Mehr als 2 000 Familienmitglieder, Freunde, Vertreter ausländischer Königsfamilien, Bedienstete, Politiker und Vertreter von Wohltätigkeitsvereinen versammelten sich am 12. Juli in der St. Paul's Cathedral, um mit einem Dankgottesdienst den 100. Geburtstag der Queen Mother, der auf den 4. August fällt, zu feiern.
Prince William, der seinen ersten Auftritt nach dem Verlassen von Eton im Juni hatte, war auch anwesend; fast die gesamte königliche Familie war vertreten und saß in den vordersten Bänken in der Kathedrale. Zum letzten Mal waren die Royals in dieser Zahl 1997 zum Goldenen Hochzeitsjubiläum der Queen und Prince Philip zusammen gekommen.
Flankiert von der Queen und dem Herzog von Edinburgh saß die Queen Mother vor dem Altar unter der Kuppel von St. Paul's in einem pfirsich-farbigen Kleid und lauschte der Predigt des Erzbischofs von Canterbury, Dr. George Carey, der die Werte des hohen Alters pries.
Der Erzbischof brachte das Geburtstagskind und die Zuhörer zum Lachen, als er der Queen Mother für ein geliehenes Weinglas dankte. Eine Anspielung auf den Lunch im Rathaus zwei Wochen vorher, wo der Bischof versehentlich das Glas des Ehrengastes ergriff und die Queen Mother kein Glas hatte, um nach dem Trinkspruch anzustoßen.
Nach dem Gottesdienst wurde die Queen Mother zu einem privaten Essen mit Prinzessin Margaret gefahren, während die Queen die ausländischen Adeligen zu einem Essen im Buckingham Palace empfing.
Mehr als 7 000 Menschen (vom Schulkind bis zum Kriegsveteran) und Tiere marschierten, sprangen, ritten, tanzten oder wurden über den House Guards Parade Platz vorbeigerollt bei einer bunten, witzigen, kurzweiligen und von Herzen kommenden Geburtstagsparade für die Königinmutter.
Es war das größte Straßenfest, das London seit Jahrzehnten gesehen hatte und 12 000 Menschen waren bei bestem Wetter auf der House Guards Parade dabei. Trotz Bombendrohungen der IRA war die Stimmung so heiter wie das Wetter.
Zwanzig Minuten bevor das Geburtstagskind eintraf spielten bereits Militärkappellen bekannte Melodien. Trompeten kündigten dann die Ankunft der Queen Mother an, die von Clarence House herübergefahren wurde. In einer offenen Landau-Kutsche, begleitet von ihrem Lieblingsenkel Charles, zu den Klängen der Nationalhymne fuhr die Queen Mother auf den Platz. In einem pink-farbigen Kleid nahm sie und Prince Charles ihre Plätze auf der Ehrentribüne ein, auf der bereits die Ehrengäste saßen. Überwiegend im Stehen nahm sie zunächst die Militärparade ab.
Dann schloss sich ein bunter Rückblick auf das Jahrhundert und damit auch auf das Leben der Königinmutter an. Es begann mit dem Jahr 1900: die Schauspielerin Wendy Craig schob, als Nanny verkleidet, einen Kinderwagen. 1920: die Entdeckung des Grabes von Tutenchamun, die "Goldenen Zwanziger". 1940: Zweiter Weltkrieg. Es folgten weitere Reminiszenzen, viele auch an Lieblings-TV-Serien der Queen Mum (z.B. Dad's army). Für das Jahr 1950 zum Beispiel stand symbolisch die Erstbesteigerung des Mount Everest und die Uraufführung von "Die Mausefalle". Zum Jahr 1960 traten vier Beatles-Doubles auf, aber auch an die Berliner Mauer wurde erinnert und ein Aston Martin von James Bond wurde auf den Platz gefahren. 1970: Punker erschienen, Kinder traten als Münzen auf, zur Erinnerung an die Umstellung der britischen Währung auf das Dezimalsystem.
Nach diesem Schauspiel traten Vertreter der über 300 Organisationen, um die sich die Queen Mother gekümmert hat bzw. die sie heute noch betreut, auf. Angeführt wurde die Parade von ihren Lieblings-Corgis Rush und Minnie. Nur einige der teilnehmenden Organisationen seien hier beispielhaft erwähnt: das Nationale Jugendorchester, das Royal College of Nursing, The National Trust, der Zuchtverband der Angus-Rinder (mit einem Zuchtbullen), der Hastings Strandschnecken-Club (die aber ihre Schnecken nicht mitbrachten) und die Vereinigung der Gemüsehändler, die ihr Wappentier, das Kamel, mitführten.
Nun war es Zeit, das eigens komponierte Geburtstagslied ("A hundred years") anzustimmen. Sir John Mills, mit 92 Jahren nur unwesentlich jünger als die Jubilarin, dankte der Queen Mother "für alles, was sie dem Volk und dem Commonwealth bedeutet hat."
Die Menge sang "Happy Birthday" und ein Meer von Rosenblätter regnete auf die Menge herab. Der Königinmutter wurde eine gigantische Geburtstagskarte überreicht, die alle Teilnehmer des Spektakels unterschrieben hatten. Dann stellten einhundert Kinder einen Geburtstagskuchen dar. Ein Junge fragte die Queen Mum, ob sie die Kerzen ausblasen wolle oder ob er das übernehmen solle. Diese bat ihn das zu tun. Darauf erloschen die Kerzen, indem die Kinder umfielen.
Nun war die Königinmutter am Zug. Sie sagte in einer kurzen Ansprache (ein seltenes Ereignis, viele Zuschauer hatten sie nie zuvor reden gehört): "Ich hoffe, sie haben es so genossen wie ich. Es war ein wunderbarer Abend. Ich möchte nur sagen, Gott segne sie und vielen Dank!"
Anschließend kletterte sie in ihre Limousine, während der Chor "A health unto her majesty" sang.
Die Geburtstagsparade wurde live vom britischen Privatsender ITV ausgestrahlt. Die BBC, die auf die Ausstrahlung verzichtet hatte, schoss damit ein Eigentor. 7,3 Millionen Briten schalteten ITV ein (ca. 43% Marktanteil), die beste Quote, die ITV je hatte. Der Privatsender verzichtete während der zweistündigen Übertragung auf Werbeunterbrechungen. Ein Sprecher der BBC begründete den Verzicht damit, dass der Sender bereits zahlreiche Specials in seinem Programm habe und auch am Geburtstag selber (4. August) eine zweistündige Live-Übertragung eingeplant habe.
In Deutschland wurde die Parade vom ZDF übertragen. London-Korrespondent Theo Koll durfte als einziger ausländischer Korrespondent direkt vor Ort sein. Die Mainzer nutzten diese Chance aber nur teilweise, vielmehr gab Studiokommentator Peter Frey seiner Co-Kommentatorin Nina Ruge Gelegenheit, seine Fragen nicht zu beantworten, sondern ihre nachgelesen Klatschgeschichten zu verbreiten. Besser aufgehoben war man beim NDR (und einigen Dritten), wo Rolf Seelmann-Eggebert auf gewohnt kompetente Art unprätentiös kommentierte. Auf die Co-Moderation der Gräfin von Schmettow hätte auch gut und gerne verzichtet werden können.
Gegen elf Uhr wird die Queen Mother aus dem Gartentor von Clarence House treten und in einer offenen Kutsche um die Ecke zum Buckingham Palace fahren, um dort auf dem Balkon die Glückwünsche der Bevölkerung entgegenzunehmen.
Die Ereignisse werden live ab 10.45 Uhr auf ARD (Kommentar Rolf Seelmann-Eggebert) und ZDF (Nina Ruge, Peter Frey, Theo Koll) übertragen. Um 21.45 Uhr wird ein Porträt der Jubilarin von Rolf Seelmann-Eggebert in der ARD gezeigt.
Stand: 03.01.2009