Mittwoch, 25 September 1985
Nach dem Frühstück (Die Toast-Produktion zeigte schon mehr Erfolge) wurden die Houses of Parliament (Leider nur von außen) besichtigt. Aus Sicherheitsgründen kann man das Parlamentsgebäude nur durch Vermittlung eines Unterhausmitgliedes betreten.
In Westminster Abbey begutachteten wir die zahlreichen Staatsgräber (z.B. Elisabeth I.), den Schrein Eduards des Bekenners und den Krönungsstuhl mit dem „Stone of Scone“. Der Stein wurde schon einmal gestohlen, tauchte aber später wieder auf. Da der Stein nach nichts aussieht, wussten die Diebe wohl nichts damit anzufangen.
Anschließend besuchten wir Whitehall (Regierungsbezirk) mit der berühmtesten Adresse der Welt: Downing Street 10, eine unscheinbare Seitenstraße, die aus Sicherheitsgründen ganz abgesperrt ist.
Der Nachmittag stand wiederum zu freier Verfügung. Das Gespann „Andreas-Christian“ machte sich mit der U—Bahn zur Baker Street auf (wieder eine berühmte Adresse, hier residierte Sherlock Holmes) und von da aus ging es zu Mme Tussauds. Die Eintrittspreise waren gesalzen (3,30 Pfund), aber die Investition hat sich gelohnt. Unter anderem war dort Heinrich VIII. mit seinen Liebem zu sehen (von seinen sechs Frauen hat er zwei köpfen lassen, zwei haben die Scheidung überlebt, eine starb eines natürlichen Todes und eine überlebte ihn sogar).
Dieser, unser Kanzler war auch finden. Auch nicht—deutsche Besucher kannten ihn erstaunlicherweise. Sein Amtsvorgänger war nicht mehr zu finden, sollte er also eingeschmolzen worden sein? Figuren, die an Aktualität verlieren, wwrden eingeschmolzen.
Die meisten Figuren waren recht gut getroffen, bis auf Ronald Reagan. Passenderweise stand Hitler kommentarlos und ohne Namensschild am Eingang zum Horrorkabinett. Stalin hätte gut daneben gepasst.
Britischer Patriotismus durfte auch nicht fehlen: eine Abteilung war der Schlacht von Trafalgar gewidmet. Dabei tönte einem der Kanonendonner der Schlacht die Ohren. Das Flaggensignal Nelsons belehrte einen, dass „England expects that every man will do his duty“.
Andere Fahrtteilnehmer hielten sich wieder im Science Museum auf. Andere besichtigten Harrod’s und Buckingham Palace, wovon sie recht enttäuscht waren (Zitat: mancher Sozialhilfeemfänger wohnt besser“). Das wird sich Lisbett vielleicht auch gedacht haben, denn sie war nicht da und hielt sich auf irgendeinem ihrer Schlösser auf.
Abends gingen Andreas und ich dann in die „Mausefalle“ von Agatha Christie. Über 33 Jahre läuft sie nun, mehrmals am Tag und hat noch nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Die billigen Plätze (3,50 Pfund) waren alle besetzt (darunter viele Deutsche) und auch die anderen Ränge und Logen waren so weit man sehen konnte gut besetzt. Agatha Christies Enkel Mathew, dem sie das Stück vermachte, verdient gut daran. Ihre Befürchtung, durch die komischen Elemente könnte das Stück an Spannung verlieren, hat sich als unberechtigt erwiesen, ebenso wie ihre Vermutung, das Stück Würde höchstens acht Monate laufen. Es läuft wie schon oben gesagt, seit über 33 Jahren, sehr zum Ärger der Filmgesellschaft, die die Rechte für die Verfilmung erworben hat. Eine Vertragsklausel besagt nämlich, dass erst ein Film gedreht werden darf, wenn das Stück acht Monate lang nicht läuft!
Da die Besucher gebeten wurden, Stillschweigen über die Identität des/der Mörders/Mörderin zu bewahren, werden auch wir nichts verraten. Ein kleiner Tipp aber: der Mörder war nicht der Gärtner (es spielte auch gar keiner mit). So sei dem Leser empfahlen, selbst beim nächsten Londonbesuch das Stück zu besuchen. Es läuft bestimmt noch.
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