London 2001
Samstag, 16.06.2001: Trooping the colour
Sonntag, 17.06.2001: Digs, Deserts and Discovery: ein Ausflug nach Westcliff-on-Sea
Montag, 18.06.2001: Auf dem London Eye und nach Oxford
Dienstag, 19.06.2001: Science Museum, Urteil revidiert
Mittwoch, 20.06.2001: Von Platform 10 nach Cambridge und Ely
Donnerstag, 21.06.2001: Fahrt auf der Themse nach Hampton Court
Freitag, 22.06.2001: A Christie Pilgrimage
Samstag, 23.06.2001: A Canterbury Tale
Mein letzter Ausflug führt mich nach Canterbury. Obwohl nur 75 km von London entfernt, dauert die Zugfahrt doch 1,5 Stunden. Kurz vor 9 Uhr nehme ich den Zug nach Canterbury, d.h. der Zugfahrplan wurde kurzfristig geändert, jetzt fährt er 9.05, um halb elf bin ich am Ziel. Ich fühle mich ins Mittelalter zurückversetzt, in der Stadt mit ihren Straßen, verwinkelten Gassen, und jahrhundertealten Häusern. Die Stadt gilt als Keimzelle des Christentums in England, seitdem der Heilige Augustinus (nicht zu verwechseln mit dem Kirchenvater) hier die Sachsen bekehrte und 597 die erste Bischofswürde von Canterbury annahm. 1170 wurde Thomas Becket in der Kathedrale ermordet. Er hatte gegen den König (einem Jugendfreund!) im Sinn der Kirche Partei ergriffen. Der König - Heinrich II. - hatte darauf in seinem Palast etwas gemurmelt wie "man schaffe mir den Priester vom Leib". Ein paar Ritter nahmen das wörtlich und ermordeten Becket. Schon bald darauf wurde dem Märtyrerblut wundertätige Kraft zugesprochen und Scharen von Pilgern zogen jahrhundertelang nach Canterbury. Bis Heinrich VIII. den Schrein zerstören und die Überreste Beckets in den Fluss werfen ließ.
Ich trinke Kaffee im ersten Stock eines Cafés. Der Fußboden ist im Laufe der Jahrhunderte stark nach vorne geneigt, aber offenbar hält die Statik noch. Der Kaffee ist so dünn, dass er bei uns nicht einmal als zweiter Aufguss durchgehen würde, aber die Atmosphäre stimmt.
Ich nehme anschließend an der Wiedererzählung der Canterbury von Geoffrey Chaucer teil. In einem kleinen Museum wird man als "Pilger" durch das mittelalterliche Canterbury geführt. Puppen erzählen die berühmten Geschichten, die einst Chaucer aufschrieb. Zum Teil sind die Stories recht derbe. Der Ton ist sogar auch auf Deutsch. Weiter geht es in Sachen Geschichte: ich sehe mir Ausgrabungen im Roman Museum an. Unter der Stadt muss noch viel mehr des römischen Canterbury (oder Durovernum Cantiacorum wie es damals hieß) verborgen sein. An einer Baustelle an der Fußgängerzone finde ich einen Hinweis, das man einen Blick auf archäologische Ausgrabungen werfen könne, allerdings sind ein paar Pfund dafür fällig.
Nach einer Mittagspause begebe ich mich zur Kathedrale, dem Zentrum der anglikanischen Kirche. Um 15.15 Uhr sollen hier Evensong stattfinden. Aber leider nicht heute, wie ich feststellen muss. Heute - offenbar wegen Proben für einen musikalischen Gottesdienst - erst um 17.30 Uhr. Also nehme ich mir Zeit, die Kathedrale noch einmal in Ruhe anzuschauen. Es lohnt sich.
Auch Evensong um 17.30 Uhr ist schön. Die Chortradition der anglikanischen Kirche ist einmalig. Nach dem Gottesdienst muss ich mich sputen, da ich den Zug um 18.18 erreichen will. Um 18.17 bin ich am Bahnhof - doch der Zug ist noch nicht da. Mit gut zehnminütiger Verspätung fahren wir ab und erreichen London um 20 Uhr.
Für die Führung auf den Spuren von Jack the Ripper ist nun leider keine Zeit mehr, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Dann halt bei der nächsten London-Fahrt. In dem Prospekt der London Original Walks finde ich aber eine interessante Notiz über die Desirée, die mich auf der Diana-Tour bei meinem letzten London-Aufenthalt begleitet hat:
"Desirée is drop dead glamourous. A former top fashion model and cult film actress, her world overlapped with Princess Diana's."
Stattdessen fahre ich noch einmal zum Tower und spaziere auf der Tower Bridge. Es wird kühl und ich fahre eine Station weiter nach Aldgate East und packe den Koffer.
Die Fotos zur Reise finden Sie in meiner Gallery
Stand: 28.04.2012