatles in den USA.
Das Liverpool Museum zeigt ebenso anschaulich und noch dazu kostenlos die Stadtgeschichte Liverpools. Vom Aufstieg der Hafenstadt – in Liverpool wurde in der Blütezeit ein Viertel des Welthandels abgewickelt – über den Niedergang in den 1970er Jahren durch das Aufkommen des Containertransports bis zur wirtschaftlichen Erholung der Stadt.
Liverpool besitzt zwei Kathedralen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die neugotische Liverpool Cathedral entstand 1904 bis 1978, die römisch-katholische Liverpool Metropolitan Cathedral wurde 1967 eingeweiht. Ursprünglich sollte letztere Kathedrale viel größer ausfallen. Der renommierte Architekt Sir Edwin Lutyens plante die zweitgrößte Kirche mit der größten Kuppel. Doch wegen Geldmangels kam es nur zum Bau der Krypta. Mit seinem kreisrunden Grundriss folgte der moderne Kirchbau den Ideen des Zweiten Vatikanischen Konzils. „Paddy’s Wigwam“ und „The Mersey Funnel (Trichter)“ wird das Gebäude auch scherzhaft genannt.

Fotos aus Liverpool in meinem Fotoalbum

Harry und Aladdin 

Knapp neun Jahre nach dem Erscheinen des letzten Harry-Potter-Bandes ist London wieder im Potter-Fieber. Nicht nur Waterstones veranstaltet zum Erscheinen des „achten Bandes“ „Harry Potter and the cursed child“ zu Mitternacht Verkaufsaktionen. Es handelt sich eigentlich um das Skript zum gleichnamigen Theaterstück, von dem seit dem 7. Juni Previews gezeigt wurden. Die offizielle Uraufführung fand am 30. Juli 2016 im Palace-Theatre in London statt. Ein Tag später erschien das Skript in Buchform.

Für „Harry Potter and the cursed child“ hatte ich natürlich keine Karten (erst im August gelingt es mir, Karten für Juni 2017 zu ergattern), aber für „Aladdin“. „Aladdin“, das Musical zu dem gleichnamigen Disney-Zeichentrickfilm von 1992, feierte bereits am Broadway Erfolge. 2015 kam das Musical nach Hamburg und feierte am 15. Juni 2016 Premiere im Prince Edward Theatre in London. Trevor Dion Nicholas überzeugt im West End als Genie, nachdem er bereits am Broadway als Zweitbesetzung des Lampengeistes auftrat. Allerdings tritt er mit dem Song „Friends like me“ erst zum Ende des ersten Aktes auf. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Show etwas langsam. Auch die Chemie zwischen Aladdin und Jasmine fehlt. Die Sidekicks Abu (Aladdins Affe) und Rajah (der Tiger) hat man leider für das Musical gestrichen und Jajo ist kein Papagei mehr. Warum die Schauspieler – bis auf Trevor Dion Nicholas – Briten mit aufgesetztem amerikanischen Akzent singen, erschließt sich mir nicht. Mein Eindruck von dem Musical ist eher gemischt, ich bevorzuge den Zeichentrickfilm. Wenigstens wurde für das Muscial der Song „Proud of your boy“ verwendet. Den Titel hatte Howard Ashman kurz vor seinem Tod für seine Eltern geschrieben, er wurde dann aber aus dem Soundtrack für den Zeichentrickfilm gestrichen. Im Musical findet er nun Verwendung.

Fotos aus London in meinem Fotoalbum

Ein Besuch auf Highclere Castle

Als Fan der Serie „Downton Abbey“ wollte ich unbedingt einmal das Anwesen besuchen. In Wirklichkeit heißt es Highclere Castle und liegt in Hampshire, an der Grenze zu Berkshire.

Das Castle, das sich in Privatbesitz des Lord und Lady Carnarvon befindet, kann im Sommer besichtigt werden. Entweder fährt man mit dem Auto hin oder man schließt sich einer Busreise an. Ich hatte mich für letzteres entschieden.

So stehe ich, nachdem ich die Tour bereits im Dezember gebucht hatte, am 14. Juli vor dem Blumenladen Flowers Inc. an der U-Bahn-Haltestelle Gloucester Road. Pünktlich um 9 Uhr beginnt die Tour mit „Britmovie Tours“. Unsere Tour Guides sind Dowie (walisische Form von „David“) und Stuart. Unser Busfahrer heißt Kevin. Bestimmt die Hälfte der Reisenden kommt aus den USA, wo Downton Abbey große Popularität besitzt. Dowie fragt ab, wie viele Fans unter den Teilnehmern sind und wer in den Bus „shouting and screaming“ geschleppt worden sei.

Unterwegs zu unserem ersten Halt, Bampton, sehen wir die erste Folge von Downton Abbey. Dowie weiß einiges anschließend von den Dreharbeiten zu berichten. In Bampton, in Oxfordshire, eine knappe Stunde von Highclere Castle entfernt teilen wir uns in zwei Gruppen auf, da das Dorf sehr klein ist. Der Ort diente als Kulisse von Downton Village, da die Häuser ähnlich wie in Yorkshire aussehen (wo die Handlung der Serie spielt) und trotzdem nahe bei Highclere Castle liegen.

Wir sehen uns die Kirche an, wo in der Serie geheiratet und bestattet wurde. Die Bibliothek diente für Außenaufnahme des Krankenhauses. Ein Gebäude gegenüber der Kirche ist „Crawley House“. An der Kirche auch der Platz, wo das Kriegerdenkmal in Staffel 5 erbaut wird.

Dann geht es mit dem Bus weiter zum eigentlichen Ziel Highclere Castle. Das Schloss wird individuell besichtigt. Die Raumübersicht, die Britmovie erstellt hat, ist dabei hilfreich. Dank der Einnahmen aus der Fernsehserie und den dadurch gestiegenen Besucherzahlen konnte endlich das Dach des Anwesens saniert werden. Feuchtigkeit war schon die Räume im Obergeschoss eingedrungen und diese können nicht besichtigt werden. Aber auch ohne diese gibt es genug im Castle zu sehen. Der „Saloon“ und die „Library“ wirken allerdings kleiner als im Fernsehen. Noch beeindruckender als das Haus ist der Garten, den „Capability Brown“ anlegte. Ich genieße seine Landschaftsarchitektur bei bestem Sommerwetter und verzichte dafür auf die Besichtigung des Archäologischen Museums. Der 5. Earl of Carnarvon finanzierte die Ausgrabungen von Howard Carter in Ägypten und erhielt einige der Ausgrabungsstücke. Nach seinem plötzlichen Tod wurden sie an das Metropolitian Museum of Art verkauft, einige eher „unbedeutende Teile“ (Howard Carter) blieben aber in Highclere und wurden 1987 dort wieder entdeckt. Seitdem gibt es dort eine ägyptische Sammlung zu sehen.

Am Nachmittag geht es dann zurück nach London. Eine unterhaltsame und empfehlenswerte Tour!

Die Fotos von Highclere Castle in meinem Fotoalbum