A „heated debate“ and birthday celebrations

Der Morgen beginnt mit einer kleinen Pleite. Die Lesung von Mathew Prichard aus einem Buch seiner Großmutter um 10 Uhr fällt leider kurzfristig aus. Um elf Uhr finden sich Christie-Fans aller Länder vor der Büste der Queen of Crime zu einem Fototermin ein.

Mike und ich nutzen anschließend den freien Vormittag und fahren nach Powderham Castle. Das Castle liegt in der Nähe von Exeter und wurde zwischen 1390 und 1420 von Sir Philip Courtenay errichtet und ist bis heute im Besitz der Familie, der Earls of Devon.
Das Schloss ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen, die recht informativ ist. Selten bin ich durch so viele „Geheimtüren“ geschritten. Beim Gang durch das Castle weist unser Führung immer wieder auf die Familienporträts hin. Fast alle Stammhalter hießen „Willam“. Der neunte Earl of Devon hatte 13 Schwestern und war der einzige Sohn der Familie. Er war ein enger Freund des Prince Regent und gab ähnlich viel Geld aus wie sein königlicher Freund. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre in den USA, weil seine sexuelle Orientierung nicht der damaligen gesellschaftlichen Norm entsprach, erfahren wir.

Ganz frisch hat in diesem Jahr ein neuer Earl das Anwesen bezogen, nachdem sein Vater kurz vorher verstarb: Charles Courtenay der 19. Earl of Devon mit seiner jungen Familie.

Wie ich später lese, wurden hier auch Szenen für einen meiner Lieblingsfilme „Was vom Tage übrig blieb“ („The remains of the day“ mit Anthony Hopkins und Emma Thompson) gedreht.

Am Nachmittag fahren wir wieder zurück nach Torquay. Leider ist die Sonne am Himmel verschwunden und Wolken haben sich gebildet. „From page to screen: an anatomy of the new BBC TV Christies“ ist die Veranstaltung am Abend überschrieben und die Verantwortlichen der BBC für die kürzlich ausgestrahlte Serie „Partners in Crime“ und „And then there were none“ (der Dreiteiler soll noch in diesem Jahr ausgestrahlt werden) haben sich auf dem Podium eingefunden. Die BBC hat, so muss man daraus schließen, dass es sich ausschließlich um Frauen handelt, ihre Frauenquote überfüllt. Außerdem anwesend Mathew Prichard und Hilary Strong von Agatha Christie Ltd. Zur Einstimmung gibt es aber erst einmal einen Clip aus der vor Kurzem in Japan gedrehten Version des „Orient-Express“ zu sehen. Der Clip wird vom Publikum wohlwollend aufgenommen. Als zwei Ausschnitte aus „Partners in Crime“ zu sehen sind, ist der Applaus eher lauwarm. Anschließend ist eine Szene aus „And then there were none“ zu sehen. Darin macht die Haushälterin Mrs. Rogers der Sekretärin Vera Claythorne ziemlich deutlich, dass sie „unten“ beim Personal nichts verloren hat. Drehbuchautorin Sarah Phelps erläutert ausführlich, warum sie die Szene geschrieben hat, die sich im Buch gar nicht befindet. In der Diskussion am Schluss greift Australien größter Fan Scott das auf. Zunächst sagt er, habe er eigentlich vorgehabt „Rotten tomatoes“ zur Veranstaltung mitzubringen. Doch das gehöre sich nicht am Geburtstag von Dame Agatha. Die Veranstaltung trage den Titel „From page to screen“, daher möge man ihm bitte mal erläutern, von welchen Seiten aus den Tommy und Tuppence-Büchern das stamme, was in der Serie zu sehen sei. Und fragt er, wer verantwortlich sei „für die geschmacklose Anspielung auf das Verschwinden von Agatha Christie 1926“. Man gibt sich bezüglich der letzten Frage überrascht und fragt nach, was er damit meine. In der allerersten Szene von „The secret adversary“ ist ein Hotel in Paris im Bild, das übersetzt „Der alte Schwan“ heißt (Agatha Christie war während ihres heute ungeklärten Verschwindens in einem Hotel abgestiegen, das heute „The old Swan“ heißt“). Das sei reiner Zufall heißt es, die Szene sei überhaupt in London gedreht worden und man habe willkürlich Namensschilder an Häuser angebracht. John Curran kritisiert, dass „Partners in crime“ in den 50ern Jahren spielt, obwohl gerade für die 50er Jahre keine Tommy und Tuppence Bücher gebe. Das läge daran, dass Tommy-Darsteller David Walliams zu alt war, für einen jugendlichen Tommy, so wie Christie ihn in Partners in Crime beschreibt. Daher habe man die ganze Serie in das Jahr 1952 verschoben. Und – so Drehbuchautorin Zinnie Harris – hätte sie es als spannend empfunden, dass das Verhältnis von Tommy und Tuppence sich im Laufe der Zeit abgekühlt habe und sie in der Serie wieder zueinander finden (was in den Büchern auch ganz anders ist).

Für mehr Fragen bleibt keine Zeit und „What’s done, is done“, stellt John Curran resigniert fest, da kurz darauf die „Geburtstagsparty“ für die Queen of Crime im Garten von Torre Abbey startet. Dazu wurde der Garten in verschiedenen Farben ausgeleuchtet. In einem Winkel steht ein Jongleur, auf dem Rasen sitzt eine ältere Dame an einem kleinen runden Tisch und tippt (Christie an ihrem „sturdy table“ darstellend). Aus einem offenen Fenster singt eine Sängerin Arien zu Klaviermusik – eine Erinnerung, dass Christie als junge Frau vorhatte, Sängerin und Pianistin zu werden. Da es im Garten teilweise relativ abschüssig ist und es viele dunkle Ecken mit unebenen Pflaster gibt, stehen überall Helfer, die darauf achten, dass das zum Teil schon ältere Publikum nicht stürzt. Anschließend wird der Geburtstagskuchen angeschnitten. Diesmal nicht „Delicous Death“, sondern ein Kuchen, den Schüler des South Devon College gebacken haben. Jeder Gast bekommt ein kleines Stück.

Filmstudenten des South Devon College bestreiten auch den letzten Teil des Abends in der Spanish barn. Eher zufällig sind wir rechtzeitig in der barn, als der ganz kurze Clip gezeigt wird, der Christie und Poirot näher beleuchtet. Mir sagt der Clip auch nach dem zweiten Sehen eher wenig, diejenigen, die ihn sehen, finden ihn „fascinating“. Viele der Gäste draußen sehen das Filmchen aber nicht, weil nicht bekannt gegeben wurde, wann es gezeigt wird.

Die Fotos vom Tag in meinem Fotoalbum

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