"Daniel kann nicht nach China gehen ohne dass die Leute wissen, wer er ist - das zeigt wie groß diese Sache sein wird", sagt Robbie Coltrane. Coltrane spielt den Halbriesen Hagrid, den Wildhüter in Hogwarts, der Schule für Zauberei und Hexerei. Befragt, ob er seinen eigenen Sohn Spencer (8 Jahre) Harry Potter spielen lassen würde, antwortet der Schauspieler mit einem entschiedenen "Nein!".
Harry Potter zu spielen ist eine Riesenchance, die aller Wahrscheinlichkeit nach Daniels Leben verändern wird, er wird die ersten beiden Potter Filme machen und hat eine Option auf die nächsten fünf, was bedeutet, dass er Harry Potter bis fast 20 spielen könnte.
Auch Daniels Eltern ist die Zustimmung nicht leicht gefallen. Beide kennen das Geschäft. Seine Mutter - Marcia Gresham - ist Direktor einer Casting-Agentur , sein Vater - Alan Radcliffe - arbeitet für eine der größten und wichtigsten Talentagenturen auf beiden Seiten des Atlantiks. Alan hat inzwischen seinen Job aufgegeben, um sich jetzt ganz um seinen Sohn zu kümmern. Es ist fast Zauber im Spiel, wie Daniel, ihr einziger Sohn, an die Rolle des Zauberlehrlings kam.
Daniels "Schauspielerkarriere" begann im zarten Alter von sechs Jahren, als er in der Schule in einem Theaterstück mitspielte. "Ich spielte einen Affen. Ich hoffe, niemand wird das ausgraben, denn es war wirklich peinlich." Dann gab es erst mal ein paar Jahre Pause. Ein paar Jahre später war er auf einer Party mit seiner Eltern, als ein Freund der Familie erwähnte, dass zur Zeit ein Casting laufe für die Produktion von "Oliver Twist " und Daniel dafür perfekt wäre. Zunächst sagten Mum und Dad "No", dann aber meinten sie, es sei für ihn eine gute Erfahrung und dass Spaß machen würde. Also riefen sie an, aber Oliver Twist war schon vergeben. aber die Saat war gelegt und als die BBC einen jungen David Copperfield suchte, ging Daniel zum Vorsprechen und hatte diesmal Erfolg."Ich war zehn und mochte es wirklich gerne."
David Copperfield war entscheidend. Als der amerikanische Regisseur Chris Columbus auf der Suche nach einem Harry war, sah er ein Video von Copperfield und wusste, dass Daniel ein klarer Anwärter war. Aber zu der Zeit waren seine Eltern nicht so scharf darauf, ihn zum Vorsprechen gehen zu lassen. Denn, eine BBC Dickens-Produktion ist eine Sache, aber Henry Potter zu spielen, wäre etwas ganz anderes.
"Wir sahen Tausende von Kindern, aber wir konnten keinen finden", erinnert sich Kolumbus. Und dann war da dieses Video von David Copperfield, das auf dem Schreibtisch unseres Casting-Direktors lag und ich sagte "das ist er, den will ich, dieser Junge ist Harry Potter." Und sie sagte "Nun, er wird niemals Harry Potter spielen. Seine Eltern möchten nicht, dass er in dem Film spielt."
Acht Monate später, im Juli 2000, die Produktion sollte im September beginnen, war immer noch kein Harry gefunden. Der Produzent David Heyman ging mit seinem Drehbuchschreiber, Steve Kloves, in ein Theater, um sich von der Potter-Suche abzulenken. "Ich dachte schon, wir müssten den Film 'Ronald Weasley und der Stein der Weisen' nennen. - Ich wollte 'Stones in his pockets', ein irisches Stück über das Film-Business sehen, ging in das Theater" - und dort, einige Reihen vor ihm sah er Daniel Radcliffe mit seinen Eltern, beides flüchtige Bekannte von Heyman. "Ich fand es recht schwierig, mich auf das Stück zu konzentrieren, denn ich wusste, da war jemand am Ende der Reihe, der sehr wichtig für mich war. Ich versuchte am Ende des Stückes, sie zu erwischen, aber sie waren schon weg.
Heyman gelang es aber, die Radcliffes davon zu überzeugen ihre Meinung zu ändern und arrangierte ein Treffen mit Daniel. Seine Eltern brauchten eine Versicherung, wie ihr Sohn geschützt werden könnte bevor sie sich entschieden, ihn vorsprechen zu lassen. Als Daniel vorsprach, waren sich der Produzent und der Regisseur sicher, dass sie ihren Harry Potter gefunden hatten. "Wir versuchten alle Eltern zu überzeugen, dass wir die Kinder schützen würden" sagt Columbus. "Ich habe schon mit einer Reihe von Kindern gearbeitet und ich möchte nicht, dass dasselbe noch einmal geschieht, dass die Presse immer über sie her fällt und versessen auf sie ist. Ich möchte, dass sie eine Art normales Leben führen können."
Während die Kinder, die einige der anderen Rollen in dem Film übernehmen - zum Beispiel Rupert Grint als Ron Weasley, Emma Watson als Hermoine Granger - zweifellos im Rampenlicht stehen werden, wird es doch Daniels Gesicht sein, das auf den Titelseiten der Magazinen abgedruckt ist und Daniel wird im Zentrum des Medieninteresses stehen. Columbus, der bereits "Kevin allein zu Haus" mit McCauley Culkin abgedreht hat, weiß, was es für ein Kind bedeutet, im Zentrum eines massiven Publikumsinteresse zu stehen. Er glaubt aber, dass Daniel gut damit fertig werden wird. "Wir wollten es Dan klar machen, dass Schauspielen eine große Möglichkeit im Leben, aber nur ein Teil seines Lebens ist. Die Kinder in dem Film haben solide, starke Eltern, und offenkundig hatte McCauley Culkin sie nie. Wir haben das gesehen - es ist kein Geheimnis, weil es in der Presse war."
Times-Reporter Martyn Palmer, hatte Gelegenheit, Daniel am Set zu treffen. Der Dreh war beendet, aber die einige der Kulissen, wie zum Beispiel Diagon Alley (Winkelgasse) und der Gryffindor-Gemeinschaftsraum und der Schlafsaal stehen noch und warten auf den zweiten Film "Harry Potter und die Kammer des Schreckens". Der Drehbeginn steht vor der Tür. Palmer schreibt: "wenn man Daniel selbst trifft, ist es unmöglich ihn nicht zu mögen. Er ist ausgesprochen höflich, intelligent und einnehmend - das genaue Gegenteil eines Hollywood-Balgs."
Daniel erinnert sich an den Abend, als sein Vater ihm sagte, dass er die Rolle des Hernie bekommen würde. Es war Freitag und er lag im Bad."Mein Dad kam rein und sagte: 'Dan, rate mal, wen Sie als Harry Potter ausgewählt haben?' Und ich glaube, ich sagte den Namen eines anderen Schauspielers und dann 'Jemand anders?', denn ich konnte mir absolut nicht vorstellen in einer Million Jahren, dass sie mich auswählen würden. Als er das gesagt hatte, hatte ich - glauche ich - doch ein klein wenig Hoffnung, dass ich die Rolle bekommen hätte. Aber ich wollte mich nicht zu früh freuen. Aber er sagte dann 'Dan, du bist es...' Ich schrie auf vor Freude. Es war der größte Schock in meinem Leben."
Beim ersten Tag der Film-Arbeiten war Daniel sehr nervös. Als man beim Make-up die blitzförmige Narbe auf seine Stirn zeichnete, erkannte er vielleicht zum ersten Mal, dass dieses etwas anderes, viel größer war, als alles was er bisher erfahren hatte. "Ich hatte nur mit vielleicht elf Personen in einem Raum geprobt und eine Leseprobe gemacht, aber das war etwas anderes." Daniel, war natürlich nicht der einzige, alle Kinder war ein wenig aufgeregt und es brauchte einige wenige Tage, bis sie in Fahrt kamen. Aber ihre Unerfahrenheit war auch ein Vorteil sagt Columbus. "Die meisten der Kinder mit Ausnahme von Daniel und Tom Felton (der Draco Malfoy spielt) haben noch nie vorher gespielt, wenn man von einigen Schuleaufführungen absieht. Und es ist gut die Möglichkeit zu haben, mit einem Kind früh in seiner Karriere zu arbeiten, bevor sie zuviel Theater oder Fernsehen gespielt haben und sie nicht mehr real sind, ihre Aufführung nicht mehr ehrlich ist.
Auch Coltrane konnte sich davon überzeugen. dass die Kinder alles andere als Kinderstars waren. "Sie waren professionell, aber nicht zu artig, worüber ich froh bin. Aber sie waren nicht diese schrecklichen Theaterkinder, die quietschlebendig hereinspazieren und die erzählen, was ihre letzte Produktion war, sie waren da viel cooler. Und natürlich hingen sie immer zusammen mit ihrem Game Boys und ihren Schularbeiten."
In der Tat, Daniel, Ruppert und Emma sind eine große Freunde geworden und entspannten sich zunehmend, als aus den Tagen Wochen wurden. Aber eines Tages stellte Coltrane fest, dass sein Handy in türkisch programmiert war. "Das war sehr umgezogen und ich ging zu Ihnen - einer nach dem anderen. Ich sagte 'Warst du das, Rupert?' 'Nein'. 'Warst du das, Emma?' 'Nein'. Und schließlich gesteht der alte Daniel und sagt "Also, ich war's ...' Und ich sagte 'Sag mir, Daniel, was heißt auf türkisch 'Sprache ändern'? Er begann 'Iich weiß nicht ...' Also sagte ich 'Nun, wie soll ich es wieder zurückstellen?' Man konnte sehen, wie sein kleines Gesicht immer weißer wurde. Später bekam ich von ihm ein Entschuldigungsschreiben - sehr süß. Glücklicherweise fand ich jemand bei der Produktion, der eine türkische Freundin hatte, die das Handy zurückstellte.
An jedem Tag mussten die Kinder Schularbeiten mit dem Filmen verbinden. Besonders wenn man Mathematik-, Englisch- und Französisch-Stunden hat, ist das harte Arbeit.
Emma Watson (11 Jahre) wurde von Talent Scouts in ihrer Schule in Oxfordshire entdeckt. Emma, die die Hermine spielt, wurde mit mehrere anderen Schülern herausgerufen und gefragt, ob sie vorsprechen möchte. "Es hörte sich nach Spaß an und so machte ich es. Ich nahm es recht ernst, aber ich hätte nie gedacht, dass ich eine Chance hätte, die Rolle zu bekommen. Emma, deren Eltern Rechtsanwälte sind, musste bald erkennen dass das Filmerei nicht nur Glamour ist. "Es gab Tage, ein wo ich um 6 Uhr morgens am Set sein musste. Das bedeutete, dass ich um 5:30 Uhr aufstehen musste." Emma war ein großer Fan der Bücher und kannte den Charakter der Hermine sehr gut. Hermine ist selbstbewusst, fleißig und ein loyaler Freund für Harry." Das bin ich auch und deswegen nämlich an haben sie mich ausgewählt."
Rupert Grint,13 Jahre, der älteste von fünf Kindern zeigte bewundernswerte Entschlossenheit, die Rolle von Ron Weasley zu bekommen. Rupert hatte sich überlegt, dass er schon vom Aussehen her perfekt wäre für die Rolle des Ron. "Ich dachte, ich könnte Ron sein, weil ich rotes Jahr habe. Ich war wahrscheinlich der größte Harry-Potter-Fan und Ron ist meine Lieblingsfigur. Rupert sah einen Bericht in der BBC über Pläne, Harry Potter und den Stein der Weisen zu verfilmen. Also schrieb Ron an das Casting-Büro. Und hörte nichts. "Dann sah ich im Internet, dass ein Junge ein Video eingeschickt hatte. So entschloss ich mich, das zu tun. Ich bekam meine Mutter soweit, es zu filmen, was toll war, aber sie hat als Kameramann ihre Macken. Ich machte eine Rap-Nummer, dass ich Ron sein wollte und danach die noch ein bisschen auf Ron. Dann schickten wir das Band ein und wir bekamen einen Telefonanruf von Casting-Direktor, die sagte, sie wolle mich sehen."
Rupert möchte unbedingt Schauspieler werden, wenn er die Schule verlässt. Nach Harry Potter hatte bereits einen weiteren Film abgedreht, die britische Filmkomödie "Thunderpants" (Donner-Hosen) und er kann es gar nicht abwarten bis "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" beginnt. "Es ist einfach toll. Jeden Tag machst du etwas anderes. Es macht Spaß und ich mag Daniel, wir sind jetzt gute Freunde. Und Emma ist wirklich sehr wie Hermine, sie ist sehr nett. Mich hat der Unterricht nicht gestört, aber es war manchmal schwierig, weil du wusstest, dass sie draußen vor der Tür filmen und du unbedingt wieder zurück wolltest."
Daniel jedoch hat die andere Seite des Starruhms entdeckt. "Es macht wirklich Spaß, aber da waren eine Menge Leute in meiner Schule, die nie vorher mit mir gesprochen hatten, aber als ich die Rolle bekommen hatte, begannen sie mir E-Mails zu schicken und vorgaben, wir wären die besten Freunde" sagt Daniel.
"Meine engen Freunden sind total cool darüber. Wenigstens hoffe ich das - und überhaupt Mama und Papa führen weiterhin ein normales Leben. Ich habe einige enge Freunde und sie sind die gleichen, die sie vorher waren. Sie möchten natürlich viel darüber erfahren und einige von ihnen zum Set gekommen und habe sich das angesehen, aber es hat sich nichts verändert."
Er wird natürlich eine Menge Geld für die Filme bekommen. Wie viel genau, das ist ein sorgfältig gehütetes Geheimnis, aber es könnte um die eine Million Pfund pro Film sein. Er wird eine ganze Menge Geld für ein zwölfjährigen Jungen sein. "Ich denke, dass ich alles einfach sparen werde" sagt Daniel nüchtern "Ich weiß nicht, wie viel ich bekomme und ich möchte es auch nicht wissen, denn ich denke, es ist nicht wichtig. Es geht mir nicht um das Geld, sondern Spaß zu haben und Leute zu treffen."
Die Erwachsenen im Film - zum Beispiel Robbie Coltrane - sind sich der Gefahren wohl bewusst und haben oft darüber diskutiert, was die Zukunft für ihre jungen Co-Stars bringen mag. Aber Coltrane glaubt, dass Daniel Radcliffes Persönlichkeit und die Unterstützung durch seine Familien ihn das ganze heil überstehen lassen wird. "Seine Eltern sind sehr sehr gut ", sagt Coltrane. "Daniels Vater arbeitet in dem Business. Entweder war sein Vater oder seine Mutter die ganze Zeit dabei und sie waren sehr natürlich, gar nicht abgehoben und ich mag sie wirklich sehr. Ich glaube er wird im ok sein."
"Daniel ist ein sehr guter Schauspieler. Und ich denke, das ist der Schlüssel dafür. Denn, wenn er sich dafür entscheidet, das zu verfolgen, wird es ihm sehr gut gelingen. Er hat auf der einen Seite die Einstellung eines Erwachsenen und gleichzeitig eine 'Ist-doch-egal-Einstellung'. Das ist wirklich genau die Einstellung, die uns alle durchbringt. Richard (Harris) hat mir das auch gesagt. Denn wir waren alle besorgt. Richard sagte: 'Der Junge wird ok sein.'"
Stand: 11.04.2007