Birmingham, Coventry, Stratford-upon-Avon 

Meine erste von drei England-Fahrten beginnt heute. Ich fahre zunächst zum Düsseldorfer Flughafen. Dort geht es mit Eurowings nach Birmingham. Als sich der Kapitän für den etwas verspäteten Abflug entschuldigt, entfährt es meiner Sitznachbarin empört: „Slight?! 25 minutes!“.

Dennoch erreichen wir ziemlich pünktlich Birmingham. Sehr bequem ist, dass man binnen weniger Minuten mit dem Zug in Birmingham Stadt ist. Hier nehme ich ein Taxi zu meinem Hotel. Dort wartet eine unangenehme Überraschung auf mich: ich bin nicht im System. Irgendwo zwischen Check24, eHotel und Jury muss meine Buchung stecken geblieben sein. Glücklicherweise ist ein Zimmer frei und am nächsten Tag ist das Problem mit Check24 gelöst.

Mein Aufenthalt in Liverpool im letzten Jahr hatte mich dazu inspiriert, auch Birmingham einmal zu besuchen. Viel ist hier bereits geschehen: prächtige Bauten aus der georgianischen und viktorianischen Epoche sind bereits saniert, aber es gibt auch noch einige Großbaustellen mitten in der City. Die Stadtbibliothek hat einen großen Neubau erhalten, unbedingt ansprechend ist er nicht.

Am nächsten Morgen (Karfreitag) mache ich mich nach Coventry auf. Die Stadt wurde gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs von der Luftwaffe bombardiert. Goebbels sprach später zynisch von coventrieren. Als Folge findet man im Stadtbild einige mittelalterliche Gebäude, aber auch hässliche Neubauten aus den 1950er und 1960er Jahren. Die Ruinen der zerstörte Kathedrale blieben als Mahnmal erhalten. Schon früh gingen von Coventry Zeichen der Versöhnung aus. Aus drei großen Zimmermannsnägeln ließ der damalige Dompropst Richard Howard ein Kreuz anfertigen, dieses Nagelkreuz wurde zum Symbol der Versöhnung.

Nach der gewonnen Battle of Britain bombardierten die Briten ihrerseits deutsche Städte. Die Gewalt kehrte in das Land zurück, aus dem sie kam. Zufällig fand ich kürzlich im Nachlass meiner Tante Tagebuchaufzeichnungen einer Freundin von ihr. Darin berichtet sie von Bombenangriffen in Münster:

9. Juli [1941]
Ecke Wermelingstraße ist ein Lufttorpedo gefallen, ein einziger Trümmerhaufen. 6 Personen liegen noch darunter. Man darf nicht darüber nachdenken, stundenlang sollen sie noch geklopft haben.
Die Posten lassen mich nicht durch, bleibt mir nichts Anderes übrig, als über das zerstörte Haus zu klettern. Unsere Straße ist unversehrt geblieben. Aber sie bietet trotzdem ein furchtbares Bild. Völlig ausgestorben, die Häuser zum Teil schwer beschädigt, die hohlen Fensterscheiben, die Straße mit Dreck, Steinen, Glas und Ziegel bedeckt, man kann es bald nicht fassen. Und überall die strahlende Sonne, ein Himmel so blau, aber ich kann mich nicht darüber freuen. Mich friert in der warmen Sonne und so schnell es der Schutt und die Steinbrocken erlauben, laufe ich zurück, weil ich plötzlich Angst habe. Jetzt kann man erst verstehen, wie furchtbar es für die Menschen sein muss, wenn sich alle ihr Hab und Gut verlassen müssen und nachher alles zerstört ist. Hat Frankreich das nicht schon zweimal mitmachen müssen? Und trotzdem gibt es immer wieder Krieg, zerfleischen sich die Menschen gegenseitig. Warum das alles bloß, nach jedem Krieg kommt ein Friede, aber wie viel Blut kostet der … Wir leben in einer furchtbaren Zeit, Krieg, wir haben etwas von der furchtbaren Wirkung dieses Wortes mitbekommen.

In Coventry beginnt das Mittelalter direkt hinter IKEA: auf dem Weg zum Bahnhof komme ich an der Spon Street vorbei – eine der wenigen Straßen der Stadt mit Häusern aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Einige der historischen Häuser sind nach dem in dieser Straße aufgestellt worden.

Mit dem Zug fahre ich wieder zurück nach Birmingham.

Am nächsten Tag mache ich mich auf den Weg nach Stratford-upon-Avon. Bereits bei meiner ersten Großbritannien Fahrt 1985 auf der Oberstufe waren wir von Inverness kommend in Birmingham in den Station nach Stratford umgestiegen. Diesmal besuche ich nicht nur Shakespeares Birthplace, sondern auch New Place. Von dem Wohnhaus Shakespeare ist leider nichts mehr erhalten geblieben. Eine junge Amerikanerin erzählt uns die Geschichte des Hauses.

Die nächste Station meiner Shakespeare Pilgerreise ist Holy Trinity, mit dem Grab des Poeten. Zum Abschluss besichtigte ich Hall’s Croft, das Shakespeares Schwiegersohn, einem Arzt gehörte. Dann schaukelt mich die Lokalbahn zurück nach Birmingham.

Nach dem Besuch der Ostermesse in der Kathedrale St. Chad’s (leider ein Wortgottesdienst ohne eines der schönen Osterlieder), mache ich mich zum Flughafen auf, den man sehr schnell aus der City erreicht, Am Nachmittag geht es dann mit dem Flieger nach Düsseldorf zurück.

Fotos von de Reise wie immer in meinem Fotoalbum

Cork: noch zwei Kathedralen und ein Castle

Mittags geht es mit dem Fernbus zu meiner letzten Station auf meiner Ireland-Reise: nach Cork. Wieder steige ich im Jury’s Inn ab. Am Nachmittag besichtige ich die Stadt, den englischen Markt und die anglikanische Kathedrale. Um 18 Uhr besuche ich die Vorabendmesse in der katholischen Kathedralkirche. Ich habe noch die so eine kurze Messe erlebt. Nach gut 30 Minuten ist sie vorüber. Keine Lieder, ein reiner Wortgottesdienst. Als wenn jemand mit der Stoppuhr hinter den Zelebranten stehen würde.

Am nächsten Morgen mache ich mich mit dem Bus nach Blarney Castle auf. Wie erwartet geht es sehr touristisch zu. Sehr viele Amerikaner besuchen das Castle. Man wirbt unter anderem auch mit Winston Churchill, muss aber zugeben, dass nicht bekannt ist, ob er den berühmten Stein geküsst hat. Sicher weiß man, dass Oliver Hardy ihn nicht geküsst hat. Wegen seiner Statur konnte der berühmte Komiker den engen Turm der Schlossruine nicht erklimmen.

Am Nachmittag genieße ich noch das mondäne Flair der Stadt, bevor ich am Sonntagmorgen mit Air Lingus von Cork zurück nach Düsseldorf fliege. Diesmal lande ich früh genug in Düsseldorf, so dass ich problemlos den Zug nach Münster erreiche. Und 19 Uhr geht dort meine kurze, aber erlebnisreiche Irland-Tour zu Ende.

Fotos aus Cork in meinem Fotoalbum

Wikinger und Weinhändler in Waterford 

Mit einem hochmodernen Regionalzug fahre ich von Dublin nach Waterford. Nicht nur mit einer „Reserviert“-Anzeige ist mein Platz gekennzeichnet, sondern mit meinem vollen Namen. Und es gibt WLAN im Zug. Daran können sich Deutsche Bahn und British Rail ein Beispiel nehmen. Pünktlich erreiche ich Waterford und mache mich zu meinem Hotel auf, das ein wenig außerhalb des Stadtzentrums liegt. Nach einer kurzen Rast mache ich mich daran, Waterford zu erkunden. 1991 war ich hier auf einer Etappe meiner Radtour von Dublin nach Cork. Nur wenig erkenne ich wieder.

Das Medieval Museum gab es bei meinem ersten Besuch in Waterford noch nicht. Ich nehme an einer Führung teil. Waterford wurde von den Wikinger gegründet und bezeichnet sich selbst als älteste Stadt Irlands. Im Mittelalter war Waterford nach Dublin die wichtigste Stadt Irlands. Der englische König sicherte mehrfach der Stadt zu, dass der Weinhandel exklusiv über den Hafen der Stadt laufen musste. Eines der wichtigsten Ausstellungstücke ist die Waterford Charter Roll. Unser eloquenter Führer bezeichnet sie als einen Vorläufer einer Powerpoint-Präsentation. Auch der Queen wurde bei ihrem Staatsbesuch 2011 in Irland die Charter gezeigt. Mit der Reformation endeten die traditionell guten Beziehungen der Stadt zur englischen Krone. Waterford blieb katholisch. Oliver Cromwell, beendete die katholische Allianz der Stadt mit Kilkenny. Erst im 18. Jahrhundert kehrte der Wohlstand in die Stadt zurück.

Am Abend esse ich in einem netten italienischen Lokal, in dem auch viele Einheimische speisen, das so abseits gelegen ist, dass ich es ohne die Hilfe von Google Maps nie gefunden hätte.

Fotos aus Waterford in meinem Fotoalbum

Ein langer Tag in Connemara

Bereits um 5.30 Uhr ist für mich die Nacht zu Ende, denn um 6.30 Uhr beginnt für mich an der Molly Malone Statue eine Tagestour nach Connemara. Unser Reiseleiter ist Darren und in seinem kleinen Bus befindet sich eine bunt gewürfelte Truppe aus aller Herren Länder. Auch morgens ist der Verkehr schon dicht, doch dank Darrens Kenntnissen von Alternativrouten schaffen wir es noch rechtzeitig zu unserer Bootstour durch den Killary Fjord. Unser nächster Stopp ist Kylemore Abbey. Den Herrensitz mit seiner tragischen Geschichte und ehemaliges Internat können wir aus Zeitgründen leider nicht besichtigen, es reicht nur für eine kurze Lunch Break, bevor wir nach Galway weiterfahren. Hier bleibt Zeit für eine Besichtigung und einen Kaffee. Ich schaue mir die moderne Kathedrale an. Um 19.30 Uhr sind wir dann zurück in Dublin.

Fotos von der Tagestour in meinem Fotoalbum

Dublin: Kathedralen, Kneipen, Collegetour, das Book of Kells und eine Krimisammlung

2008 war ich das letzte Mal in Irland und nur kurz am Anfang und am Ende der Reise in Dublin. Aber lange genug, um den Entschluss zu fassen, das nächste Mal länger in Dublin zu bleiben. Das mache ich nun wahr und fliege mit Eurowings von Düsseldorf nach Dublin. Mit dem Bus fahre ich vom Flughafen bis zur O’Connell Bridge und gehe den Liffey entlang zu meinem Hotel, dem Jury’s Inn. Von dem Hotel bin ich gleich angetan. Vor allem von seiner zentralen Lage. Am Abend treffe ich mich mit meinem Chrstie Freund Dr. John Curran.

Gleich am nächsten Morgen steht ein Besuch der Guinness-Brauerei auf meinem Programm. Ich trinke gerne das schwarze Bier mit dem cremigen Schaum. Die Ausstellung ist gut gemacht, auch wenn sie im Grunde genommen eine Reklameshow ist. Ich lerne unter anderem, dass die Harfe schon lange das Logo der Brauerei war, bevor sie die junge irische Republik als Symbol (spiegelverkehrt) übernahm. Ein Stockwerk widmet sich den Werbekampagnen der Firma. Die berühmten Zootiere und insbesondere der Tukan des Zeichners John Gilroy sind zu sehen. Aber dass Dorothy L. Sayers die Texte dazu verfasste, bleibt unerwähnt („If he can say as you can / Guinness is good for you / How grand to be a Toucan / Just think what Toucan do“). Die Tour endet im siebten Stock in der Gravity Bar – bei einem Pint Guinness. Hier hat man einen herrlichen Ausblick auf die Stadt.

Leider sind die Touren im Kilmainham-Gefängnis ausgebucht. Hier wurden die Anführer des Osteraufstandes von 1916 hingerichtet. Das Interesse ist wegen des Jahrestages natürlich enorm. Deswegen besichtige ich stattdessen die St. Patrich’s Cathedral und die Dublina. Letztere veranschaulicht das Leben im mittelalterlichen Dublin. Am Abend besuche ich die Tournee-Aufführung von „Billy Elliot – The musical“. Die Änderungen gegenüber der Originalinszenierung im Victoria Pallace Theatre überzeugen mich nicht. Vor allem stört mich, dass während der Vorstellung im Theater gegessen und getrunken werden darf. Dafür ist eigentlich genug Zeit in der Pause. Ansonsten aber eine gelungene Aufführung mit einem überzeugenden Billy (Haydn May).

An meinem zweiten Tag in Dublin steht ein Besuch von Trinity College, insbesondere der berühmten Bibliothek mit dem Book of Kells auf meinem Programm. Ein Student zeigt uns Touristen die einzelnen Gebäude des Colleges. Dann besichtige ich das Hauptpostamt und die Sonderausstellung zu „100 Jahre Osteraufstand“. Die Ausstellung ist sehr detailliert und bemüht sich um eine differenzierte Darstellung. Am Nachmittag treffe ich mich wieder mit John Curran und sehe mir sein faszinierendes Agatha-Chrstie- und Krimi-Archiv an.

Fotos aus Dublin in meinem Fotoalbum

Harrogate: Crime Festival und Old Swan Hotel 

Mittags fahre ich mit einem alten Regionalzug nach Harrogate. Die Fahrt dauert nur eine Stunde. Vom Bahnhof mache ich mich zum Old Swan Hotel auf. Dieses Hotel stand schon länger als Reiseziel auf meiner Liste, weil hier Agatha Christie 1926 unter dem Namen Teresa Neele abstieg, nachdem sie ihr Haus „Styles“ in Berkshire mitten in der Nacht ohne jemanden zu informieren verlassen hatte. Sie befand sich ein einer Lebenskrise, weil ihr Mann Archibald wegen einer anderen Frau (Nancy! Neele) sie um die Scheidung gebeten hatte. Damals hieß das Hotel noch „Swan Hydropathic Hotel“ (Harrogate war ein bekannter Kurort). Fast das ganze Land war auf der Suche nach der verschwundenen Krimiautorin. Nach zehn Tagen meldete sich ein Musiker, der im Hotel arbeitete, bei der Polizei. Er hatte Mrs. Christie erkannt. Die genauen Umstände und vor allem die Beweggründe für das Verschwinden sind bis heute Grund für Spekulationen. Für den Film „Agatha“, der 1979 in die Kinos kam, wurde hier im Hotel im Ballsaal und im Speisesaal gedreht.
Das Hotel ist komplett ausgebucht, denn das „Theakston Old Peculier Crime Writing Festival“ findet hier statt. Ich bin überrascht, dass es so viele eingefleischte Krimifans gibt – und vor allem auch so viele Autoren, deren Bücher auf dem Festival vorgestellt werden. Doch keine(r) kann meiner Meinung nach der Queen of Crime das Wasser reichen und so höre ich mir nur wenige Veranstaltungen des Festivals an.
Am Sonntag geht meine Reise zu Ende. Mit dem Zug fahre ich nach Manchester. Leider hat mein Flug am Abend weit über eine Stunde Verspätung, so dass ich in Düsseldorf lande, als der letzte Zug nach Münster schon abgefahren ist und erst am frühen Montagmorgen erreiche ich heimischen Boden.

Fotos aus Harrogate in meinem Fotoalbum

York und Castle Howard revisited

Am Vormittag fahre ich mit einem Regionalzug weiter nach York. Mit einem Taxi geht es weiter zu meiner Pension „Monkgate Guest House“. Ich habe mit der Pension eine sehr gute Wahl getroffen: sehr zentral, ein sehr geräumiges Zimmer und vor allem sehr nette Gastgeber. Gleich zu Anfang bekomme ich nützliche Tipps für meinen Aufenthalt. Nach dem Auspacken mache ich mich auf den Weg, die Stadt neu zu erkunden. Bereits zweimal war ich bereits in York, der letzte Besuch ist aber über zwanzig Jahre her. Unter anderem besichtige ich die „Merchant Adventurers’ Hall“, das Haus der Kaufmanns-Gilde. Um 18 Uhr nehme ich an einer kostenlosen Stadtführung teil. Pensionär Malcolm beginnt an den Museums Gardens, dann geht es zum King’s Manor und ein Stück auf der Stadtmauer entlang. Nach der sehr informativen Führung stärke ich mich erst mal mit einem Burger.

Am nächsten Morgen fahre ich mit dem Bus nach Castle Howard. Bereits bei meinem ersten Besuch in York hatte mich ich das Castle sehr beeindruckt. Nach 28 Jahren war es höchste Zeit für eine Wiederkehr. Ich bin angenehm überrascht, dass man im Schloss fotografieren darf. Castle Howard war Drehort für beide Verfilmungen von „Brideshead Revisited“ (1981 und 2008). Außerdem wurden Innenaufnahmen für die TV-Serie „Death Comes to Pemberley“ hier gedreht. Diesmal habe ich mehr Glück mit dem Wetter als 1988. Zwar zieht es sich zum Nachmittag hin zu, aber es bleibt im Gegensatz zu meinem ersten Besuch, bei dem es in Strömen regnete, trocken.

Am Nachmittag fahre ich zurück nach York und tauche in die Geschichte dieser mittelalterlichen Stadt ein. Bevor ich am nächsten Tag weiter nach Harrogate – meiner letzten Station auf der Reise – weiterreise, besuche ich noch das York Castle Museum. Hier wird das Leben vergangener Generationen wieder lebendig. Im Erdgeschoss ist in der „Kirkgate“ eine viktorianische Straße nachgebaut.

Fotos aus York und von Castle Howard in meinem Fotoalbum

Liverpool: auf den Spuren der Fab Four

Am Samstagvormittag fahre ich von London aus nach Liverpool. Mein Quartier, das Travel Lodge, liegt direkt an den Docks. Die Mischung aus moderner Architektur und klassizistischen Gebäuden ist beeindruckend. Das Beatles Museum zeigt anschaulich die Anfänge der „Fab Four“ als Schulband (The Quarrymen, benannt nach der Quarry Bank High School), ihre ersten Auftritte in Hamburg und in London im Cavern Club sowie den Beginn der Weltkarriere gemanagt von Brian Epstein. Eine zusätzliche Ausstellung „The British invasion“ beleuchtet den Erfolg britischer Bands und Musiker im Gefolge der Beatles in den USA.
Das Liverpool Museum zeigt ebenso anschaulich und noch dazu kostenlos die Stadtgeschichte Liverpools. Vom Aufstieg der Hafenstadt – in Liverpool wurde in der Blütezeit ein Viertel des Welthandels abgewickelt – über den Niedergang in den 1970er Jahren durch das Aufkommen des Containertransports bis zur wirtschaftlichen Erholung der Stadt.
Liverpool besitzt zwei Kathedralen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die neugotische Liverpool Cathedral entstand 1904 bis 1978, die römisch-katholische Liverpool Metropolitan Cathedral wurde 1967 eingeweiht. Ursprünglich sollte letztere Kathedrale viel größer ausfallen. Der renommierte Architekt Sir Edwin Lutyens plante die zweitgrößte Kirche mit der größten Kuppel. Doch wegen Geldmangels kam es nur zum Bau der Krypta. Mit seinem kreisrunden Grundriss folgte der moderne Kirchbau den Ideen des Zweiten Vatikanischen Konzils. „Paddy’s Wigwam“ und „The Mersey Funnel (Trichter)“ wird das Gebäude auch scherzhaft genannt.

Fotos aus Liverpool in meinem Fotoalbum

Harry und Aladdin 

Knapp neun Jahre nach dem Erscheinen des letzten Harry-Potter-Bandes ist London wieder im Potter-Fieber. Nicht nur Waterstones veranstaltet zum Erscheinen des „achten Bandes“ „Harry Potter and the cursed child“ zu Mitternacht Verkaufsaktionen. Es handelt sich eigentlich um das Skript zum gleichnamigen Theaterstück, von dem seit dem 7. Juni Previews gezeigt wurden. Die offizielle Uraufführung fand am 30. Juli 2016 im Palace-Theatre in London statt. Ein Tag später erschien das Skript in Buchform.

Für „Harry Potter and the cursed child“ hatte ich natürlich keine Karten (erst im August gelingt es mir, Karten für Juni 2017 zu ergattern), aber für „Aladdin“. „Aladdin“, das Musical zu dem gleichnamigen Disney-Zeichentrickfilm von 1992, feierte bereits am Broadway Erfolge. 2015 kam das Musical nach Hamburg und feierte am 15. Juni 2016 Premiere im Prince Edward Theatre in London. Trevor Dion Nicholas überzeugt im West End als Genie, nachdem er bereits am Broadway als Zweitbesetzung des Lampengeistes auftrat. Allerdings tritt er mit dem Song „Friends like me“ erst zum Ende des ersten Aktes auf. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Show etwas langsam. Auch die Chemie zwischen Aladdin und Jasmine fehlt. Die Sidekicks Abu (Aladdins Affe) und Rajah (der Tiger) hat man leider für das Musical gestrichen und Jajo ist kein Papagei mehr. Warum die Schauspieler – bis auf Trevor Dion Nicholas – Briten mit aufgesetztem amerikanischen Akzent singen, erschließt sich mir nicht. Mein Eindruck von dem Musical ist eher gemischt, ich bevorzuge den Zeichentrickfilm. Wenigstens wurde für das Muscial der Song „Proud of your boy“ verwendet. Den Titel hatte Howard Ashman kurz vor seinem Tod für seine Eltern geschrieben, er wurde dann aber aus dem Soundtrack für den Zeichentrickfilm gestrichen. Im Musical findet er nun Verwendung.

Fotos aus London in meinem Fotoalbum

Ein Besuch auf Highclere Castle

Als Fan der Serie „Downton Abbey“ wollte ich unbedingt einmal das Anwesen besuchen. In Wirklichkeit heißt es Highclere Castle und liegt in Hampshire, an der Grenze zu Berkshire.

Das Castle, das sich in Privatbesitz des Lord und Lady Carnarvon befindet, kann im Sommer besichtigt werden. Entweder fährt man mit dem Auto hin oder man schließt sich einer Busreise an. Ich hatte mich für letzteres entschieden.

So stehe ich, nachdem ich die Tour bereits im Dezember gebucht hatte, am 14. Juli vor dem Blumenladen Flowers Inc. an der U-Bahn-Haltestelle Gloucester Road. Pünktlich um 9 Uhr beginnt die Tour mit „Britmovie Tours“. Unsere Tour Guides sind Dowie (walisische Form von „David“) und Stuart. Unser Busfahrer heißt Kevin. Bestimmt die Hälfte der Reisenden kommt aus den USA, wo Downton Abbey große Popularität besitzt. Dowie fragt ab, wie viele Fans unter den Teilnehmern sind und wer in den Bus „shouting and screaming“ geschleppt worden sei.

Unterwegs zu unserem ersten Halt, Bampton, sehen wir die erste Folge von Downton Abbey. Dowie weiß einiges anschließend von den Dreharbeiten zu berichten. In Bampton, in Oxfordshire, eine knappe Stunde von Highclere Castle entfernt teilen wir uns in zwei Gruppen auf, da das Dorf sehr klein ist. Der Ort diente als Kulisse von Downton Village, da die Häuser ähnlich wie in Yorkshire aussehen (wo die Handlung der Serie spielt) und trotzdem nahe bei Highclere Castle liegen.

Wir sehen uns die Kirche an, wo in der Serie geheiratet und bestattet wurde. Die Bibliothek diente für Außenaufnahme des Krankenhauses. Ein Gebäude gegenüber der Kirche ist „Crawley House“. An der Kirche auch der Platz, wo das Kriegerdenkmal in Staffel 5 erbaut wird.

Dann geht es mit dem Bus weiter zum eigentlichen Ziel Highclere Castle. Das Schloss wird individuell besichtigt. Die Raumübersicht, die Britmovie erstellt hat, ist dabei hilfreich. Dank der Einnahmen aus der Fernsehserie und den dadurch gestiegenen Besucherzahlen konnte endlich das Dach des Anwesens saniert werden. Feuchtigkeit war schon die Räume im Obergeschoss eingedrungen und diese können nicht besichtigt werden. Aber auch ohne diese gibt es genug im Castle zu sehen. Der „Saloon“ und die „Library“ wirken allerdings kleiner als im Fernsehen. Noch beeindruckender als das Haus ist der Garten, den „Capability Brown“ anlegte. Ich genieße seine Landschaftsarchitektur bei bestem Sommerwetter und verzichte dafür auf die Besichtigung des Archäologischen Museums. Der 5. Earl of Carnarvon finanzierte die Ausgrabungen von Howard Carter in Ägypten und erhielt einige der Ausgrabungsstücke. Nach seinem plötzlichen Tod wurden sie an das Metropolitian Museum of Art verkauft, einige eher „unbedeutende Teile“ (Howard Carter) blieben aber in Highclere und wurden 1987 dort wieder entdeckt. Seitdem gibt es dort eine ägyptische Sammlung zu sehen.

Am Nachmittag geht es dann zurück nach London. Eine unterhaltsame und empfehlenswerte Tour!

Die Fotos von Highclere Castle in meinem Fotoalbum