Greenway revisited

Heute habe ich einen Festival-freien Tag. Ich verzichte auf die französische Verfilmung von „Sparkling cyanide“ aus der Reihe „Les petits meurtres d’Agatha Christie“ und auch auf die deutsche Verfilmung „Die Abenteurer GmbH“ von 1929 am Nachmittag. Die Lesung aus „They Came to Baghdad“ um 10 Uhr im Zelt vor Torre Abbey nehme ich aber noch mit. John Telfer, der Vicar aus der Dauer-Hörspielserie „The Archers“, liest die ersten beiden Kapitel. Dann spaziere ich noch etwas durch Torquay. Der Pavillon ist immer noch geschlossen. Wie man mir sagt, soll er Bestandteil eines Hotels werden, das an Stelle des benachbarten Parkhauses gebaut werden soll.

An Nachmittag fahren Norman und ich dann nach Greenway. Eine Christie-Week ohne einen Besuch in Greenway wäre keine richtige Christie-Week, finden wir. Der National Trust hat seine Policy geändert: inzwischen darf man im Haus fotografieren, sofern man kein Blitzlicht verwendet. Ich mache davon reichlich Gebrauch. Nach dem Gang durchs Haus verweilen wir noch bis kurz vor Schließung im Garten.

Auf dem Rückweg nach Torquay setzt mich Norman in Paignton ab, da ich noch eine Aufführung von „The Hollow“ sehen möchte. Andere Christe Fans, die die Aufführung schon gesehen hatten, sind voll des Lobes. Sie sei die beste Amateur-Aufführung, die sie je gesehen hätten. Nach dem Stück kann ich mich dem Urteil anschließen, die Rollen sind ausgezeichnet besetzt, was auch daran liegt, dass Halb-Professionelle mitspielen. Besonders Yvonne Tilley in der schwierigen Rolle als Lady Angkatell überzeugt. Das Theater ist voll besetzt, darunter überraschend viele junge Leute aus unterschiedlichen Länder. Es scheint ihnen gut zu gefallen, sie lachen und stöhnen an den überraschenden Stellen im Stück auf.

Nach dem Stück fahre ich mit zwei Frauen aus unserem Christie-Kreis, die ebenfalls „The Hollow“ gesehen hatten, im Bus zurück nach Torquay, wo sich der gesamte Christie-Kreis im Grand Hotel trifft.

Die Fotos des Tages in meinem Fotoalbum

And then and then and then

Der erste Vortrag ist für mich in dieser Woche der erste im Torquay Museum. Es geht in der Veranstaltung „And then there wer how many“ um Christies vielleicht erfolgreichstes Werk „And then there were none“ und dessen Bühnenadaption. Julius Green, die treibende Kraft hinter der Agatha Christie Comapany, berichtet zuerst. Green kam mit dem Phänomen Agatha Christie kurz nach der Jahrtausendwende in Berührung, als seine Company den Betrieb des Palace Theatre in Westcliff-on-Sea übernommen hatte. Seine Company versuchte alles, brachte Gaststars nach Westcliffe, aber es wollte sich kein Erfolg einstellen. Dann kam ein Tourneetheater, führte „The unexpected guest“ auf und das Haus war eine Woche ausverkauft. Auf einer Autofahrt nach London mit seinem Geschäftspartner Lenagan überlegten die beiden, sechs Stücke Christies auf die Bühne zu bringen. Als sie kurz vor London waren, meinten sie „Oh, let’s do them all“. „And then there were none“, beziehungsweise „Ten little niggers“ wie das Stück damals noch hieß, war das erste Stück der Queen of Crime, das aufgeführt wurde, das sie selber für die Bühne bearbeitet hatte. Es war sofort ein Erfolg am West End und das Stück wurde auch am Broadway gezeigt. Green erinnert – unter Bezug auf die gestrige „hitzige Debatte“ und Fernsehadaptionen – dass Christie oft selbst die radikalsten Änderungen vornahm, indem sie Poirot aus dem Stück strich oder sogar den Mörder und das Motiv änderte (zum Beispiel in „Appointment with death“).
John Curran nimmt den Faden auf, berichtet über die unterschiedlichen Version für Buch, Bühne und Film und ihre unterschiedlichen Enden. Wobei Christie selber für die Bühnenversion das Ende veränderte.
Anschließend kommen Deborah Grant und Ben Nealon, Mitglieder der Official Agatha Christie Theatre Company, zu Wort. Sie stehen derzeit mit dem Stück in Torquay auf der Bühne. Ben lobt Christies Texte. Er habe öfter die Erfahrung gemacht, dass ihm der Text in den Heften von Samuel Ffrench komisch vorkam und er dann sich den Originaltext besorgte und er dann feststellte, dass eine Zeile fehlte und der Text, so wie ihn Christie ursprünglich geschrieben hatte, absolut Sinn ergibt. Zum Schluss gibt es noch eine Art „Werbeblock“: Eine Mitarbeiterin von Samuel French USA stellt „And then there were none“ als enhanced E-Playscript vor. Ein Skript mit erweiterten Funktionen, wie zum Beispiel Videos mit Übungen für den richtigen englischen Devon-Akzent oder Soldatenfiguren zum Ausdrucken für einen 3D-Drucker. Leider ist das E-Book nur für das iPad in Amerika erhältlich. Besser wäre Samuel French beraten gewesen, das E-Book webbasiert zu entwickeln. Mit html5 wären auch „enhanced features“ im Brwoser sichtbar. Im Sinne der Langzeitarchivierung ist eine E-Book App auch nicht gerade: in ein paar Jahren wird es schon schwierig werden, Abspielgeräte für die App zu finden.

Am Nachmittag höre ich mir David Brawns Vortrag an. David Brawn ist bei Harper Collins zuständig für die Veröffentlichung der Werke von Agatha Christie. Zu Anfang erzählt er etwas über die Geschichte von Harper Collins. Harper Collins ist Teil der News Corporation von Rupert Murdoch und gehört neben Hachette, Holtzbrinck/Macmillan, Penguin Random House und Simon & Schuster zu den fünf größten Verlagen der Welt. Harper Collins entstand 1990 durch den Zusammenschluss von Harper & Row und William Collins unter dem Dach der News Corp. Collins wurde 1819 in Glasgow gegründet und vertrieb zunächst überwiegend religiöse und pädagogische Schriften. Belletristik kam erst 1917 dazu. Ab 1926 erschienen auch Agatha Christies Werke bei Collins, nachdem die ersten sechs Bücher bei The Bodley Head erschienen waren. Ob Collins Christies Erstlingswerk „The mysterious affair at Styles“ zunächst abgelehnt hatte, lässt sich nicht heute nicht sagen, ist aber unwahrscheinlich, da Collins damals noch nicht als Verlag für Detektivromane bekannt war und erst später damit begann, Kriminalromane zu veröffentlichen. David Brawn erzählt anschaulich und unterhaltsam von der Zusammenarbeit zwischen Collins und Christie bis zu ihrem Tod. Eine kleine Krise zwischen Agatha Christie und William Collins, mit dem sie ein Leben lang befreundet war, ergab sich ziemlich zu Anfang der Zusammenarbeit, als Collins einen Editor in seinem Haus damit beauftragte, anlässlich der Filmveröffentlichung von „The Passing of Mr Quinn“ die Kurzgeschichte von Christie zu einem Roman umzuschreiben. Wie der Film hatte auch der Roman nicht viel mit der Kurzgeschichte zu tun. Christies literarischer Agent Edmund Cork protestierte heftig und kurz vor dem Druck wurde aus Mr. Quinn „Mr. Quinny“, um ihn vom Original zu unterscheiden. David Brawn erwähnt auch die Entstehung von „The Big Four“. Öfter ist ja zu lesen, dass Christie den Roman aus mehreren Kurzgeschichten, die in der Zeitschrift Sketch erschienen waren, zusammengestellt hatte. Das ist aber nicht ganz richtig. „The Big Four“ erschien in „The Sketch“ als Fortsetzungsroman unter dem Titel „The man, who was Number Four“. Christie schrieb dann den Text um zu „The Big Four“. Harper Collins wird demnächst den Roman so veröffentlichen, wie er zunächst in „The Sketch“ erschienen war.

Am Abend sehe ich mir eine Aufführung der Agatha Christie Theatre Company von „And then there were none“ im Princess Theatre an. Das Theater ist leider nur zur Hälfte besetzt. Das Stück ist gut inszeniert, kein Vergleich zu der Aufführung in New York.

Die Fotos vom Tag in meinem Fotoalbum

A „heated debate“ and birthday celebrations

Der Morgen beginnt mit einer kleinen Pleite. Die Lesung von Mathew Prichard aus einem Buch seiner Großmutter um 10 Uhr fällt leider kurzfristig aus. Um elf Uhr finden sich Christie-Fans aller Länder vor der Büste der Queen of Crime zu einem Fototermin ein.

Mike und ich nutzen anschließend den freien Vormittag und fahren nach Powderham Castle. Das Castle liegt in der Nähe von Exeter und wurde zwischen 1390 und 1420 von Sir Philip Courtenay errichtet und ist bis heute im Besitz der Familie, der Earls of Devon.
Das Schloss ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen, die recht informativ ist. Selten bin ich durch so viele „Geheimtüren“ geschritten. Beim Gang durch das Castle weist unser Führung immer wieder auf die Familienporträts hin. Fast alle Stammhalter hießen „Willam“. Der neunte Earl of Devon hatte 13 Schwestern und war der einzige Sohn der Familie. Er war ein enger Freund des Prince Regent und gab ähnlich viel Geld aus wie sein königlicher Freund. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre in den USA, weil seine sexuelle Orientierung nicht der damaligen gesellschaftlichen Norm entsprach, erfahren wir.

Ganz frisch hat in diesem Jahr ein neuer Earl das Anwesen bezogen, nachdem sein Vater kurz vorher verstarb: Charles Courtenay der 19. Earl of Devon mit seiner jungen Familie.

Wie ich später lese, wurden hier auch Szenen für einen meiner Lieblingsfilme „Was vom Tage übrig blieb“ („The remains of the day“ mit Anthony Hopkins und Emma Thompson) gedreht.

Am Nachmittag fahren wir wieder zurück nach Torquay. Leider ist die Sonne am Himmel verschwunden und Wolken haben sich gebildet. „From page to screen: an anatomy of the new BBC TV Christies“ ist die Veranstaltung am Abend überschrieben und die Verantwortlichen der BBC für die kürzlich ausgestrahlte Serie „Partners in Crime“ und „And then there were none“ (der Dreiteiler soll noch in diesem Jahr ausgestrahlt werden) haben sich auf dem Podium eingefunden. Die BBC hat, so muss man daraus schließen, dass es sich ausschließlich um Frauen handelt, ihre Frauenquote überfüllt. Außerdem anwesend Mathew Prichard und Hilary Strong von Agatha Christie Ltd. Zur Einstimmung gibt es aber erst einmal einen Clip aus der vor Kurzem in Japan gedrehten Version des „Orient-Express“ zu sehen. Der Clip wird vom Publikum wohlwollend aufgenommen. Als zwei Ausschnitte aus „Partners in Crime“ zu sehen sind, ist der Applaus eher lauwarm. Anschließend ist eine Szene aus „And then there were none“ zu sehen. Darin macht die Haushälterin Mrs. Rogers der Sekretärin Vera Claythorne ziemlich deutlich, dass sie „unten“ beim Personal nichts verloren hat. Drehbuchautorin Sarah Phelps erläutert ausführlich, warum sie die Szene geschrieben hat, die sich im Buch gar nicht befindet. In der Diskussion am Schluss greift Australien größter Fan Scott das auf. Zunächst sagt er, habe er eigentlich vorgehabt „Rotten tomatoes“ zur Veranstaltung mitzubringen. Doch das gehöre sich nicht am Geburtstag von Dame Agatha. Die Veranstaltung trage den Titel „From page to screen“, daher möge man ihm bitte mal erläutern, von welchen Seiten aus den Tommy und Tuppence-Büchern das stamme, was in der Serie zu sehen sei. Und fragt er, wer verantwortlich sei „für die geschmacklose Anspielung auf das Verschwinden von Agatha Christie 1926“. Man gibt sich bezüglich der letzten Frage überrascht und fragt nach, was er damit meine. In der allerersten Szene von „The secret adversary“ ist ein Hotel in Paris im Bild, das übersetzt „Der alte Schwan“ heißt (Agatha Christie war während ihres heute ungeklärten Verschwindens in einem Hotel abgestiegen, das heute „The old Swan“ heißt“). Das sei reiner Zufall heißt es, die Szene sei überhaupt in London gedreht worden und man habe willkürlich Namensschilder an Häuser angebracht. John Curran kritisiert, dass „Partners in crime“ in den 50ern Jahren spielt, obwohl gerade für die 50er Jahre keine Tommy und Tuppence Bücher gebe. Das läge daran, dass Tommy-Darsteller David Walliams zu alt war, für einen jugendlichen Tommy, so wie Christie ihn in Partners in Crime beschreibt. Daher habe man die ganze Serie in das Jahr 1952 verschoben. Und – so Drehbuchautorin Zinnie Harris – hätte sie es als spannend empfunden, dass das Verhältnis von Tommy und Tuppence sich im Laufe der Zeit abgekühlt habe und sie in der Serie wieder zueinander finden (was in den Büchern auch ganz anders ist).

Für mehr Fragen bleibt keine Zeit und „What’s done, is done“, stellt John Curran resigniert fest, da kurz darauf die „Geburtstagsparty“ für die Queen of Crime im Garten von Torre Abbey startet. Dazu wurde der Garten in verschiedenen Farben ausgeleuchtet. In einem Winkel steht ein Jongleur, auf dem Rasen sitzt eine ältere Dame an einem kleinen runden Tisch und tippt (Christie an ihrem „sturdy table“ darstellend). Aus einem offenen Fenster singt eine Sängerin Arien zu Klaviermusik – eine Erinnerung, dass Christie als junge Frau vorhatte, Sängerin und Pianistin zu werden. Da es im Garten teilweise relativ abschüssig ist und es viele dunkle Ecken mit unebenen Pflaster gibt, stehen überall Helfer, die darauf achten, dass das zum Teil schon ältere Publikum nicht stürzt. Anschließend wird der Geburtstagskuchen angeschnitten. Diesmal nicht „Delicous Death“, sondern ein Kuchen, den Schüler des South Devon College gebacken haben. Jeder Gast bekommt ein kleines Stück.

Filmstudenten des South Devon College bestreiten auch den letzten Teil des Abends in der Spanish barn. Eher zufällig sind wir rechtzeitig in der barn, als der ganz kurze Clip gezeigt wird, der Christie und Poirot näher beleuchtet. Mir sagt der Clip auch nach dem zweiten Sehen eher wenig, diejenigen, die ihn sehen, finden ihn „fascinating“. Viele der Gäste draußen sehen das Filmchen aber nicht, weil nicht bekannt gegeben wurde, wann es gezeigt wird.

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A wie Arsen, Margaret und ich

Kathryn Harkups Vortrag „A is for Arsenic“ ist für mich das Highlight des ganzen Festivals. Die junge Pharmazeutin Dr. Harkup stellt sehr souverän und äußerst unterhaltsam drei Gifte aus Agatha Christies Gift-Arsenal vor: Strychnin, Arsen und Phosphor vor. Die Zuhörer sind so interessiert und stellen so viele Fragen, dass keine Zeit mehr für einen vierten Giftstoff bleibt.

Nach einer kurzen Mittagspause begebe ich mich zum Little Theatre. „Murder, Margaret and Me“ heißt der Titel der One Woman Show, in der Janet Prince gleichzeitig Margaret Rutherford, Agatha Christie und deren Figur Miss Marple verkörpert und auf der Spur nach Rutherfords großem Geheimnis ist: ihre Mutter hatte Selbstmord begangen und ihr psychisch-verwirrter Vater erschlug später den eigenen Vater.

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Agatha, Archie und Kate Adie

Der erste Vortrag findet im Grand Hotel statt. Der Titel lautet „Agatha, Archie and The Grand Hotel“. Den ersten Vortrag hält Fiona Hallworth, Director of Heritage am Clifton College in Bristol. Clifton College ist die Privatschule, die Agatha Christies erster Ehemann Archie besuchte. Fiona Hallworth kann viel Unbekanntes über Archie berichten. 1889 wurde er in Indien geboren, wo sein Vater als Staatsbediensteter beschäftigt war. Seine Mutter stammte aus Irland. Als Archie elf Jahre alt war, starb sein Vater. Zwei Jahre später heiratete seine Mutter William Hemsley, der in Clifton College unterrichtete. Archie wohnte nicht bei seinen Eltern auf dem Schulgelände, sondern in einem Internatshaus. Fiona zeigt einige Fotografien aus dem Schularchiv. Archie war sehr sportlich, zeigte aber auch akademisches Interesse. In ihrem Vortrag porträtiert Fiona auch die Lehrer, die Archie Christie prägten. Seine Kindheit und Jugend unterscheidet sich markant von Agathas. Während er ein Internat mit seinen strengen Vorschriften besuchte, wuchs seine spätere Frau zu Hause ohne formelle Schulbildung auf. Frei konnte sie entscheiden, was sie am Tag lesen oder womit sie sich beschäftigen wollte. Dies sei für ihre spätere Kreativität enorm wichtig gewesen, schrieb Christie später. Archies Leben wäre ein gutes Thema für ein neues Buch.
Festival-Organisatorin Dr. Anna Farthing übernimmt den zweiten Part und berichtet – überwiegend aus der Autobiographie Agatha Christies – wie Archie und Agatha sich recht spontan entschlossen, am Heiligabend 1914 zu heiraten. Zunächst erschien es unmöglich, doch sie heirateten dann tatsächlich in der Emmanuel Church, in der Nähe von Archis alter Schule.
Der Geschäftsführer des Grand Hotel soll zum Abschluss über die „Agatha Christie connection“ zum Grand Hotel berichten. Bekanntlich verbrachten die Christies hier ihren kurzen Honey moon, bevor sie Agathas Familie informierten, dass sie gestern geheiratet hatten. Leider ist der Geschäftsführer völlig unvorbereitet. Auf der Website des Hotels kann man dazu mehr erfahren als in seinem Vortrag.

Nach den Vorträgen besteht die Möglichkeit, an einer Führung durch die frisch renovierte Agatha Christie Suite teilzunehmen. Ausnahmslos nehmen alle Anwesende teil und werden in drei Gruppen durch die Räume geführt. Die Suite ist sehr geschmackvoll gestaltet, aber Christie hat dort nie übernachtet. Der Gebäudeteil ist erst sehr viel später nach Christies Aufenthalt im Grand Hotel angebaut worden.

Anschließend sehen wir uns im Grand Hotel eine Ausstellung von Hobby-Künstlern, die Werke mit Christie Sujets ausstellen. Einige davon werden künftig in Australien hängen, da sie vom größten australischen Christie-Fan gekauft wurden.

Am Nachmittag steht dann Kate Adies Vortrag „Agatha Christie and the First World War“ auf meinem Programm. Kate Adie, mittlerweile 70 Jahre alt, ist eine Art britischer Scholl-Latour. Es gibt kaum einen Krisenherd auf der Welt, von dem sie nicht für die BBC berichtet hat. Ihr Vortrag verfehlt allerdings die Hälfte des Themas. Kate Adie berichtet über den Einsatz der Frauen an der Heimatfront im ersten Weltkrieg, wo sie Arbeiten übernahmen, die vorher Männern vorbehalten waren und damit die Gleichberechtigung der Frauen ein Stück auf den Weg gebracht wurde. Darüber handelt auch Adies jüngstes Buch, das sie im Anschluss an den Vortrag signiert. Agatha Christie bleibt in dem Vortrag aber nicht mehr als eine Fußnote. Außerdem ist ihre Sichtweise für meinen Geschmack zu feministisch geprägt: als hätten alle Frauen vor dem Ersten Weltkrieg nur ein freundloses Leben geführt.

Wir nutzen die Gelegenheit, nach der Ausstellung die Foto-Ausstellung „Unfinished portrait“ mit zum Teil noch nie gezeigten Fotos aus dem Christie-Archiv anzusehen. Die Ausstellung ist sehr gut und ansprechend gemacht. Eine Katalog dazu wäre eine gute Idee gewesen.

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Anreise nach Torquay und Mystery Film Night

Am 11. September fliege ich zum dritten und letzten Mal in diesem Jahr vom Flughafen Münster-Osnabrück nach London-Southend. Die Border Police scheint sich noch nicht darüber zu wundern, dass ich so oft nach Southend fliege. Der Flug ist wieder sehr spät. Um 21.15 Uhr Ortszeit landen wir in Southend. Aber der Flughafen ist klein, die Abfertigung und Baggage reclaim sind äußerst fix und so stehe ich bereits um 21.30 Uhr auf dem Bahnsteig in Southend und kann den Zug um 21.35 Uhr nach London Liverpool Station nehmen. Und so stehe ich „schon“ kurz vor halb zwölf wieder bei Norman vor der Tür.

Am nächsten Tag begeben Norman und ich schon auf die Autobahn nach Torquay, wo wir am frühen Nachmittag im Hotel Cavendish ankommen. Das Cavendish war „Star“ der Doku-Soap „The Hotel“ um den ehemaligen Besitzer des Hotels „Grosvenor“ (gegenüber vom „Cavendish“), der sich nun als „Entertainment manager“ im Cavendish versucht. Von dem Geld, das ITV dem Cavendish für die Mitwirkung gezahlt hat, wurde die Rezeption und der Eingangsbereich etwas aufgehübscht. Für die zahlreichen Zimmer des Hotels hat es nicht gereicht.

Für John Currans Talk, der bereits am Samstagvormittag um 11 Uhr stattgefunden hat, sind wir zu spät. Aber der Talk wird noch einmal am Freitag wiederholt, da es einigen anderen auch so ergangen ist.

Wir sind aber rechtzeitig zur fast schon traditionellen „Mystery Film Night“, präsentiert von John Curran am Abend da. John zeigt in der Spanish Barn von Torre Abbey zunächst „The blue geranium“ aus der japanischen Zeichentrickserie „Marple und Poirot“. Anschließend eine TV-Version von Spider’s Web, die am 2. Weihnachtstag 1982 ausgestrahlt wurde – und dann leider nie wieder. Sie stammt, wie John – mit einem Seitenhieb auf die jüngste „Partners in crime“-Version der BBC – sagt, aus einer Zeit, als die BBC noch wusste, wie man Agatha Christie für das Fernsehen adaptiert. Die Umsetzung ist wirklich sehr gelungen. Wesentlich besser als die Aufführung des Stückes vor einigen Jahren in Torquqay. Besonders brilliert Penelope Keith als Clarissa. Wie leicht kann man die Rolle zu albern anlegen! Leider ist der Film bisher nicht auf DVD erschienen. Gut unterhalten gehen wir ins Hotel zurück.

And then there were too many (solider boys left on the mantlepiece)

Morgens gleich nach dem Frühstück laufe ich zum Empire State Building. Da ich in meinem New York Pass einen Voucher dafür habe, muss ich nicht für ein Ticket anstellen. So stehe ich recht zügig in der 102. Etage und kann die Aussicht genießen und Fotos machen.
Anschließend fahre ich zum Brooklyn Museum. Auch hier gibt es eine umfangreiche Ägyptische Sammlung. Eine Sonderausstellung beschäftigt sich mit „The rise of the sneaker culture“. Ausgestellt sind 150 Paar Schuhe. Die Ausstellung konzentriert sich dabei auf amerikanische Marken wie Nike und Converse, kommt aber an Adidas natürlich nicht vorbei.

Ich wage mich wieder in die Subway und fahre zu den UN Headquarters. Viel gibt es von außen nicht zu sehen – nur einen großen Gebäudekomplex mit einer stattlichen Anzahl an Flaggen davor.

Abends steht diesmal eine Off-Broadway Show an. „And then there were none“, aufgeführt von Halbprofis. Man darf sich nicht wundern, dass der Regisseur auf dem Programmzettel ungenannt bleibt. Oft geht das Licht zu früh an, die Ermordeten werfen sich noch in Position. Die Polizeisirenen, die von draußen in das Theater dringen, vermitteln auch nicht gerade ein Gefühl, auf einer einsamen, abgelegenen Insel zu sein. Am Ende vergessen die Darsteller, die Figuren vom Kaminsims abzuräumen. Und wenn sie dann wie im Skript sagen „Look, there are only three solider boys left on the mantlepiece“, dort aber noch fünf stehen, wirkt das unfreiwillig komisch. Was für ein Kontrast zu dem perfekt einstudierten Musical vom Vortag, wo selbst der Hund genau wusste, wie er sich auf der Bühne zu bewegen hat!

Die Fotos des Tages in meinem Fotoalbum.

Bodies from the Library

Am Donnerstag, 18. Juni, geht es für mich wieder ins UK. Diesmal ist der Abflug so spät wie noch nie. Um 22 Uhr lande ich erst in London Southend. Mit einem Nahverkehrzug fahre ich nach London Liverpool und um kurz vor Mitternacht bin ich erst bei Norman in Queen’s Park.

Am nächsten Tag sehe ich mir die Sonderausstellung „800 Jahre Magna Charta“ in der British Library. Die Ausstellung bereitet das Thema anschaulich und ausführlich auf: die Situation, die zur Magna Charta führte: King John „Lackland“ (der den großen Freiheitsbrief unterzeichnen musste), seine erfolglose Politik und sein Charakter und warum die Magna Charta, obwohl der König mit Unterstützung des Papstes sie drei Monate nach Unterzeichnung widerrief, diese Bedeutung erlangte. Dabei kommt auch in einem Videoclip Bill Clinton zu Wort. Das ist nicht ohne Ironie, da Thomas Kielinger in seinem ausgezeichneten Artikel in der Welt „Magna Charta – als die Macht verlieren lernte“ gleich zu Anfang daran erinnerte, dass Clinton den Prozess mit Paula Jones, die ihn der sexuellen Belästigung bezichtigte, mit dem Hinweis abzublocken versuchte, als Präsident sei er zu beschäftigt dafür. Richterin Susan Webber Wright widersprach dem ausdrücklich in und erinnerte daran, dass in der Tradition von Magna Charta niemand über dem Gesetz stehe und gab den Rechtsweg frei.
Zum Schluss franst die Ausstellung aber etwas aus: Magna Charta in den ehemaligen Kolonien, Magna Charta und Frauen- und Rassengleichberechtigung. Die ausgestellten zwei Exemplare der Magna Charta sind eher unspektakulär. Eines davon, das einzige Exemplar mit Siegel, wurde durch Feuer und vor allem eine unsachgemäße Restaurierung schwer beschädigt.

Am Abend sehe ich mir noch einmal „Billy Elliot“ im Victoria Palace Theatre an. Bereits im April hatte ich mir das Musical mit Brodie Donoghue in der Titelrolle angesehen. Die Aufführung hatte mich sehr beeindruckt, allen voran die Leistung des 12-jährigen Hauptdarstellers, der drei Stunden schauspielernd, tanzend und steppend unglaublich präsent ist. An diesem Abend steht Bradley Perret auf der Bühne. Bradley lebt mit seiner Familie in Südfrankreich und ist wahrscheinlich zweisprachig aufgewachsen. Der Language Coach hat ganze Arbeit geleistet. Für mich klingt sein Northern Accent authentisch. Im Gegensatz zu Brodie, der mit Turnem begann und dann zum Ballet wechselte, kommt Bradley vom Street dance. Daher sieht seine Performance vom „Angry dance“ und „Electricity“ etwas anders aus. Später erfahre ich, dass die Nummern den Schwerpunkten des jugendlichen Darstellers entsprechend angepasst werden. Inzwischen hat Bradley sein Engagement im Victoria Palace Theatre aufgegeben und die Staffel an einen neuen Billy weitergegeben, an Nat Sweeney aus Birmingham.

Am Samstagmorgen mache ich mit Norman zum Bahnhof St. Pancras auf. Von dort ist es es nicht weit bis zur British Library.

Nach der sehr gut organisierten Registrierung eröffnet der Präsident des Detection Club Simon Brett humorig die Konferenz und verliest zur Einstimmung das fiktive Testament von Agatha Christie.

Daran schließt sich ein Gespräch zwischen dem künftigen Präsident des Detection Club Martin Edwards und Jake Kerridge an. Edwards hat gerade ein Buch über die Mitglieder des Detection Clubs geschrieben, Kerridge hat im Daily Telegraph eine Kolumne über Krimiliteratur. Gemeinsam sprechen sie darüber, wann das Goldene Zeitalter war und was es ausmachte.

Kenntnisreich referiert Barry A.Pike anschließend über Dorothy L. Sayers und Margery Allingham. Über letztere hat er ein Buch geschrieben.

Vor der Kaffeepause sprechen dann Simon Brett und Martin Edwards über die gemeinsamen Buchprojekte des Detection Club wie „The floating Admiral“, “ Six against the Yard“ und „Ask a policeman“. Von den Tantiemen konnten die Mitglieder wunderbare Dinner veranstalten, verrät Brett. Und sie wollen ein neues Buch zusammen schreiben: „The sinking Admiral“.

Nach der Kaffeepause, bei der es frischen Kaffee und sehr leckere Kekse gab, referierte Richard Reynolds über Kriminalgeschichten, die in Oxford oder Cambridge spielen. Von der Anzahl liegt Oxford vorne. Die Liste mit den „The Oxbridge Murders“ ist inzwischen auf der Seite von „Bodies from the Library“ online.

David Brawn von HarperCollins und Rob Davies diskutierten im anschließenden Panel darüber, wie man heute Krimis aus dem Golden Age verlegt. Problematisch wird es heute im Zeitalter der Political correctness, wenn in den fraglichen Büchern Formulierungen oder Darstellungen enthalten sind, die heute als rassistisch oder diskriminierend verstanden werden könnten. Zum Beispiel das „N-Word“. Verändert man den Text oder kommentiert man die Passage oder verzichtet man unter Umständen ganz auf die Veröffentlichung?

Nach der Lunchbreak wurde ein Hörspiel von John Dickson Carr vorgespielt, das man mit einem Augenzwinkern verstehen sollte.

Tony Medawar, Christie-Freunden als Herausgeber der Anthologie „While the light lasts“ bekannt, referierte anschließend über „Looked room mysteries“, in denen also das Opfer ermordet in einem abgeschlossenen Raum gefunden wird und scheinbar niemand die Gelegenheit hatte, unbemerkt in den Raum zu gelangen. Beispiele aus Christies Werk wären „Hercule Poirot’s Christmas“ und „Murder in Mesopotamia“.

Dolores Gordon-Smith sprach im anschließenden Vortrag über Freeman Wills Crofts. Der irische Eisenbahn-Ingenieur war auf Umwegen zum Schreiben von Kriminalromanen gekommen. Seine Schilderungen der Mordmethoden sind wissenschaftlich genau, seine Charakterisierungen der Personen bleiben dagegen eher blass.

Nach der Kaffeepause schildert Dr John Curran in seinem Vortrag: „Agatha Christie: Some influences“ über Einflüsse anderer Schriftsteller auf Agatha Christie und umgekehrt.

Nach dem abschießenden Vortrag „Taking the Golden Age into the 21st Century“ von L.C. Tyler kommen alle Redner noch einmal auf das Podium und dürfen vorschlagen, welche Werke sie reif für einen Reprint halten.

Nach dem guten Feedback in Blogs und auf der Konferenz selber, ist es nicht verwunderlich, dass im nächsten Jahr wieder eine Konferenz „Bodies from the Library“ stattfinden wird.

Nach einem netten Essen und Get-together im Premier Inn um die Ecke geht der Tag zu Ende.

Am nächsten Tag (Sonntag) fahre ich wieder nach Southend, wo diesmal am Nachmittag mein Rückflug startet.

Zweite Christie Conference in Exeter: Hidden Horizonts

Abgesehen von vierzig Minuten Verspätung klappt mein Flug von Münster-Osnabrück nach London-Southend reibungslos. Der „Express“ nach London Liverpool ist leider übervoll. Nur mit Mühe finde ich einen Platz für mich und meinen Koffer. Am nächsten Tag fahren Norman und ich mit dem Zug nach Exeter zur Konferenz „Agatha Christie – Hidden Horizonts“ an der University of Exeter.

Marta Zaga referiert im ersten Vortrag über Agatha Christies Vorliebe für Nursery Rhymes: manchmal sind sie für den Inhalt des Romans wichtig („Ten little Indians“, „A pocketful of rye“), manchmal lautet der Titel einfach nur so (z.B. „Hickory Dickory Dock“, „One, two, buckle my shoe“). Der zweite Vortrag bezieht sich auf AB Cust aus den „ABC murders“, was das mit „From Politics to Ethics“ zu tun haben soll, erschloss sich mir allerdings nicht. Im abschließenden Vortrag des ersten Blockes geht es um archäologische Bezüge in „Death on the Nile“, „Murder in Mesopotamia“, „Appointment with death“, „The adventure of the Egyptian tomb“ und den entsprechenden Verfilmungen.
Co-Organisatorin Mia Dormer berichtete im ersten Vortrag des zweiten Blocks über die Verwendung der Forensik in „The Hollow“ und „Third girl“. Im Gegensatz zu Conan Doyle spielen Fingerabdrücke und gerichtsmedizinische Untersuchungen bei Christie durchaus eine Rolle. In „The Hollow“ sind es die fehlenden Fingerabdrücke an der Waffe, in „Third Girl“ erweist sich Normas Unschuld an der Tatsache, dass das Blut an der Leiche bereits geronnen war. Michelle Kazmer aus Florida nahm ihr Thema aus der letzten Konferenz wieder auf und referierte über Informationsverhalten – und wieder konnte ich ihr nicht ganz folgen. Chrissie Poulter vom Trinity College erläuterte in ihrem Referat die respektvolle Schilderung der Tätigkeiten der Dienstboten, die in den Verfilmung selten zum Ausdruck kommt. Merja Makinen stellte die These auf, dass Christie in ihren Westmacott-Romanen das traditionelle Bild der Ehe als „happily ever after“ in Frage stellt. Alan Hooker berichtet über Hexen und Übersinnliches in „The pale horse“ und den männlichen Zügen der vermeintlichen Hexen. Im letzten Vortrag des dritten Blocks stellt Rebecca Mills das personifizierte Böse in Form des Schuldigen in „Halloween Party“ dar. Im Anschluss an den Vortrag wurde die akademische Frage nach dem größten Bösewicht in Christies Oeuvre gestellt.
Den Abschluss des zweiten Tages bildet die Keynote address von Gill Plain über die Rolle der Frau in Christies Nachkriegswerken „The Hollow“, „Destination unknown“ und dem Westmacott-Roman „The rose and the yew tree“.
Abends findet im „Imperial“ ein Pub Quiz statt – rund um das Thema Agatha Christie. Unser Team erreicht immerhin den zweiten Platz (von dreien).

Der zweite Tag beginnt mit dem mysteriösen Verschwinden des ersten Vortragenden. Organisator Jamie Bernthal springt in die Bresche und referiert über das gestörte Kind am Beispiel von „Crooked House“. Brigitta Hudacsko aus Ungarn berichtet über eine Romanreihe von Katalin Barath, die zur KuK-Zeit spielt – mit einer Marple-ähnlichen Hauptfigur, nur jünger. Etwas abwegig der Part von Trisha Ray, der aufgrund der Abwesenheit der Autorin nur verlesen wird: eine Art Fan fiction, in der Poirot ein Problem in Indien löst.
John Cuuran arbeitet in seiner keynote address – wie immer präzise – die Schwächen in Endless Night heraus. Christie hatte diese Schwächen, so zeigt das Manuskript, das als eines der wenigen erhalten geblieben ist, extra auf Wunsch ihres Editors bei Collins, der die üblichen Elemente eines Krimis vermisste, in das Buch, das ansonsten ein Meisterwerk ist, einbauen müssen.

Am Nachmittag stehen Filme im Mittelpunkt. Mark Aldridge stellt die frühe Zusammenarbeit der Christie mit der BBC dar, die nicht immer unproblematisch war. Marjolijn Storm aus Saarbrücken berichtet von der ersten Verfilmung, dem Stummfilm „Die Abenteuer GmbH“ sowie dem Film „Orientexpess“ von 1944, mit Anklängen an den Christie-Roman. Sarah Street beschreibt anschaulich die EMI-Filme – beginend von „Murder on the Orient Express“ bis „Evil under the sun“. Im letzten Vortrag stellt Anna Farthing (Leiterin des Internationalen Agatha Christie Festival, früher Christe Week) das Konzept des Festivals vor. Wegen der Förderung durch den Arts Council muss die Veranstaltung „diverser“ aufgestellt sein: mit Angeboten für Kinder oder Hobbyschriftsteller. Ob sich die Konzeptänderung bewährt, muss sich noch erweisen. Bisher steht das Programm für September noch nicht fest. Farthing verspricht, dass erste Veranstaltungen ab Ende April online gebucht werden können. Weitere Programmpunkte sollen nach und nach bekannt gegeben werden. Sie sichert auch zu, dass es keine zeitlichen Überschneidungen ähnlicher Veranstaltungen geben wird. Man wird sehen. Carly Mays vom National Trust schildert, wie der Trust das ehemalige Feriendomizil der Queen of Crime übernommen und renoviert hat, die andauernden Erhaltungsarbeiten und das Konzept hinter der Ausstellung in Greenway. Einige Exponate hat sie auch dabei.
Damit endet eine abwechslungsreiche Konferenz mit unterschiedlichen Vorträgen – von unterschiedlicher Qualität. Einige Referenten müssen noch an ihrem Vortragsstil arbeiten: wenn man mit Top speed sein Manuskript abliest (ohne dabei kaum aufzublicken), ermüdet das die Zuhörer und macht es ihnen nicht leichter, dem zum Teil sehr abstrakten Stoff zu folgen.
Der Christie-Tradition folgend stelle ich die eine Enthüllung ans Ende, obwohl Sophie Hannah als erste Keynote Speaker die Konferenz eröffnete. Im ersten Teil erzählte sie ausführlicher, wie ihr literarischer Agent ihr den Job, einen neuen Poirot-Roman zu schreiben, verschaffte. Im zweiten Teil las sie das erste Kapitel ihres neuen Romans vor. Der Titel und die ersten beiden Wörter des zweiten Kapitels sowie weitere Informationen werden erst am 21. Mai verraten.

Leaving Exeter

Norman, John und ich nehmen um 11.25 Uhr den Zug nach London Waterloo. Auf der Rückfahrt lassen wir das Seminar noch einmal Revue passieren. Kurz vor 15 Uhr erreichen wir wieder London.
Schon früh am nächsten Morgen, ist für mich Aufbruch angesagt. Mit U-Bahn und Stansted Express geht es zum Flughafen. Da Ryan Air die Zeit zwischen Landung und Rückflug der Maschine scharf kalkuliert, müssen wir warten, bis alle Passagiere die Maschine verlassen haben, diese (ganz kurz) gereinigt wird, bevor wir in das Flugzeug einsteigen können. So starten wir mit Verspätung. Auch der Shuttle-Bus am Flughafen Dortmund ist nicht optimal organisiert. Bis die lange Schlange von Fahrgästen das Ticket für drei Euro beim Fahrer gelöst hat, hat sich die Abfahrt so weit verzögert, dass nicht der nächste, sondern auch der übernächste Zug von Holzwickede nach Münster abgefahren ist. So muss ich eine halbe Stunde warten, bis der nächste Zug eintrifft.
Damit endet einer meiner kürzesten Aufenthalte im Vereinigten Königreich.