Birmingham, Coventry, Stratford-upon-Avon 

Meine erste von drei England-Fahrten beginnt heute. Ich fahre zunächst zum Düsseldorfer Flughafen. Dort geht es mit Eurowings nach Birmingham. Als sich der Kapitän für den etwas verspäteten Abflug entschuldigt, entfährt es meiner Sitznachbarin empört: „Slight?! 25 minutes!“.

Dennoch erreichen wir ziemlich pünktlich Birmingham. Sehr bequem ist, dass man binnen weniger Minuten mit dem Zug in Birmingham Stadt ist. Hier nehme ich ein Taxi zu meinem Hotel. Dort wartet eine unangenehme Überraschung auf mich: ich bin nicht im System. Irgendwo zwischen Check24, eHotel und Jury muss meine Buchung stecken geblieben sein. Glücklicherweise ist ein Zimmer frei und am nächsten Tag ist das Problem mit Check24 gelöst.

Mein Aufenthalt in Liverpool im letzten Jahr hatte mich dazu inspiriert, auch Birmingham einmal zu besuchen. Viel ist hier bereits geschehen: prächtige Bauten aus der georgianischen und viktorianischen Epoche sind bereits saniert, aber es gibt auch noch einige Großbaustellen mitten in der City. Die Stadtbibliothek hat einen großen Neubau erhalten, unbedingt ansprechend ist er nicht.

Am nächsten Morgen (Karfreitag) mache ich mich nach Coventry auf. Die Stadt wurde gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs von der Luftwaffe bombardiert. Goebbels sprach später zynisch von coventrieren. Als Folge findet man im Stadtbild einige mittelalterliche Gebäude, aber auch hässliche Neubauten aus den 1950er und 1960er Jahren. Die Ruinen der zerstörte Kathedrale blieben als Mahnmal erhalten. Schon früh gingen von Coventry Zeichen der Versöhnung aus. Aus drei großen Zimmermannsnägeln ließ der damalige Dompropst Richard Howard ein Kreuz anfertigen, dieses Nagelkreuz wurde zum Symbol der Versöhnung.

Nach der gewonnen Battle of Britain bombardierten die Briten ihrerseits deutsche Städte. Die Gewalt kehrte in das Land zurück, aus dem sie kam. Zufällig fand ich kürzlich im Nachlass meiner Tante Tagebuchaufzeichnungen einer Freundin von ihr. Darin berichtet sie von Bombenangriffen in Münster:

9. Juli [1941]
Ecke Wermelingstraße ist ein Lufttorpedo gefallen, ein einziger Trümmerhaufen. 6 Personen liegen noch darunter. Man darf nicht darüber nachdenken, stundenlang sollen sie noch geklopft haben.
Die Posten lassen mich nicht durch, bleibt mir nichts Anderes übrig, als über das zerstörte Haus zu klettern. Unsere Straße ist unversehrt geblieben. Aber sie bietet trotzdem ein furchtbares Bild. Völlig ausgestorben, die Häuser zum Teil schwer beschädigt, die hohlen Fensterscheiben, die Straße mit Dreck, Steinen, Glas und Ziegel bedeckt, man kann es bald nicht fassen. Und überall die strahlende Sonne, ein Himmel so blau, aber ich kann mich nicht darüber freuen. Mich friert in der warmen Sonne und so schnell es der Schutt und die Steinbrocken erlauben, laufe ich zurück, weil ich plötzlich Angst habe. Jetzt kann man erst verstehen, wie furchtbar es für die Menschen sein muss, wenn sich alle ihr Hab und Gut verlassen müssen und nachher alles zerstört ist. Hat Frankreich das nicht schon zweimal mitmachen müssen? Und trotzdem gibt es immer wieder Krieg, zerfleischen sich die Menschen gegenseitig. Warum das alles bloß, nach jedem Krieg kommt ein Friede, aber wie viel Blut kostet der … Wir leben in einer furchtbaren Zeit, Krieg, wir haben etwas von der furchtbaren Wirkung dieses Wortes mitbekommen.

In Coventry beginnt das Mittelalter direkt hinter IKEA: auf dem Weg zum Bahnhof komme ich an der Spon Street vorbei – eine der wenigen Straßen der Stadt mit Häusern aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Einige der historischen Häuser sind nach dem in dieser Straße aufgestellt worden.

Mit dem Zug fahre ich wieder zurück nach Birmingham.

Am nächsten Tag mache ich mich auf den Weg nach Stratford-upon-Avon. Bereits bei meiner ersten Großbritannien Fahrt 1985 auf der Oberstufe waren wir von Inverness kommend in Birmingham in den Station nach Stratford umgestiegen. Diesmal besuche ich nicht nur Shakespeares Birthplace, sondern auch New Place. Von dem Wohnhaus Shakespeare ist leider nichts mehr erhalten geblieben. Eine junge Amerikanerin erzählt uns die Geschichte des Hauses.

Die nächste Station meiner Shakespeare Pilgerreise ist Holy Trinity, mit dem Grab des Poeten. Zum Abschluss besichtigte ich Hall’s Croft, das Shakespeares Schwiegersohn, einem Arzt gehörte. Dann schaukelt mich die Lokalbahn zurück nach Birmingham.

Nach dem Besuch der Ostermesse in der Kathedrale St. Chad’s (leider ein Wortgottesdienst ohne eines der schönen Osterlieder), mache ich mich zum Flughafen auf, den man sehr schnell aus der City erreicht, Am Nachmittag geht es dann mit dem Flieger nach Düsseldorf zurück.

Fotos von de Reise wie immer in meinem Fotoalbum