Giftige Pflanzen, Christie-Filme und Tod auf dem Nil

Am letzten Tag des Christie-Festivals für mich besuche ich morgens die Garden Party im Garten von Torre Abbey. Viel gibt es nicht zu sehen: gerade einmal vier Zelte sind aufgestellt.

Ali Marshall, Head gardener von Torre Abbey, gibt zwischendurch Informationen über giftige Pflanzen, die in Agatha Chrisstie Romanen wichtige Rollen spielen. Aber auch dieser Vortrag war schon einmal auf einem Christie-Festival gehalten worden.

Ein weiteres Highlight am Nachmittag ist der Vortrag von Mark Aldridge „Christie on Screen“. Er weiß so viel über Christie-Verfilmungen zu berichten, dass er mit dem Jahr 1974 und „Murder on the Orient Express“ schließt. Hoffen wir auf einen zweiten Teil bei einem nächsten Christie-Festival.

Der Film am Abend „Death on the Nile“ mit Peter Ustinov findet trotz des kühlen Wetters diesmal doch draußen auf dem Gelände von Torre Abbey statt. Trotz ausgeteilter Decke sehne ich mich bei dem Film nach der Hitze Ägyptens.

Am nächsten Tag – das Festival ist noch nicht ganz zu Ende – fahre ich zurück nach London. Es war schön, so viele Freunde und bekannte Gesichter wieder zu treffen. Das Festival war allerdings unbefriedigend: viele Veranstaltungen waren Neuauflagen und neue Events (zum Beispiel die Rezitationen von arabische Poesie) hatten wenig Bezug zu Agatha Christie und ihrem Werk.

Am Abend sehe ich mit in London die abgedrehte Komödie „The play, that goes wrong“ an. Und was da alles schief läuft! Am nächsten Morgen fliege ich zurück, diesmal nach Dortmund.

Fotos von dem Tag in meinem Fotoalbum

Bus-Tour, Golfen, Sekundärliteratur und Island-Morde

Für den heutigen Tag hatte ich mich für die Bus-Tour mit John Risdon angemeldet, die einzige Veranstaltung, für die man sich als Besitzer der „Dauerkarte“ vorher anmelden musste. 70 Personen werden in den Bus gequetscht. Noch nie zuvor habe ich in einem Bus mit Dreier-Reihen gesessen. Die Lautsprecher-Box passt vorne nicht in den Bus, so muss der arme John die ganze Zeit stehen (was auch nicht ganz ungefährlich ist) und laut in den Bus rufen. Leider unterscheidet sich die Tour und das, was John Risden erzählt nicht wesentlich von der Tour, die er vor einigen Jahren schon einmal durchgeführt hat.

Mike Linanes und Jaclyn A. Lurkers Pitch n Putt unter dem Titel „Lurker-Linane Investigations“ kommt dagegen sehr gut an.

Wegen der Bustour muss ich auch auf Christie-Urgestein Joan Nott im Gespräch mit Mathew Prichard verzichten. Die hochbetagte Joan war die erste Reiseführerin in Torquay, die Chrstie-Touren anbot.

Am Nachmittag stellt John Curran im Torquay Museum seine „Christie Reference Library“ vor. Alle englischsprachige Sekundärliteratur und die Top Ten: Bücher über die Queen of Crime, die jeder Fan besitzen sollte.

Zurück in Torre Abbey geht es weiter mit Ragnar Jónasson. Ragnar hat einige Christie-Romane ins Isländische übersetzt und die isländische Christie Website ins Netz gestellt, bevor er selber anfing Krimis zu schreiben. Darüber interviewt ihn Niki Orfanou.

Wegen des kühlen Wetters wird die Vorführung von „Murder on the Orient Express“ (die klassische Verfilmung von 1974) nach drinnen verlegt.

Fotos von dem Tag in meinem Fotoalbum

Devon and creativity und endlich etwas über Agatha

Am heutigen Donnerstag beginnt endlich das Hauptprogramm. Die meisten Vorträge und Veranstaltungen finden in Torre Abbey statt. Der erste Vortrag ist leider eine Enttäuschung. Der Lokalhistoriker
John Risden hatte schon einige Vorträge über Agatha Christie und Torquay gehalten. Aber in seinem Vortrag „Creativity and the South Devon Landscape“ geht es gar nicht um Agatha Christie. Stattdessen zeigt er einige landschaftlich schöne Fotos der Grafschaft Devon und skizziert das Leben von der Steinzeit bis heute. Der Applaus am Schluss ist eher höflich.

Julius Green hatte bereits im Jubiläumsjahr 2015 über sein Buch „Curtain up“ über Agatha Christie und ihre Bühnenwerken berichtet. So bietet sein Vortrag „From page to screen“ denjenigen, die schon auf dem Christie Festival 2015 waren, nicht viel neues.

Ein echtes Highlight ist Christie-Biographin Janet Morgan, deren Buch bereits 1984 erschien und das in diesem Jahr mit einem neuen Vorwort erschienen ist. Sie erzählt frei von ihrer ersten Begegnung als damals junge Frau mit Agathas Tochter Rosalind, ihren Recherchen – insbesondere über das Verschwinden von Agatha Chrstie im Jahr 1926. Wozu überhaupt eine Biographie, wo ihre Mutter doch selber eine Autobiographie veröffentlicht habe – ob das nicht reiche, war damals die typisch direkte Frage von Rosalind. Um dann, als das Buch geschrieben war, zu ihrem Sohn Mathew zu sagen „Gar nicht mal schlecht“. Ein hohes Lob aus dem Mund der überkritischen Rosalind.

Der Tag wird abgerundet durch Dr. John Currans schon traditioneller „Mystery film Night“. Ich bin einer der wenigen, der vorher weiß, was gezeigt wird. Es ist die Verfilmung von „Spider’s web“ aus dem Jahr 1960, die kurz vorher von Pidax in Deutschland veröffentlicht worden war, noch bevor sie im UK neu auf DVD erschien. John hatte mich darüber zu Stillschweigen verdonnert. Und ich hatte die DVD, als sie geliefert wurde, mir nicht sofort angeschaut, sondern auf seine Film Night gewartet.

Fotos vom dem Tag in meinem Fotoalbum

Greenway, Paignton und And then there were none

Wie häufig das Agatha Christie Festival oder die Christie Week – wie die Veranstaltung früher hieß – stattgefunden hat, lässt sich nur schwer sagen. Mein erster Besuch war 2005. Obwohl das Event mittlerweile als International Festival firmiert, ist das Programm – nicht nur meiner Meinung nach – in diesem Jahr etwas mager. Die Buchung findet seit dem letzten Mal zentral statt. Dieses Mal musste man quasi die Katze im Sack kaufen: es wurde lange vor Veröffentlichung des kompletten Programms eine Dauerkarte angeboten – und erst kurz vor Beginn des Festivals gab es auch Karten für Einzelveranstaltungen.

Da die ersten Veranstaltungen erst für den heutigen Abend angesetzt sind, fahre ich mit John Curran in einem Taxi nach Greenway. John wird dort von Arte für eine Fernsehsendung interviewt. Ein Christie Festival ohne einen Besuch von Greenway, dem Ferienhaus von Agatha Christie in ihrer Heimat Devon, wäre für mich kein richtiges Christie-Festival. In diesem Jahr stellt Agatha Christie Limited alte Briefe von Fans an die Queen of Crime aus. Unter anderem auch einen Brief des damaligen 17-jährigen John Curran …

Zurück fahre ich von Greenway Halt mit dem Steam Train nach Paignton. Ich kaufe ein Ticket für die Abendaufführung von „And then there were none“. Zu Fuß gehe ich von Paignton nach Torquay. Ein sehr schöner Weg, zumindest so lange man am Strand lang gehen kann. Das letzte Stück führt leider an einer viel befahrenen Straße entlang.

Am Abend geht es mit dem Bus zurück nach Paigton ins Theater. Dafür verzichte ich auf den Book Launch des Comic Books „Agatha: the real life of Agatha Chrstie“ von Anne Martinetti und Guillaume Lebeau. Norman besucht den Vortrag „Revolutionary ride“ der jungen Britin Lois Pryce, die auf einem Motorrad alleine durch den Iran gereist ist. Der Christie-Bezug der Veranstaltung ist sehr lose: Frau – Reisen – Orient.

Abends trifft man sich im „Grand Hotel“.
Fotos vom Ausflug nach Greenway in meinem Fotoalbum

Fahrt zum International Agatha Christie Festival

Da es von Münster-Osnabrück immer noch keine direkte Verbindung nach London gibt, fliege ich mit Eurowings von Düsseldorf ab und lande in London-Stansted. Bei Christie-Freund Norman kann ich wieder übernachten und gemeinsam fahren wir am nächsten Tag von London-Paddington mit dem Zug nach Torquay. Passenderweisen wohne ich diesmal im Ashfield Guest House. Ashfield hieß auch das Elternhaus von Agatha Christie. Die Pension hat nur wenige Zimmer, ist sehr sauber und die Zimmer ausreichend groß und gut ausgestattet. Von Agatha Christie wissen die Besitzer allerdings nichts.

Fotos aus London in meinem Fotoalbum
Fotos aus Torquay in meinem Fotoalbum

Harry Potter and the Cursed Child

Bereits im August letzten Jahres war es mir gelungen, Karten für „Harry Potter and the Cursed Child“ zu ergattern.
Nun, nach fast einem Jahr stand endlich die Aufführung an zwei Abenden an. Das Skript, das bereits im letzten Jahr veröffentlicht wurde, hatte ich bereits gelesen. So war die Handlung für mich keine Überraschung mehr. Mehr fragte ich mich, wie die komplexe Geschichte mit den zahlreichen Orten (Haus der Potters, das Ministerium, Hogwarts, Hogwarts Express, der Große See auf dem Gelände von Hogwarts …) und unterschiedlichen Zeiten auf der Bühne umgesetzt würde.

Nicht umsonst hat das Stück bei den Oliver Awards neun Preise abgeräumt – soviel wie noch kein Stück zuvor. Verdientermaßen auch für die Bühnentechnik. Es gelingt auf der Bühne besser als in den Filmen, die Magie von Harry Potter lebendig werden zu lassen. Etwas seltsam, dass am Ende des ersten Teils die Schauspieler nicht vor den Vorhang treten, sondern einfach das Licht wieder angeht. So erhalten sie erst am Ende des zweiten Abends ihren verdienten Applaus. Ungewöhnlich an zwei Abenden hintereinander ins Theater zu gehen – und dabei fast auf haargenau das gleiche Publikum auf den gleichen Plätzen zu treffen!
Fotos aus London in meinem Fotoalbum

International Agatha Christie Conference 2017

Auch die von Jamie Benthal organisierte Internationale Agatha Christie Konferenz findet zum wiederholten Male statt. Nach zwei Malen in Exeter (2014 und 2015 ), im letzten Jahr in London, findet die Konferenz 2017 in Cambridge statt.

Norman und ich reisen schon am Vortrag aus London an. Die Zugfahrt ist mit 8 Pfund erstaunlich günstig. Nach der Ankunft am Nachmittag erkunde ich etwas die Stadt, die ich zuletzt 1995 besuchte hatte und finde mich zu den Evensongs am Spätnachmittag in der Kathedrale ein. Am Abend passiert mir ein Missgeschick: Der Bankautomaten der Barkley Bank spukt trotz korrekter Eingabe der PIN meine Karte nicht wieder aus. Ohne frisches Bargeld und Karte muss ich zurück ins Hotel.

Am Morgen kann ich meine Karte nicht bei der Barkley Bank nicht auslösen – ausländische Karten würden grundsätzlich vernichtet. Man schiebt Sicherheitsgründe vor. Auch mit Personalausweis ist nichts zu machen. Verspätet erreiche ich unverrichteter Dinge die Christie-Konferenz im Lucy Cavendish College der University of Cambridge.

Erste Vortragende ist Dr Rebecca Stewart (Bath Spa University), die in ihrem Vortrag ‘You prefer law and order to private vengeance?’ über Gerechtigkeit und Justice and Selbstjustiz in ausgewählten Poirot-Fällen referiert. Sarah Martin (University of Chester): Old Ladies on Trains: The Inherently Chronotopic Nature of Miss Marple’s Detection in 4:50 From Paddington, berichtet über das Motiv „Eisenbahn“.
Bei Prof. Michelle Kazmer (Florida State University) habe ich wie bei den vorangegangenen Malen Probleme zu erfassen, was sie sagen will. : „Run and find out: Agatha Christie & the Imposed Query“ lautet ihr Thema.

Nach der Kaffeepause knüpft Dr Caroline Derry (Open University) mit ihrem Vortrag „Agatha Christie’s subversion of legal ‘justice’“ an den ersten Vortrag an. Es folgt Dr Fiona Peters (Bath Spa University): mit „Agatha Christie and Evil“ und daran Catherine Brobeck & Kemper Donovan (All About Agatha): „Justice for Whom? Reparation vs. Revenge in the Christie Canon“. „Gothic“ ist das Thema von Dr Tamar Jeffers McDonald (University of Kent) Vortrag.

Keynote Speaker ist diesmal Dr Merja Makinen (Middlesex University): Negotiating the Contradictions, dabei geht es um Christie als Schriftstellerin der Zwanziger Jahren. Ihre frühen Werke unterscheiden sich deutlich von ihren späteren Romanen und Geschichten. Einerseits geprägt durch den Ersten Weltkrieg, andererseits spielen sie in den „Goldenen Zwanziger“ Jahren.

Am Nachmittag stehen folgende Vorträge auf dem Programm:

Panel: The Unexpected Guest: Social Anxieties and Change
Sophie Smith (University of Southampton): Angels of Death: Middle-Class Murderers and Social Healing
Dr Charlotte Charteris (University of Cambridge): A Strange Night in a Strange House: Agatha Christie’s Queer Country Houses
Fern Pullan (Leeds Beckett University): Haunted Reflections: Gothic and Revolutionary Infiltrations in Christie’s Sleeping Murder
Dr Stewart King (Monash University): Murder and Multiculturalism: Re-reading America(ns) in Agatha Christie

Panel: The Girdle of Hippolyta: Gender and Sexuality
Jamie Bowman (Samford University): The Murdering Women of Agatha Christie: How Alternate Moralities Effect Female Representations in Crime Fiction
Dr Ahmet Atay (College of Wooster & University of Bournemouth): The ‘Others’ of Christie
Lies Lanckman (University of Kent) Unnatural Death: Agatha Christie’s Lesbians

Sehr eindrucksvoll ist die Lesung von Agatha Christies Stück „A daughter’s daugther“ im Abendprogramm. „A daughter’s daughter“ ist ein Stück, das so gut wie nie aufgeführt wurde. Christie adaptierte es nach einem ihrer Mary Westmacott-Romanen. Julius Green spricht die Regieanweisungen, einige seiner Schauspieler-Kollegeinnen und Kollegen aus der Agatha Chrsitie Company und weitere Freiwillige, darunter auch Sophie Hannah, übernehmen die (Sprech)-Rollen. Das Stück ist kein Krimi, sondern behandelt die (schwierige) Beziehung zwischen Mutter und Tochter.

Am Vormittag hören wir folgende Vorträge:

Panel: After the Funeral: Christie in Posterity
Tina Hodgkinson (Guided Walks in London): Exploring the Original Prompt Book and Other Material in The Mousetrap Archives (Continuation projects). Tour Guide Tina Hodgkinson konnte in den Archiven des St. Martin’s Theatre recherchieren.
Audrey Cooper and Emily Lilley (The Year of Agatha): Building on the Brand of Agatha Christie: A Case Study of ‘The Year of Agatha’: zwei junge amerikanische Kommunikationsspezialistinnen erzählen von ihrem Social-Media-Projekt: Innerhalb eines Jahres lesen beide sämtliche Werke von Agatha Christie und bloggen darüber und posten Bilder auf Instagram.

Panel: Spider’s Web: Unexpected Connections
Dr Roger Dalrymple (Oxford Brookes University): Christie and Crippen: Partners in Crime?
Dr Jennifer Palmer (Independent Scholar): Agatha Christie’s books of the 1920s and 1930s as a reflection of the political and social attitudes of that age

Keynote Speaker ist am zweiten Tag Julius Green (Birkbeck Centre for Contemporary Theatre): Agatha Christie and the Lord Chamberlain; the Effect of Stage Censorship on Christie’s work as a Dramatist. Man hätte glauben können, Agatha Christies Stücke wären seinerzeit von der Zensurbehörde stets durchgewunken worden. Doch weit gefehlt. Nicht nur „Zehn kleine Negerlein“ stieß aufgrund des damals schon kontroversen Titels auf Widerstand. Interessant auch die Zitate der Mitarbeiter des Lord Chamberlains zu den Stücken selber: aufgrund ihrer Erfahrung waren sie beinahe schon Theaterkritiker.

Am Nachmittag wurde zu folgenden Themen referiert:

Panel: Come, Tell Me How You Live: Writing About Christie
Andrew Wilson (author of A Talent for Murder): The mysterious Mrs Christie: the portrayal of Agatha Christie in fact and fiction. Der Journalist Andrew Wilson hat einen Roman über das Verschwinden Christies im Jahr 1926 verfasst, so anschaulich, dass einige Zeitungen Fiktion und Wirklichkeit nicht unterscheiden konnten.
Tito Prates (author of Agatha Christie From my Heart): The challenge of writing a modern Agatha Christie’s biography. Der brasilianische Christie-Fan berichtet von seinen Recherchen zu seiner Christie-Biographie, die bislang nur in Brasilien erschienen ist.
Alison Joseph (author of Murder Will Out): ‘Misremembered Anticlimaxes’: Agatha Christie and Writing of Life as Art.

Panel: Elephants Can Remember: Christie in Changing Times
Dr Rebecca Mills (University of Bournemouth): Detecting the Blitz: Trauma and Memory in Christie’s Post-War Novels
Federica Crescentini (University of Urbino ‘Carlo Bo’): ‘There are Things One Doesn’t Forget’: The Second Identity of The Mousetrap
Dr Brittain Bright (Independent Scholar): The Pale Horse : Science, Horror, and the Triumph of Pragmatism

Damit geht eine interessante und gut organisierte Tagung zu Ende. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Konferenzen waren fast alle Vorträge auch für Nicht-Literaturwissenschaftler verständlich.

Den Abschluss bildet ein Abendessen in einem italienischen Restaurant – von Sophie Hannah großzuügig gesponsert.

Fotos aus Cambridge in meinem Fotoalbum

Bodies from the Library 2017

Schln zum dritten Mal findet an der British Library die Tagung „Bodies from the Library“ statt, die vergessene Autoren des Golden Age of Detective Fiction wieder in Erinnerung ruft.

Ich reise via Dortmund an und erreiche pünktlich am Vortag das Premier Inn, wo sich die Veranstalter und Freunde treffen.

Nachdem Simon Brett die beiden vorherigen Veranstaltungen eröffnet hatte, ist es diesmal am neuen Präsidenten des ehrwürdigen Detection Club, Martin Edwards, dies zu tun.
Im Anschluss daran diskutieren Edwards, Len Tyler und Seona Ford mit Jake Kerridge über die anhaltende Popularität von „Golden Age“. Tony Medawar, der schon mehrfach auf „Bodies“-Konferenzen referiert hat, erzählt dann vom Leben und Werk von Cecil Street, der auch unter den Pseudonymen Miles Burton und John Rhode schrieb.

Professor Kirsten Saxton berichtet anschließend über Lois Austen-Leigh – eine Nachfahrin von Jane Austen , deren Krimi „The Incredible Crime“ kürzlich wieder aufgelegt wurde.

Dr John Curran, nicht nur Agatha-Christie-Experte, sondern auch den ganzen Genres, zieht in seinem Vortrag „Clues and Corpses“ Parallelen zwischen Kreuzworträtseln und Kriminalliteratur.

Vor der Mittagspause ist Martin Edwards neues Buch „The Story of Classic Crime in 100 Books“ Thema.

Traditionell ist nach der Pause ein Hörspiel zu hören, bevor Ethel Lina White und Elizabeth Daly unter der Moderation von Jake Kerridge (im Daily Telegraph für Kriminalliteratur zuständig) über die „vernachlässigten Queens of Crime“ Christine Poulson und Sarah Ward erzählen.

„Murder and Music in the life and work of Edmund Crispin“, heißt es anschließend bei Dr David Whittle und dabei sind auch Musikclips von Crispin zu hören, der nicht nur Krimiautor war, sondern auch Komponist. Unter anderem stammt der Soundtrack zu einigen Filmen aus der „Ist ja Irre“-Reihe (Oroinal „Carry on“) aus seiner Feder.

Schon traditionell letzte Vortragende ist Dolores Gordon-Smith. Diesmal ist der Theologe, Priester – und Kriminalschriftsteller – Ronald Knox ihr Thema. Er stellte auch die – nicht ganz ernst gemeinten – „Zehn Regeln für einen fairen Kriminalroman“ zusammen.

Alle Vortragenden werden zum Abschluss nach dem Buch gefragt, das sie mit auf eine einsame Insel nehmen würden.

Neu diesmal neu im Programm: die Preisverleihung des „Dagger In The Library Award“ der Crime Writers’ Association, mit der die Veranstaltung endet. Erste Gewinnerin ist Mari Hannah.

Damit geht eine interessante Tagung zu Ende und es steht schon fest, dass im Juni 2018 wieder eine Bodies from the Library Conference stattfinden wird. Ein Ende der Reihe wie der Beliebtheit der Golden Age Autorinnen und Autoren ist derzeit nicht in Sicht.

Fotos von der Tagung in meinem Fotoalbum

Birmingham, Coventry, Stratford-upon-Avon 

Meine erste von drei England-Fahrten beginnt heute. Ich fahre zunächst zum Düsseldorfer Flughafen. Dort geht es mit Eurowings nach Birmingham. Als sich der Kapitän für den etwas verspäteten Abflug entschuldigt, entfährt es meiner Sitznachbarin empört: „Slight?! 25 minutes!“.

Dennoch erreichen wir ziemlich pünktlich Birmingham. Sehr bequem ist, dass man binnen weniger Minuten mit dem Zug in Birmingham Stadt ist. Hier nehme ich ein Taxi zu meinem Hotel. Dort wartet eine unangenehme Überraschung auf mich: ich bin nicht im System. Irgendwo zwischen Check24, eHotel und Jury muss meine Buchung stecken geblieben sein. Glücklicherweise ist ein Zimmer frei und am nächsten Tag ist das Problem mit Check24 gelöst.

Mein Aufenthalt in Liverpool im letzten Jahr hatte mich dazu inspiriert, auch Birmingham einmal zu besuchen. Viel ist hier bereits geschehen: prächtige Bauten aus der georgianischen und viktorianischen Epoche sind bereits saniert, aber es gibt auch noch einige Großbaustellen mitten in der City. Die Stadtbibliothek hat einen großen Neubau erhalten, unbedingt ansprechend ist er nicht.

Am nächsten Morgen (Karfreitag) mache ich mich nach Coventry auf. Die Stadt wurde gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs von der Luftwaffe bombardiert. Goebbels sprach später zynisch von coventrieren. Als Folge findet man im Stadtbild einige mittelalterliche Gebäude, aber auch hässliche Neubauten aus den 1950er und 1960er Jahren. Die Ruinen der zerstörte Kathedrale blieben als Mahnmal erhalten. Schon früh gingen von Coventry Zeichen der Versöhnung aus. Aus drei großen Zimmermannsnägeln ließ der damalige Dompropst Richard Howard ein Kreuz anfertigen, dieses Nagelkreuz wurde zum Symbol der Versöhnung.

Nach der gewonnen Battle of Britain bombardierten die Briten ihrerseits deutsche Städte. Die Gewalt kehrte in das Land zurück, aus dem sie kam. Zufällig fand ich kürzlich im Nachlass meiner Tante Tagebuchaufzeichnungen einer Freundin von ihr. Darin berichtet sie von Bombenangriffen in Münster:

9. Juli [1941]
Ecke Wermelingstraße ist ein Lufttorpedo gefallen, ein einziger Trümmerhaufen. 6 Personen liegen noch darunter. Man darf nicht darüber nachdenken, stundenlang sollen sie noch geklopft haben.
Die Posten lassen mich nicht durch, bleibt mir nichts Anderes übrig, als über das zerstörte Haus zu klettern. Unsere Straße ist unversehrt geblieben. Aber sie bietet trotzdem ein furchtbares Bild. Völlig ausgestorben, die Häuser zum Teil schwer beschädigt, die hohlen Fensterscheiben, die Straße mit Dreck, Steinen, Glas und Ziegel bedeckt, man kann es bald nicht fassen. Und überall die strahlende Sonne, ein Himmel so blau, aber ich kann mich nicht darüber freuen. Mich friert in der warmen Sonne und so schnell es der Schutt und die Steinbrocken erlauben, laufe ich zurück, weil ich plötzlich Angst habe. Jetzt kann man erst verstehen, wie furchtbar es für die Menschen sein muss, wenn sich alle ihr Hab und Gut verlassen müssen und nachher alles zerstört ist. Hat Frankreich das nicht schon zweimal mitmachen müssen? Und trotzdem gibt es immer wieder Krieg, zerfleischen sich die Menschen gegenseitig. Warum das alles bloß, nach jedem Krieg kommt ein Friede, aber wie viel Blut kostet der … Wir leben in einer furchtbaren Zeit, Krieg, wir haben etwas von der furchtbaren Wirkung dieses Wortes mitbekommen.

In Coventry beginnt das Mittelalter direkt hinter IKEA: auf dem Weg zum Bahnhof komme ich an der Spon Street vorbei – eine der wenigen Straßen der Stadt mit Häusern aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Einige der historischen Häuser sind nach dem in dieser Straße aufgestellt worden.

Mit dem Zug fahre ich wieder zurück nach Birmingham.

Am nächsten Tag mache ich mich auf den Weg nach Stratford-upon-Avon. Bereits bei meiner ersten Großbritannien Fahrt 1985 auf der Oberstufe waren wir von Inverness kommend in Birmingham in den Station nach Stratford umgestiegen. Diesmal besuche ich nicht nur Shakespeares Birthplace, sondern auch New Place. Von dem Wohnhaus Shakespeare ist leider nichts mehr erhalten geblieben. Eine junge Amerikanerin erzählt uns die Geschichte des Hauses.

Die nächste Station meiner Shakespeare Pilgerreise ist Holy Trinity, mit dem Grab des Poeten. Zum Abschluss besichtigte ich Hall’s Croft, das Shakespeares Schwiegersohn, einem Arzt gehörte. Dann schaukelt mich die Lokalbahn zurück nach Birmingham.

Nach dem Besuch der Ostermesse in der Kathedrale St. Chad’s (leider ein Wortgottesdienst ohne eines der schönen Osterlieder), mache ich mich zum Flughafen auf, den man sehr schnell aus der City erreicht, Am Nachmittag geht es dann mit dem Flieger nach Düsseldorf zurück.

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Cork: noch zwei Kathedralen und ein Castle

Mittags geht es mit dem Fernbus zu meiner letzten Station auf meiner Ireland-Reise: nach Cork. Wieder steige ich im Jury’s Inn ab. Am Nachmittag besichtige ich die Stadt, den englischen Markt und die anglikanische Kathedrale. Um 18 Uhr besuche ich die Vorabendmesse in der katholischen Kathedralkirche. Ich habe noch die so eine kurze Messe erlebt. Nach gut 30 Minuten ist sie vorüber. Keine Lieder, ein reiner Wortgottesdienst. Als wenn jemand mit der Stoppuhr hinter den Zelebranten stehen würde.

Am nächsten Morgen mache ich mich mit dem Bus nach Blarney Castle auf. Wie erwartet geht es sehr touristisch zu. Sehr viele Amerikaner besuchen das Castle. Man wirbt unter anderem auch mit Winston Churchill, muss aber zugeben, dass nicht bekannt ist, ob er den berühmten Stein geküsst hat. Sicher weiß man, dass Oliver Hardy ihn nicht geküsst hat. Wegen seiner Statur konnte der berühmte Komiker den engen Turm der Schlossruine nicht erklimmen.

Am Nachmittag genieße ich noch das mondäne Flair der Stadt, bevor ich am Sonntagmorgen mit Air Lingus von Cork zurück nach Düsseldorf fliege. Diesmal lande ich früh genug in Düsseldorf, so dass ich problemlos den Zug nach Münster erreiche. Und 19 Uhr geht dort meine kurze, aber erlebnisreiche Irland-Tour zu Ende.

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