Archiv: November 2001 bis Februar 2002

Prince Harry darf mit 17 Jahren Auto fahren

Harry (17) hat einen vorläufigen Führerschein. Der Teenager darf nun bis zu
seinem 18. Geburtstag im nächsten September ein Auto steuern, wenn ein voll
qualifizierter Fahrer neben ihm sitzt. Danach kann er nach einem weiteren Test
ohne Begleitung fahren. Am Silvestertag bestand Harry seine Fahrprüfung im
ersten Anlauf. Er hatte in der Umgebung von Highgrove, dem Landsitz seines
Vaters in Gloustershire, 20 Fahrstunden genommen. Wie sein älterer Bruder
William wird Harry voraussichtlich zum 18. Geburtstag sein eigenes Auto
bekommen.

Harry hatte mit seinen Fahrkünsten schon vor fünf Jahren Schlagzeilen
gemacht. Damals hatte das königliche Kindermädchen, Tiggy Legge Bourke, dem
Zwölfjährigen erlaubt, auf Schloss Balmoral in Schottland einen Geländewagen
zu steuern.

"Deutsche" Weihnacht bei den Windsors

Anders als die Untertanen hat die britische Königsfamilie auch in diesem
Jahr wieder eine "deutsche" Weihnacht gefeiert: mit der Bescherung am
Heiligabend statt am Morgen des ersten Weihnachtstages. Mit der Bescherung unter
dem Tannenbaum am Heiligabend hielten die Windsors an einer Familientradition
fest, die der Ehemann von Königin Victoria, der Deutsche Albert Prinz von
Sachsen-Coburg-Gotha, eingeführt hatte. Britische Medien berichteten, dass die Königin
gerne "praktisch" schenkt und wie viele Normalbürger vorzugsweise
Handschuhe, Krawatten und Pullover aussucht. 

Am Morgen des ersten Weihnachtstages besuchte die Königin mit dem engen
Familienkreis den Gottesdienst auf ihrem Landsitz Sandringham. Auch in diesem
Jahr durfte Sarah ("Fergie") nicht im Schloss übernachten, sondern
musste als Gast der Queen auf der Wood Farm auf den Gütern der Königin
übernachten. Auch zum Lunch am ersten Feiertag war sie nicht eingeladen, wohl
aber ihre Töchter. Sophie, Ehefrau von Prince Edward, erschien erstmals wieder
in der Öffentlichkeit, seit sie am 10. Dezember aus dem Krankenhaus
entlassen wurde. Die Königinmutter (101) fehlte beim Kirchgang, sie hat sich
noch nicht von einer Erkältung erholt und in Sandringham war es sehr kalt. Auch
Prinzessin Margaret, die bereits drei Schlaganfälle erlitt, blieb der Kirche
fern. Während die anderen Familienmitglieder zu Fuß zur Kirche gingen, fuhr
die Königin mit Sophie in einem Rolls-Royce vor. Sophie wurde von ihrem Mann Edward
und Timothy Laurence, Ehemann von Princess Anne gestützt. Ihr Outfit war
zurückhaltender als sonst: ein Tweed-Kostüm und ein Hut, vermutlich ihrer
Lieblingsdesignerin Louise Kennedy. Im letzten Jahr kaufte sie die gesamt
Winter-Kollektion von Kennedy. Die Königin trug einen seegrünen Mantel mit großkrempigem
farblich passendem Hut. Ihre Tochter, Princess Anne, half ihr beim Einsammeln
der zahlreichen Blumensträuße von über 1000 Zuschauern. Anne trug einen
lavendelfarbigen Mantel. Ihre Tochter Zara (20) hatte einen Mantel an, den auch
Popstars gerne tragen: figurbetont, mit Patchwork aus Kaschmir, Leder und Wolle.
Das gute Stück kostet circa 1 200 £ (1 800 Euro). 

Nach dem Gottesdienstes gab es "Weihnachtsküsse" für Prince
William von einer jungen Verehrerin, die so entschlossen war, ihr Geschenk ihm
zu überreichen, dass die ihm die ganze Auffahrt hinterherlief. William (19)
übersah zunächst die sechsjährige Katherine Bennett, Tochter eines
amerikanischen Armeearztes, aber das kleine Mädchen konnte ihm dann doch eine
große Schachtel "Hershey’s Kisses" (Amerikanische Schokolade)
überreichen, die – wie sie sagte – das zweitbeste nach königlichen Küssen
seien.

Prince William, 1,90 m groß, überragte die ganze Gruppe der Royals. Sein
Bruder Harry (17) ist auch bereits 1,80 m. Die Prinzen kehrten am Freitag nach
Weihnachten nach Highgrove, dem Landsitz ihres Vater, zurück. Dort geben sie
eine Party für Freunde.

Queen: "Glaube kann den Terror bezwingen"

Die Ereignisse des 11. September dominierten die traditionelle
Weihnachtsbotschaft der Queen. Ihre 50. Botschaft war in getragener und ernster
Stimmung gehalten. In der sehr professionell vom privaten Sender ITN gemachten
Sendung waren Ausschnitte zu sehen, die die Royals bei den Trauergottesdiensten
sowie Prince Andrew am Ground Zero in New York zeigten. Außerdem ist ein Teil
der amerikanischen Nationalhymne zu hören, die während des Wachwechsels direkt
nach den Anschlägen in New York gespielt wurde. Diese Geste – die in Amerika
großen Anklang fand – erfolgte auf direkte Anordnung der Königin. Die Queen
betonte die Bedeutung von Glaube und Gemeinschaft als Antwort auf die
terroristischen Anschläge. Der Beitrag schloss – auf heiterer Ebene – mit Carol
Singers vor der Tür von Sandringham, die der Queen frohe Weihnachten und ein
fröhliches 2002 wünschten. Mit leichtem Augenzwinkern waren dabei auch die
Corgis der Queen zu sehen.

Hätte sich an der politischen Lage in Afghanistan oder an einem anderen
Krisenherd noch kurz vor der Ausstrahlung geändert, oder hätte sich der
Gesundheitszustand ihrer Mutter dramatisch verschlechtert, stand die Queen bis
zum Morgen des ersten Weihnachtstages für Änderungen bereit. Der Königin war
es wichtig, den richtigen Ton zu treffen: die einzelnen Sequenzen wurden vier
bis fünfmal aufgenommen, bis sie zufrieden war. Die Times zollte in ihrem
Leitartikel großes Lob für die Ansprache: "Es bleibt zu hoffen, dass ihre
Worte die Herzen und Gemüter derer berührt, die am meisten den Wert der
Toleranz verstehen müssen."

Weltweit kann man die Botschaft als Videoclip (Real Video und Windows Media)
unter www.royal.gov.uk betrachten. Die deutsche
Übersetzung
finden Sie – wie jedes Jahr – auf meiner Website. Ebenso die Ansprachen
der Jahre 1996 bis 2000
und ein Beitrag zur Geschichte
der Weihnachtsbotschaften
.

Queen verzieht keine Miene zu wenig schmeichelhaftem Portrait

Ist das dasselbe Gesicht, dass auf Millionen britischer Briefe klebt? Das
Diamant-Diadem, die Ohrringe, die Halskette und die steifen Locken sehen
vertraut aus. Aber nie hat es ein weniger schmeichelhaftes Porträt der Königin
als das, was der 80-jährige Lucian Freund ihr am 20. Dezember zum goldenen
Thronjubiläum im kommenden Jahr überreichte. 

Was die Königin selbst zu dem winzigen Ölgemälde (23,5 x 15,2 cm) sagte,
ist nicht bekannt. Vielleicht ist das auch gut so. Ihre Haut auf der Leinwand
ist faltig und und fleckig, der Mund mürrisch verzogen, ein Auge höher gezogen
als das andere. Um das Kinn wirkt sie wie schlecht rasiert, der Nacken ist ist
fleischig. Ihr Ausdruck ist wie eine Monarchin, die nicht nur ein "Annus
horribilis" hinter sich hat, sondern eine ganze Regentschaft voll davon.
Freud wird mit dem Gemälde der Queen wohl keine Freude bereitet haben. 

Doch die Kunstwelt ist von dem Bild begeistert: "Brutal, aber
ehrlich", "Möglicherweise das beste königliche Portrait seit
Goya". Die Öffentlichkeit und die Boulevard-Presse ist empört über das
Bild, für das die Queen viele Stunden dem Maler Modell saß. Der Daily
Telegraph schrieb, das Portrait würde mehr ihrer Spitting-Image-Puppe
ähneln. Die Sun fordere, Freud müsse in den Tower geworfen werden (Die
Vorgängerin der Queen, Elizabeth I. hätte Freud wahrscheinlich sogar köpfen
lassen). 

Freud gehörte einst der "trinkfreudigen und heftig promiskuitiven
Gesellschaft von Soho" an, wurde aber schon vor langer Zeit vom
Establishment aufgenommen (The Times). Seine Gemälde erzielen Millionen und
obwohl er bekannt für seine kompromisslosen und düsteren Portraits, hat er so
viele Aufträge, dass er einige von bekannten Persönlichkeiten (z.B. Princess
Diana) ablehnen konnte.


Ich denke, man kann sich der Meinung von Times-Leser P. Whittle
anschließen, der folgenden Leserbrief schrieb:

"Sir, I wünschte, die Königin könnte sich durchsetzten und
sagen: ‚Genug ist genug‘. Zuerst die scheußliche "Royal Variety
Performance
" und nun dieses furchtbare Portrait.
Sie verdient Besseres."

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Sophie erleidet Fehlgeburt

Kein gutes Jahr für Edward und Sophie, Graf und Gräfin von Wessex. Anfang des Jahres die
peinliche "Sophiegate"-Affäre, dann
der Wirbel, weil Edward ein Kamerateam auf Prince William in dessen Studienort
St. Andrews angesetzt hatte und nun musste Sophie wegen einer Fehlgeburt
notoperiert werden.

Sophie war wegen starker Bauchschmerzen mit einem Rettungshubschrauber von
ihrem Landsitz in Südengland in eine Londoner Klinik geflogen worden. Grund
für die Operation war eine Eileiterschwangerschaft. "Ich bin natürlich
sehr traurig. Es hat einfach nicht sollen sein. Aber es wird sicher noch andere
Chancen geben," erklärte die Gräfin am folgenden Tag. Prinz Edward sagte:
"Jeder, der etwas darüber weiß, dürfte wissen, dass es so ziemlich das Schmerzhafteste
ist, was man sich vorstellen kann." 

Sophie musste ein paar Tage im Krankenhaus bleiben, ist aber inzwischen
wieder entlassen. Nach einer solchen Operation ist es in den meisten Fällen
möglich, erneut schwanger zu werden.

Ein Bentley zum Thronjubiläum

Im Mai kommenden Jahres bekommt die Queen zum ihrem goldenen Thronjubiläum
ein besonderes Geschenk: einen speziell angefertigten Bentley. Es ist der erste
Bentley, der extra für königliche Auftritte entwickelt wurde und kein umgemodeltes
Standardmodell. Die Queen und Prince Philip waren an der Entwicklung beteiligt.
Eine spezielle Tür macht es möglich, dass die Königin aufrecht stehen kann,
bevor sie aus dem Fahrzeug steigt.

Hochzeit im Hause Spencer – ohne Beteiligung der Royals

Charles Spencer (36), der jüngere Bruder von Princess Diana, hat zum zweiten
Mal geheiratet. Der Earl gab seiner Jugendfreundin Caroline Freud (34), einer
ehemaligen Aushilfslehrerin, Mitte Dezember das Jawort. Prince William und
Prince Harry kamen nicht zu der Hochzeit, obwohl sie eingeladen waren. Sie
schossen lieber mit ihrem Großvater Prince Philip (80) Fasane. Die britische
Presse wertete dies als Zeichen für die zunehmende Entfremdung von ihrem Onkel.

Charles‘ Gartenarbeit ging ins Auge

Prince Charles verletzte sich beim Absägen eines Astes im Garten seines
Landsitzes Highgrove am Auge. Dabei tat er Sägemehl ins Auge bekommen. Er
konnte deshalb einige seiner Amtspflichten nicht wahrnehmen. Charles musste im
Krankenhaus behandelt werden und ruhte sich anschließend zu Hause aus.

In der Woche zuvor hatten sich seine Söhne anlässlich seines 53.
Geburtstages über seine zunehmenden Alterserscheinungen lustig gemacht.
Charles, der eine ausgeprägte Fähigkeit zur Selbstironie besitzt, klagte
daraufhin, jeder mache entweder eine Bemerkung übe sein fortgeschrittenes Alter
oder einen Witz über die Kriegsgegnerin, die ihn in der Woche zuvor mit einer
Blume geschlagen hatte. Aber es sei ja gut, wenn alle ihre Spaß hätten,
"dafür bin ich ja schließlich da."

Queen will Euro nicht

Elizabeth II. erfreut die Euro-Gegner im Königreich, das bislang noch nicht
der europäischen Währungsunion beigetreten ist. In ihren Palästen und
Souvenirshops lässt sie die europäischen Münzen und Scheine nicht als
Zahlungsmittel zu. Die Touristen vom Kontinent müssen weiter mit Pfund zahlen.
Und das, obwohl ihr Premierminister Tony Blair ausdrücklich empfohlen hat, den
Euro vom 1. Januar an zu akzeptieren. Eine ganze Reihe von Touristenattraktionen
und die Hälfte aller großen britischen Ladenketten haben bereits angekündigt,
dass bei Ihnen auch mit dem Euro gezahlt werden kann.

Die Queen verdient mit Eintrittsgeldern zu acht ihrer Paläste und
Kunstgalerien jedes Jahr über zehn Millionen Pfund (15 Millionen Euro). Das
Geld wird für den Unterhalt der Gebäude verwandt. Vor einiger Zeit soll die
Queen allerdings in einer Privataudienz gesagt haben, Großbritannien schließe
einen Beitritt zur Währungsunion keineswegs aus: "Wenn es klappt, machen
wir auch mit", wurde sie zitiert. Öffentlich darf sich das Staatsoberhaupt
zu solchen politischen Fragen nicht äußern. Die Königin gilt als
gemäßigt-konservativ.

Amused or not amused? That is the question!

War die Königin von einem Männerstrip auf der Bühne schockiert oder eher
amüsiert? Diese Frage beschäftigte die Briten. Mit Prince Philip war die Queen
am 26. November in London zur "Royal Variety Performance" eingeladen.
In dem wohltätigen Varieté-Programm war eine Bühnenversion des Männerstrips
aus dem Film "The full monty" ("Ganz oder gar nicht") zu
sehen. Dabei ließen die Akteure bei voller Beleuchtung die Hüllen fallen und
entblößten für zehn Sekunden was in England als "Kronjuwelen"
bezeichnet wird.

"Diana" fehlen die fetzigen Songs

Die Uraufführung des Musicals "Lady Di – Diana – Ein Lächeln
verzaubert die Welt" stand in der mit 1600 Besuchern nur etwa halb
gefüllten Saarbrücker Saarlandhalle unter keinem guten Stern. Nur für wenige
ins Ohr gehende Songs sie "Ich wünsch mir einen Prinzen" gab es
Szenenapplaus und am Ende erst verhalten, dann kräftiger Schlussbeifall. Am
meisten litt die gut zweistündige Aufführung darunter, dass die aus England
kommenden Darsteller Deutsch mit so starkem britischen Akzent sprachen und
sangen, dass die vor der farbenprächtigen Bühne oft ausgesprochen hölzern
wirkten. Das für knapp zwei Millionen Mark Produktionskosten produzierte Stück
soll später in Dänemark, Schweden, Belgien und der Schweiz in englischer
Sprache aufgeführt werden. Komponist Peter Thomas und Autor Volker Führer
zeigten sich nicht in allen Punkten mit der Inszenierung einverstanden. (Bericht:
dpa).