Giftige Pflanzen, Christie-Filme und Tod auf dem Nil

Am letzten Tag des Christie-Festivals für mich besuche ich morgens die Garden Party im Garten von Torre Abbey. Viel gibt es nicht zu sehen: gerade einmal vier Zelte sind aufgestellt.

Ali Marshall, Head gardener von Torre Abbey, gibt zwischendurch Informationen über giftige Pflanzen, die in Agatha Chrisstie Romanen wichtige Rollen spielen. Aber auch dieser Vortrag war schon einmal auf einem Christie-Festival gehalten worden.

Ein weiteres Highlight am Nachmittag ist der Vortrag von Mark Aldridge „Christie on Screen“. Er weiß so viel über Christie-Verfilmungen zu berichten, dass er mit dem Jahr 1974 und „Murder on the Orient Express“ schließt. Hoffen wir auf einen zweiten Teil bei einem nächsten Christie-Festival.

Der Film am Abend „Death on the Nile“ mit Peter Ustinov findet trotz des kühlen Wetters diesmal doch draußen auf dem Gelände von Torre Abbey statt. Trotz ausgeteilter Decke sehne ich mich bei dem Film nach der Hitze Ägyptens.

Am nächsten Tag – das Festival ist noch nicht ganz zu Ende – fahre ich zurück nach London. Es war schön, so viele Freunde und bekannte Gesichter wieder zu treffen. Das Festival war allerdings unbefriedigend: viele Veranstaltungen waren Neuauflagen und neue Events (zum Beispiel die Rezitationen von arabische Poesie) hatten wenig Bezug zu Agatha Christie und ihrem Werk.

Am Abend sehe ich mit in London die abgedrehte Komödie „The play, that goes wrong“ an. Und was da alles schief läuft! Am nächsten Morgen fliege ich zurück, diesmal nach Dortmund.

Fotos von dem Tag in meinem Fotoalbum

Bus-Tour, Golfen, Sekundärliteratur und Island-Morde

Für den heutigen Tag hatte ich mich für die Bus-Tour mit John Risdon angemeldet, die einzige Veranstaltung, für die man sich als Besitzer der „Dauerkarte“ vorher anmelden musste. 70 Personen werden in den Bus gequetscht. Noch nie zuvor habe ich in einem Bus mit Dreier-Reihen gesessen. Die Lautsprecher-Box passt vorne nicht in den Bus, so muss der arme John die ganze Zeit stehen (was auch nicht ganz ungefährlich ist) und laut in den Bus rufen. Leider unterscheidet sich die Tour und das, was John Risden erzählt nicht wesentlich von der Tour, die er vor einigen Jahren schon einmal durchgeführt hat.

Mike Linanes und Jaclyn A. Lurkers Pitch n Putt unter dem Titel „Lurker-Linane Investigations“ kommt dagegen sehr gut an.

Wegen der Bustour muss ich auch auf Christie-Urgestein Joan Nott im Gespräch mit Mathew Prichard verzichten. Die hochbetagte Joan war die erste Reiseführerin in Torquay, die Chrstie-Touren anbot.

Am Nachmittag stellt John Curran im Torquay Museum seine „Christie Reference Library“ vor. Alle englischsprachige Sekundärliteratur und die Top Ten: Bücher über die Queen of Crime, die jeder Fan besitzen sollte.

Zurück in Torre Abbey geht es weiter mit Ragnar Jónasson. Ragnar hat einige Christie-Romane ins Isländische übersetzt und die isländische Christie Website ins Netz gestellt, bevor er selber anfing Krimis zu schreiben. Darüber interviewt ihn Niki Orfanou.

Wegen des kühlen Wetters wird die Vorführung von „Murder on the Orient Express“ (die klassische Verfilmung von 1974) nach drinnen verlegt.

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Devon and creativity und endlich etwas über Agatha

Am heutigen Donnerstag beginnt endlich das Hauptprogramm. Die meisten Vorträge und Veranstaltungen finden in Torre Abbey statt. Der erste Vortrag ist leider eine Enttäuschung. Der Lokalhistoriker
John Risden hatte schon einige Vorträge über Agatha Christie und Torquay gehalten. Aber in seinem Vortrag „Creativity and the South Devon Landscape“ geht es gar nicht um Agatha Christie. Stattdessen zeigt er einige landschaftlich schöne Fotos der Grafschaft Devon und skizziert das Leben von der Steinzeit bis heute. Der Applaus am Schluss ist eher höflich.

Julius Green hatte bereits im Jubiläumsjahr 2015 über sein Buch „Curtain up“ über Agatha Christie und ihre Bühnenwerken berichtet. So bietet sein Vortrag „From page to screen“ denjenigen, die schon auf dem Christie Festival 2015 waren, nicht viel neues.

Ein echtes Highlight ist Christie-Biographin Janet Morgan, deren Buch bereits 1984 erschien und das in diesem Jahr mit einem neuen Vorwort erschienen ist. Sie erzählt frei von ihrer ersten Begegnung als damals junge Frau mit Agathas Tochter Rosalind, ihren Recherchen – insbesondere über das Verschwinden von Agatha Chrstie im Jahr 1926. Wozu überhaupt eine Biographie, wo ihre Mutter doch selber eine Autobiographie veröffentlicht habe – ob das nicht reiche, war damals die typisch direkte Frage von Rosalind. Um dann, als das Buch geschrieben war, zu ihrem Sohn Mathew zu sagen „Gar nicht mal schlecht“. Ein hohes Lob aus dem Mund der überkritischen Rosalind.

Der Tag wird abgerundet durch Dr. John Currans schon traditioneller „Mystery film Night“. Ich bin einer der wenigen, der vorher weiß, was gezeigt wird. Es ist die Verfilmung von „Spider’s web“ aus dem Jahr 1960, die kurz vorher von Pidax in Deutschland veröffentlicht worden war, noch bevor sie im UK neu auf DVD erschien. John hatte mich darüber zu Stillschweigen verdonnert. Und ich hatte die DVD, als sie geliefert wurde, mir nicht sofort angeschaut, sondern auf seine Film Night gewartet.

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Greenway, Paignton und And then there were none

Wie häufig das Agatha Christie Festival oder die Christie Week – wie die Veranstaltung früher hieß – stattgefunden hat, lässt sich nur schwer sagen. Mein erster Besuch war 2005. Obwohl das Event mittlerweile als International Festival firmiert, ist das Programm – nicht nur meiner Meinung nach – in diesem Jahr etwas mager. Die Buchung findet seit dem letzten Mal zentral statt. Dieses Mal musste man quasi die Katze im Sack kaufen: es wurde lange vor Veröffentlichung des kompletten Programms eine Dauerkarte angeboten – und erst kurz vor Beginn des Festivals gab es auch Karten für Einzelveranstaltungen.

Da die ersten Veranstaltungen erst für den heutigen Abend angesetzt sind, fahre ich mit John Curran in einem Taxi nach Greenway. John wird dort von Arte für eine Fernsehsendung interviewt. Ein Christie Festival ohne einen Besuch von Greenway, dem Ferienhaus von Agatha Christie in ihrer Heimat Devon, wäre für mich kein richtiges Christie-Festival. In diesem Jahr stellt Agatha Christie Limited alte Briefe von Fans an die Queen of Crime aus. Unter anderem auch einen Brief des damaligen 17-jährigen John Curran …

Zurück fahre ich von Greenway Halt mit dem Steam Train nach Paignton. Ich kaufe ein Ticket für die Abendaufführung von „And then there were none“. Zu Fuß gehe ich von Paignton nach Torquay. Ein sehr schöner Weg, zumindest so lange man am Strand lang gehen kann. Das letzte Stück führt leider an einer viel befahrenen Straße entlang.

Am Abend geht es mit dem Bus zurück nach Paigton ins Theater. Dafür verzichte ich auf den Book Launch des Comic Books „Agatha: the real life of Agatha Chrstie“ von Anne Martinetti und Guillaume Lebeau. Norman besucht den Vortrag „Revolutionary ride“ der jungen Britin Lois Pryce, die auf einem Motorrad alleine durch den Iran gereist ist. Der Christie-Bezug der Veranstaltung ist sehr lose: Frau – Reisen – Orient.

Abends trifft man sich im „Grand Hotel“.
Fotos vom Ausflug nach Greenway in meinem Fotoalbum

Fahrt zum International Agatha Christie Festival

Da es von Münster-Osnabrück immer noch keine direkte Verbindung nach London gibt, fliege ich mit Eurowings von Düsseldorf ab und lande in London-Stansted. Bei Christie-Freund Norman kann ich wieder übernachten und gemeinsam fahren wir am nächsten Tag von London-Paddington mit dem Zug nach Torquay. Passenderweisen wohne ich diesmal im Ashfield Guest House. Ashfield hieß auch das Elternhaus von Agatha Christie. Die Pension hat nur wenige Zimmer, ist sehr sauber und die Zimmer ausreichend groß und gut ausgestattet. Von Agatha Christie wissen die Besitzer allerdings nichts.

Fotos aus London in meinem Fotoalbum
Fotos aus Torquay in meinem Fotoalbum

International Agatha Christie Conference 2017

Auch die von Jamie Benthal organisierte Internationale Agatha Christie Konferenz findet zum wiederholten Male statt. Nach zwei Malen in Exeter (2014 und 2015 ), im letzten Jahr in London, findet die Konferenz 2017 in Cambridge statt.

Norman und ich reisen schon am Vortrag aus London an. Die Zugfahrt ist mit 8 Pfund erstaunlich günstig. Nach der Ankunft am Nachmittag erkunde ich etwas die Stadt, die ich zuletzt 1995 besuchte hatte und finde mich zu den Evensongs am Spätnachmittag in der Kathedrale ein. Am Abend passiert mir ein Missgeschick: Der Bankautomaten der Barkley Bank spukt trotz korrekter Eingabe der PIN meine Karte nicht wieder aus. Ohne frisches Bargeld und Karte muss ich zurück ins Hotel.

Am Morgen kann ich meine Karte nicht bei der Barkley Bank nicht auslösen – ausländische Karten würden grundsätzlich vernichtet. Man schiebt Sicherheitsgründe vor. Auch mit Personalausweis ist nichts zu machen. Verspätet erreiche ich unverrichteter Dinge die Christie-Konferenz im Lucy Cavendish College der University of Cambridge.

Erste Vortragende ist Dr Rebecca Stewart (Bath Spa University), die in ihrem Vortrag ‘You prefer law and order to private vengeance?’ über Gerechtigkeit und Justice and Selbstjustiz in ausgewählten Poirot-Fällen referiert. Sarah Martin (University of Chester): Old Ladies on Trains: The Inherently Chronotopic Nature of Miss Marple’s Detection in 4:50 From Paddington, berichtet über das Motiv „Eisenbahn“.
Bei Prof. Michelle Kazmer (Florida State University) habe ich wie bei den vorangegangenen Malen Probleme zu erfassen, was sie sagen will. : „Run and find out: Agatha Christie & the Imposed Query“ lautet ihr Thema.

Nach der Kaffeepause knüpft Dr Caroline Derry (Open University) mit ihrem Vortrag „Agatha Christie’s subversion of legal ‘justice’“ an den ersten Vortrag an. Es folgt Dr Fiona Peters (Bath Spa University): mit „Agatha Christie and Evil“ und daran Catherine Brobeck & Kemper Donovan (All About Agatha): „Justice for Whom? Reparation vs. Revenge in the Christie Canon“. „Gothic“ ist das Thema von Dr Tamar Jeffers McDonald (University of Kent) Vortrag.

Keynote Speaker ist diesmal Dr Merja Makinen (Middlesex University): Negotiating the Contradictions, dabei geht es um Christie als Schriftstellerin der Zwanziger Jahren. Ihre frühen Werke unterscheiden sich deutlich von ihren späteren Romanen und Geschichten. Einerseits geprägt durch den Ersten Weltkrieg, andererseits spielen sie in den „Goldenen Zwanziger“ Jahren.

Am Nachmittag stehen folgende Vorträge auf dem Programm:

Panel: The Unexpected Guest: Social Anxieties and Change
Sophie Smith (University of Southampton): Angels of Death: Middle-Class Murderers and Social Healing
Dr Charlotte Charteris (University of Cambridge): A Strange Night in a Strange House: Agatha Christie’s Queer Country Houses
Fern Pullan (Leeds Beckett University): Haunted Reflections: Gothic and Revolutionary Infiltrations in Christie’s Sleeping Murder
Dr Stewart King (Monash University): Murder and Multiculturalism: Re-reading America(ns) in Agatha Christie

Panel: The Girdle of Hippolyta: Gender and Sexuality
Jamie Bowman (Samford University): The Murdering Women of Agatha Christie: How Alternate Moralities Effect Female Representations in Crime Fiction
Dr Ahmet Atay (College of Wooster & University of Bournemouth): The ‘Others’ of Christie
Lies Lanckman (University of Kent) Unnatural Death: Agatha Christie’s Lesbians

Sehr eindrucksvoll ist die Lesung von Agatha Christies Stück „A daughter’s daugther“ im Abendprogramm. „A daughter’s daughter“ ist ein Stück, das so gut wie nie aufgeführt wurde. Christie adaptierte es nach einem ihrer Mary Westmacott-Romanen. Julius Green spricht die Regieanweisungen, einige seiner Schauspieler-Kollegeinnen und Kollegen aus der Agatha Chrsitie Company und weitere Freiwillige, darunter auch Sophie Hannah, übernehmen die (Sprech)-Rollen. Das Stück ist kein Krimi, sondern behandelt die (schwierige) Beziehung zwischen Mutter und Tochter.

Am Vormittag hören wir folgende Vorträge:

Panel: After the Funeral: Christie in Posterity
Tina Hodgkinson (Guided Walks in London): Exploring the Original Prompt Book and Other Material in The Mousetrap Archives (Continuation projects). Tour Guide Tina Hodgkinson konnte in den Archiven des St. Martin’s Theatre recherchieren.
Audrey Cooper and Emily Lilley (The Year of Agatha): Building on the Brand of Agatha Christie: A Case Study of ‘The Year of Agatha’: zwei junge amerikanische Kommunikationsspezialistinnen erzählen von ihrem Social-Media-Projekt: Innerhalb eines Jahres lesen beide sämtliche Werke von Agatha Christie und bloggen darüber und posten Bilder auf Instagram.

Panel: Spider’s Web: Unexpected Connections
Dr Roger Dalrymple (Oxford Brookes University): Christie and Crippen: Partners in Crime?
Dr Jennifer Palmer (Independent Scholar): Agatha Christie’s books of the 1920s and 1930s as a reflection of the political and social attitudes of that age

Keynote Speaker ist am zweiten Tag Julius Green (Birkbeck Centre for Contemporary Theatre): Agatha Christie and the Lord Chamberlain; the Effect of Stage Censorship on Christie’s work as a Dramatist. Man hätte glauben können, Agatha Christies Stücke wären seinerzeit von der Zensurbehörde stets durchgewunken worden. Doch weit gefehlt. Nicht nur „Zehn kleine Negerlein“ stieß aufgrund des damals schon kontroversen Titels auf Widerstand. Interessant auch die Zitate der Mitarbeiter des Lord Chamberlains zu den Stücken selber: aufgrund ihrer Erfahrung waren sie beinahe schon Theaterkritiker.

Am Nachmittag wurde zu folgenden Themen referiert:

Panel: Come, Tell Me How You Live: Writing About Christie
Andrew Wilson (author of A Talent for Murder): The mysterious Mrs Christie: the portrayal of Agatha Christie in fact and fiction. Der Journalist Andrew Wilson hat einen Roman über das Verschwinden Christies im Jahr 1926 verfasst, so anschaulich, dass einige Zeitungen Fiktion und Wirklichkeit nicht unterscheiden konnten.
Tito Prates (author of Agatha Christie From my Heart): The challenge of writing a modern Agatha Christie’s biography. Der brasilianische Christie-Fan berichtet von seinen Recherchen zu seiner Christie-Biographie, die bislang nur in Brasilien erschienen ist.
Alison Joseph (author of Murder Will Out): ‘Misremembered Anticlimaxes’: Agatha Christie and Writing of Life as Art.

Panel: Elephants Can Remember: Christie in Changing Times
Dr Rebecca Mills (University of Bournemouth): Detecting the Blitz: Trauma and Memory in Christie’s Post-War Novels
Federica Crescentini (University of Urbino ‘Carlo Bo’): ‘There are Things One Doesn’t Forget’: The Second Identity of The Mousetrap
Dr Brittain Bright (Independent Scholar): The Pale Horse : Science, Horror, and the Triumph of Pragmatism

Damit geht eine interessante und gut organisierte Tagung zu Ende. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Konferenzen waren fast alle Vorträge auch für Nicht-Literaturwissenschaftler verständlich.

Den Abschluss bildet ein Abendessen in einem italienischen Restaurant – von Sophie Hannah großzuügig gesponsert.

Fotos aus Cambridge in meinem Fotoalbum

Bodies from the Library 2017

Schln zum dritten Mal findet an der British Library die Tagung „Bodies from the Library“ statt, die vergessene Autoren des Golden Age of Detective Fiction wieder in Erinnerung ruft.

Ich reise via Dortmund an und erreiche pünktlich am Vortag das Premier Inn, wo sich die Veranstalter und Freunde treffen.

Nachdem Simon Brett die beiden vorherigen Veranstaltungen eröffnet hatte, ist es diesmal am neuen Präsidenten des ehrwürdigen Detection Club, Martin Edwards, dies zu tun.
Im Anschluss daran diskutieren Edwards, Len Tyler und Seona Ford mit Jake Kerridge über die anhaltende Popularität von „Golden Age“. Tony Medawar, der schon mehrfach auf „Bodies“-Konferenzen referiert hat, erzählt dann vom Leben und Werk von Cecil Street, der auch unter den Pseudonymen Miles Burton und John Rhode schrieb.

Professor Kirsten Saxton berichtet anschließend über Lois Austen-Leigh – eine Nachfahrin von Jane Austen , deren Krimi „The Incredible Crime“ kürzlich wieder aufgelegt wurde.

Dr John Curran, nicht nur Agatha-Christie-Experte, sondern auch den ganzen Genres, zieht in seinem Vortrag „Clues and Corpses“ Parallelen zwischen Kreuzworträtseln und Kriminalliteratur.

Vor der Mittagspause ist Martin Edwards neues Buch „The Story of Classic Crime in 100 Books“ Thema.

Traditionell ist nach der Pause ein Hörspiel zu hören, bevor Ethel Lina White und Elizabeth Daly unter der Moderation von Jake Kerridge (im Daily Telegraph für Kriminalliteratur zuständig) über die „vernachlässigten Queens of Crime“ Christine Poulson und Sarah Ward erzählen.

„Murder and Music in the life and work of Edmund Crispin“, heißt es anschließend bei Dr David Whittle und dabei sind auch Musikclips von Crispin zu hören, der nicht nur Krimiautor war, sondern auch Komponist. Unter anderem stammt der Soundtrack zu einigen Filmen aus der „Ist ja Irre“-Reihe (Oroinal „Carry on“) aus seiner Feder.

Schon traditionell letzte Vortragende ist Dolores Gordon-Smith. Diesmal ist der Theologe, Priester – und Kriminalschriftsteller – Ronald Knox ihr Thema. Er stellte auch die – nicht ganz ernst gemeinten – „Zehn Regeln für einen fairen Kriminalroman“ zusammen.

Alle Vortragenden werden zum Abschluss nach dem Buch gefragt, das sie mit auf eine einsame Insel nehmen würden.

Neu diesmal neu im Programm: die Preisverleihung des „Dagger In The Library Award“ der Crime Writers’ Association, mit der die Veranstaltung endet. Erste Gewinnerin ist Mari Hannah.

Damit geht eine interessante Tagung zu Ende und es steht schon fest, dass im Juni 2018 wieder eine Bodies from the Library Conference stattfinden wird. Ein Ende der Reihe wie der Beliebtheit der Golden Age Autorinnen und Autoren ist derzeit nicht in Sicht.

Fotos von der Tagung in meinem Fotoalbum

Bodies from the Library 

Durch den Erfolg der ersten „Bodies from the Library“ Conference 2015 waren die Veranstalter motiviert genug, 2016 eine zweite Konferenz über das „Golden Age of detective fiction“ folgen zu lassen. Und auch die British Library fungierte gerne wieder als Tagungsort.

Bereits am Vortrag reise ich nach London. Mit-Organisator Norman ist freundlicherweise wieder mein Gastgeber. Nach der Registrierung und den traditionellen Begrüßung durch Simon Brett unterhält sich im ersten Vortrag Martin Edwards, Präsident des traditionsreichen Detection Clubs, mit anderen Mitgliedern über den Club und seine jüngste Veröffentlichung „The sinking admiral“. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger „The floating Admiral“, zu dem Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und andere jeweils ein Kapitel verfasst hatten, ist das neue Buch ein gemeinschaftliches Werk der Mitglieder, editiert von Martin Edwards.

Tony Medear berichtet gewohnt souverän und kenntnisreich über den Autor Anthony Berkeley. Vor der Kaffeepause referiert Jennifer Morag Henderson über die mir bislang unbekannte schottische Kriminalschriftstellerin und Theaterautorin Josephine Tey, über die sie ein Buch verfasst hat.

Nach der Kaffeepause startet ein neuer Programmpunkt. Susan Moody und L. C. Tyler begründen jeweils, warum Georgette Heyer beziehungsweise Philip MacDonald es verdient gehabt hätten, in den Detection Club aufgenommen zu werden. Dann darf das Publikum durch Hochhalten des Fotos entscheiden, wer aufgenommen werden soll. Hier kann sich Heyer mit einigem Abstand durchsetzen.

Als letzter Vortrag vor der Lunch Break führen Rob Davies, der Herausgeber der Golden Age Serie bei der British Library und Martin Edwards ein Gespräch über die Reihe.

Leider hat das Café im Hof der Britisch Library offenbar nicht mit dem Andrang zur Mittagspause gerechnet. Als ich endlich dran bin, sind alle Sandwiches verkauft und es gibt nur noch Cakes.

Der Vortrag nach der Mittagspause über das Theater im Werk der neuseeländischen Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin Ngaio Marsh enttäuscht mich etwas. Die Referentin, Stella Duffy, frisch gebackene Empfängerin eines OBE und selber Schriftstellerin und Theaterschaffende, konzentriert sich mehr auf die Sprache im Werk von Marsh.

John Curran illustriert im Anschluss Veröffentlichungen von Collins Crime Club. Er arbeitet gerade an einem Buch darüber.

Etwas dröge der folgende Beitrag von Barry Pike über H. C. Bailey. Der einzige Vortrag ohne Folien.

Bei typisch-englischem Kaffee und leider ohne die leckeren Kekse aus dem Vorjahr kommt man in der Pause ins Gespräch. Die bevorstehende Abstimmung über den Brexit ist natürlich ein wichtiges Thema.

Gewohnt kurzweilig, aber informativ, referiert Dolores Gordon-Smith nach der Coffee Break über G. K. Chesterton, dem Schöpfer von „Father Brown“.

Den Abschluss der Veranstaltung bietet eine Podiumsdiskussion über Verfilmungen von Romanen der Golden Age Epoche. Über die Hälfte der genannten Filme basieren auf Romanen von Agatha Christie. John Curran nennt als schlechteste Umsetzung die kürzlich neu verfilmte Reihe „Partners in Crime“. (Inzwischen hat übrigens eine andere Umsetzung „Partners in Crime“ vom Negativ-Spitzenplatz verdrängt.)

Das positive Feedback ermutigt die Veranstalter auch 2017 eine Konferenz „Bodies from the Library“ durchzuführen.

Die Fotos der Konferenz finden Sie in meinem Fotoalbum.

Zurück nach London und Billy

Für mich heißt es wieder, Abschied von Torquay und dem Hotel Cavendish zu nehmen. Letzteres fällt mir nicht schwer, da in der Nacht Gäste eines Junggesellenabschieds sich lautstark stritten. Dabei wurde einem der Partygäste die Nase gebrochen, so dass die Ambulanz kommen musste. Morgens um 6 Uhr stand er wieder geräuschvoll auf dem Flur.

Das Christie-Festival geht noch bis einschließlich Sonntag weiter. Der Ball in Greenway am Samstag ist sicher ein Highlight. Ich aber fahre am Samstagmorgen zurück nach London, wo ich am frühen Nachmittag eintreffe. In der City ist es äußerst voll, trotz der Konkurrenz durch das Internet werden die Kaufhäuser offenbar nach wie vor frequentiert. DVD- und CD-Geschäfte sind aber sehr selten in London geworden.

Wenn mir jemand Anfang des Jahres gesagt hätte, dass ich mir in diesem Jahr mir dreimal „Billy Elliot – The Musical“ ansehen würde, hätte ich es wahrscheinlich selber nicht geglaubt. Das Musical hat mich aber derart beeindruckt und begeistert, dass ich an meinem letzten Abend in London eine weitere Aufführung anschaue. Diesmal ist der gerade mal zehn Jahre alte Thomas Hazelby „Billy“. Ich habe einen sehr guten Platz vorne und kann dem musikalischem Leiter bei der Arbeit über die Schulter gucken. Wieder eine gelungene Aufführung,die drei Stunden vergehen wie im Fluge.

Am Sonntagmittag geht es dann mit U-Bahn, Zug und – da auf der Strecke am Wochenende gebaut wird – mit Schienenersatzverkehr (der sehr gut organisiert ist) nach Southend. Der Rückflug verläuft reibungslos. Leider wird kurz darauf die Verbindung Münster/Osnabrück – London-Southend eingestellt. Im nächsten Jahr muss ich also anders anreisen, denn die zweite Konferenz „Bodies from the Library“ steht bereits auf meinem Reiseplan.

Die Fotos vom Tag in meinem Fotoalbum

Tom Adams, John Curran and Curtain up!

Um 11 Uhr finden wir uns wieder im Torquay Museum zur Buchvorstellung von „Uncovered, The Art of Agatha Christie“ mit Buchcovern von Tom Adams und Kommentaren von John Curran ein. Bereits 1981 war ein Band „Tom Adams‘ Agatha Christie cover story“ erschienen – „leider nicht bei Harper Collins“, so David Brawn in seiner Vorstellung. Da Tom Adams seitdem neue Cover entworfen hat, darunter auch das Cover für „Hercule Poirot and the Greenshore Folly“ (das nicht im Band abgebildet ist) und für die er im fortgeschrittenen Alter sich aus dem Ruhestand zurückmeldete, gibt es einen neuen Band erschienen mit weiteren Illustrationen zu Christie-Werken. Die Illustrationen sind etwas düster, einigen sind sie zu morbide, viele mögen sie aber sehr.

Anschließend wiederholt – auf vielfachen Wunsch – John Curran seinen Talk vom vergangenen Samstag. Er durchläuft Christies Werke in Dekaden. Es ist interessant, wie die Themen wechseln im Laufe ihres Lebens. Nach dem zweiten Weltkrieg sind ihre Romane weniger klassische Detektivromane, sie stellt mehr die Figuren und ihre Charaktere in den Mittelpunkt (z.B. in „The Hollow“).

Anschließen müssen wir uns beeilen – die Lunchbreak fällt flach – um rechtzeitig im Little Theatee zur Buchvorstellung von „Curtain up“ von Julius Green zu sein. Da das Werk auch bei Haprer Collins erschienen ist, wird auch Julius Green von David Brawn vorgestellt. Sein Buch sei das umfangreichste, was je bei Harper Collins zu Agatha Christie erschienen sei. Da Green aber so viel Material entdeckt habe, wäre es nicht ratsam gewesen, das Buch zu kürzen. Julius Green hatte Zugang zum Agatha-Christie-Archiv und weiteren Archiven – auch in New York und zum Archiv von Peter Saunders (der viele Christie-Stücke, unter anderem „die Mausefalle“ produziert hatte). Dabei stieß er auf elf bisher unbekannte Stücke der Queen of Crime (die Presse machte daraus später zehn). Im Buch sind diese aufgelistet, die mir mit Ausnahme von „Miss Perry“ neu waren:

A Masque from Italy
The Conquerer
Teddy bear
Eugenia and Eugenics
The last seance (als Kurzgschichte in „The hound of death“ erschienen)
Ten years
Marmalade Moon
The clutching hand (hier adaptierte Christie einen Roman von Arthur B. Reeve)
The lie (ein häusliches Ehedrama)
The Wasp’s nest (als Kurzgeschichte, u.a. in „Poirot’s early cases“ erschienen)
The stranger (nach ihrer Kurzgeschichte „Philomel Cottage“)
Someone at the Window (nach ihrer Kurzgeschichte „The dead harlequin“ aus „The mysterious Mr. Quin“)
Towards Zero (nach ihrem gleichnamigen Roman, 1945 aufgeführt in Martha’s Vineyard Playhouse, später wurde es auch von Gerald Verner adaptiert)
Miss Perry (ein niederländischer Sammler hatte vor einigen Jahren eine Kopie entdeckt, es gibt aber noch weitere, z.B. eine im Christie-Archiv)

Green betont, dass es für Christie eine Herzensangelegenheit war, Stücke zu schreiben. Sie liebte das Theater und hatte als junges Mädchen in privaten Aufführungen mitgewirkt.

Einige Schauspieler der Agatha Christie Theatre Comapny bringen einige Szenen aus den wiederentdeckten Stücken zu Gehör.

Diese Veranstaltung ist ein großes Highlight des Festival und ist für mich die letzte Veranstaltung des Christie-Festivals. Eine interessante Woche mit einigen Neuigkeiten und vielen bekannten Gesichtern geht zu Ende.

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