Blaue Plakette am früheren Haus der Christie in London

An zahlreichen Häusern in London erinnern blaue Plaketten an berühmte frühere Bewohnern. Nun war es an der Zeit, die Londoner Residenz der Queen of Crime entsprechend zu kennzeichnen. Doch beinahe wäre die Plakette am falschen Haus angebracht worden. Und schuld daran wäre Agatha Christie selbst gewesen. Emily Cole, Historikerin und bei British Heritage für die blauen Plaketten zuständig, fand heraus, dass die Christie in Sheffield Terrace, Kensington lebte, und nicht in Nummer 48, wie Agatha Christie in ihrer Autobiographie selbst geschrieben hatte und zu dem zahlreiche Christie-Fans deswegen gepilgert waren. Als der Auftrag herauszufinden, welche der zahlreichen Adressen der Christie die Auszeichnung verdient, auf ihrem Schreibtisch landete, glaubte Emily Cole, dass es ein Fall wie jeder andere sei. „Agatha Christie hatte sieben Hauptadressen“, sagt Mrs. Cole, „Sie liebte Häuser, das war eines ihrer Leidenschaften.“ Mrs. Cole schaute in der Autobiographie der Schriftstellerin nach, welche der in Frage kommenden Adressen für ihre persönliches Leben und ihre berufliche Karriere am bedeutensten war. Bald stand für sie fest, dass es das Haus in der Sheffield Terrace ist, wo die Autorin 1934 bis 1941 mit ihrem Mann Max Mallowan lebte. Zum einen, war es das einzige Londoner Haus, in dem sie ein eigenes Schreibzimmer hatte, zum anderen, weil in dieser Zeit einige ihrer berühmtesten Romane entstanden: „Mord im Orient Express“, „Die Morde des Herrn ABC“ und „Tod auf dem Nil“. Außerdem hatte Christie selbst geschrieben, dass es eine der sorgenfreisten Zeit ihres Lebens gewesen sei, „es war ein glückliches Haus“.

Als Mrs. Cole dann Sheffield Terrace 48 besuchte, stellte sie fest, dass Christies Beschreibung des Hauses nicht zu Nummer 48 passte. Ein Besuch im Londoner Stadtarchiv und mühsame Recherchen brachten es dann ans Licht: laut Wahlregister lebte Agatha Christie in Nummer 58 und nicht 48. Außerdem passte Christies Hausbeschreibung genau auf Nummer 58.

Wie es bei Agatha Christie zu der Verwechselung kam, ist allerdings ungeklärt. Vielleicht lag es daran, dass sie in ihrem Leben in zwei Häusern mit der Nummer 48 gelebt hat.

Auflösung der Agatha Christie Society

Nachdem die Gesellschaft bereits 1999 von London nach New York verlegt wurde, wurde sie nun im November 2001 aufgelöst. Zur Begründung schrieb der Präsident der Society, Mathew Prichard (der Enkel von Agatha Christie), dass die Gesellschaft zu kostenintensiv ist. Stattdessen will man die Website der Queen of Crime ausbauen, um den Fans weiterhin Informationen über ihre Lieblings-Krimiautorin zukommen zu lassen. Geplant ist eine E-Mail-Diskussionsgruppe, ein Newsletter und ein Veranstaltungskalender. Die Jahrestreffen der Mitglieder und der gemeinsame Besuch in der „Mausefalle“ werden aber wohl entfallen

Japanische Fans bringen Suchet als Poirot zurück den Bildschirm

Christie-Detektiv benutzt seine “ kleinen grauen Zellen“ in einer neuen TV-Serien

David Suchet, der Schauspieler, der Dame Agatha Christies Hercule Poirot spielte, muss seinen gewachsten Schnurrbart entstauben für eine Rückkehr zu der Rolle, nachdem sich die Detektivfernsehgeschichte als Kult-Serie in Japan erwiesen hat.

Fünf Jahre nachdem ITV das populäre Programm nach den Detektivgeschichten über einen belgischen Detektiv abgesetzt hat ist Poirot zurück in der Produktion.

London Weekend Television (LWT), Produzent der Originalserie und nun Teil der Granada Media Group, gibt 5 Millionen £ für zwei neue Episoden, die im Frühjahr 2001 ausgestrahlt werden sollen, aus. Es wird erwartet, dass mehr folgen.

Suchet, ein klassisch ausgebildeter Schauspieler, war erfreut zu der Rolle zurückzukehren, die ihn berühmt gemacht hat. Er hat wieder Hoffnungen, dass alle Poirotgeschichten noch verfilmt werden. In Japan war die Poirot-Serie ein Riesenerfolg. Die Japaner, die sehr präzise sind, haben, so Suchet, eine Schwäche für Poirot, auch die Amerikaner wollten neue Folgen. LWT hatte die Serie nach 49 Folgen wegen der hohen Produktionskosten eingestellt. So blieben 25 der Christie-Geschichten um Poirot unverfilmt.

Suchet hatte keine Ahnung, wie populär er in Japan ist. „Selbst ohne Kostüm schien jeder zu wissen, wer ich bin. Und ich wurde in den Hauptnachrichten interviewt.“ Die neuen zweistündigen Filmen basieren auf den Romanen „Mord in Mesopotamien“ und „Das böse unter der Sonne/Rätsel um Alena“.

Torquay will Christie vermarkten

Der English Riviera Tourist Board will mit dem Namen der berühmten Krimiautorin den Tourismus in der südenglischen Staat ankurbeln. Die Familie der in Torquay geborenen Schriftstellerin gab jetzt ihren Widerstand dagegen auf. Der Meinungswechsel folgt der Übernahme der Aktienmehrheit an Agatha Christie Limited durch die Gesellschaft Charion, die Bars um Nachtclubs betreibt. Der Tourismus-Verein will ein Agatha-Christie-Zentrum eröffnen, in dem Ausstellungen, Vorlesungen und Workshops laufen sollen. Außerdem sollen Christie-Touren und Mystery-Weekends angeboten werden. Auch überlege man, ein jährliches Festival abzuhalten.

Matthew Prichard, Agatha Christies Enkel und Vorsitzender von Agatha Christie Ltd., sagte: „Ich hoffe, klassische Souvenirs wie Teetassen, aber keine Schlüssel Ringe, werden angeboten.“

Im Jahre 1999 wurde Agatha Christies früheres Haus Greenway, nahe Torquay, vom National Trust übernommen. Aber solange die Tochter der Krimiautorin, Mrs. Hicks, dort lebt, wird das Haus für die Öffentlichkeit nicht geöffnet. Die Gärten konnten im Sommer 2000 erstmals besichtigt werden.

Poirot mit Laptop auf dem Orientexpress?

Wird Hercule Poirot künftig nicht mehr allein „auf seine kleinen grauen Zellen“ vertrauen, sondern einen Laptop und einen Palm Pilot benutzen? Eine neue TV-Version von Agatha Christies „Mord im Orient Express“ passt den Klassiker an die Moderne an. Trotzdem kann sich der Detektiv mit der modernen Technologie so ganz nicht anfreunden. Als als man ihn fragt: „Ich dachte, sie hassen Computer, Poirot?“, lässt ihn das Drehbuch antworten: „Schon. Sie sind ein schlechte Ersatz für die kleinen grauen Zellen, aber manchmal können Sie überraschend nützlich sein.“

Der Startschuß für den Film fiel Anfang Februar. Alfred Molina, zur Zeit im Film „Chocolat“ zu sehen, schlüpft diesmal in die Rolle des berühmten belgischen Detektives. Bereits 1974 wurde der Film mit großem Staraufgebot verfilmt. Albert Finney verkörperte damals Poirot. Produziert wird die Neuverfilmung von der Agatha Christie Ltd. und der amerikanischen Fernsehgesellschaft CBS.