I am sorry, Prime Minister und zum Abschluss noch einmal Oliver!

Und schon ist mein letzter Tag in London angebrochen. Auch heute stehen wieder zwei Theaterbesuche auf meinem Programm. Vor dem Matinée unternehme ich – inspiriert von den beiden Neuerscheinungen „Der inoffizielle Agatha Christie Reiseführer“ und „Agatha Christie’s London“ einen Ausflug zu zwei Häusern in London, die Agatha Christie bewohnt hat und die mittlerweile mit einer blauen Plakette gekennzeichnet sind. Zunächst geht es zum Cresswell Place 22 im vornehmen Chelsea. Hier zog Agatha Christie 1929 nach ihrer Scheidung ein. In der Straße befinden sich ehemaligen Stallungen, die in 1920er Jahren im Zuge der Motorisierung zu hübschen Wohnhäusern umgebaut wurden. Die Häuser inspirierten Christie zur Novelle „Murder in the Mews“. Anschließend geht es zur Sheffield Terrace 58 in Kensington. Hier lebte sie von 1934 bis 1941. Als das Haus durch einen Bombentreffer gegenüber unbewohnbar wurde, zog sie ins moderne Isokon Building um. Als das Haus in Sheffield Terrace mit einer blauen Plakette zum Gedenken, dass hier einst die berühmte Autorin residierte, ausgezeichnet werden sollte, brachte Christie English Heritage ganz schön durcheinander. In ihrer Autobiographie schrieb Christie nämlich, sie habe in der Nummer 48 gewohnt. Der Grundriss des Hauses passte aber nicht zur Beschreibung. Wahlverzeichnisse aus der Zeit verrieten dann, dass es in Wirklichkeit die Hausnummer 58 war. Leider ist die blaue Plakette von den begüterten Besitzern durch eine so hohe Mauer abgeschirmt worden, dass man sie kaum ablichten kann.

Nach einem Imbiss begebe ich mich zum Apollo Theatre. Die britische Comedyserie „Yes, Minister“, mit der Beförderung des Protagonisten dann in „Yes, Prime Minister“ umgetitelt, war in den Thatcher-Jahren ein großer Fernseherfolg. Sie zählt heute noch zu den Klassikern, da das politische Ränkespiel der Serie zeitlos geblieben ist. Einer der Schöpfer der Serie, Jonathan Lynn, hat nun einen letzten Akt zu der Serie geschrieben: „I’m sorry, Prime Minister“. Der PM ist mittlerweile in die Jahre gekommen. Als Dekan an einem College in Oxford, das nach ihm benannt ist, haust er in der Dienstwohnung und benötigt eine Pflegekraft. Nicht nur das: nicht politisch-korrekte Zitate von ihm sind in den sozialen Netzwerken gelandet und die Leitung des College möchte ich daher loswerden. Sein alter Weggefährte Sir Humphrey Appleby soll ihm nun aus Patsche helfen. Das Stück hat leider nicht die Brillianz und den Witz der Fernsehserie. Auch geht es weniger um Politik, sondern mehr um das Alter und die damit verbundene Gebrechlichkeit (PM Hacker leidet an Demenz und Inkontinenz). Vielleicht fehlte Lynn auch sein Koautor Antony Jay, der vor einigen Jahren verstorben ist. Und vor allem: niemand kann an die Darsteller der TV-Serie Paul Eddington und Nigel Hawthorne heranreichen.

Am späteren Nachmittag besichtige ich die National Portrait Gallery. Hier hängt ein neues Familienportrait von Sir Elton John. Die Fotografin hat traditionelle Motive aufgenommen: die Familie sitzt in der Bibliothek, eingerahmt von Hunden.

Am Abend sehe ich mir noch einmal „Oliver!“ an. Diesmal steht der neue Artful Dodger Aaron MacGregor auf der Bühne. Ryo Appadu steht als Oliver in beiden Akten auf der Bühne. Dane Young als Noah Claypole (schön fies) ist eine Bereicherung der Cast. Da es bei „Shadowlands“ und „All my Sons“ so gut geklappt hat, stehe ich mit meinem Programm wieder am Bühnenausgang und – freundlich – signieren es Aaron MacGregor, Simon Lipkin (Fagin), Jamie Birkett und Oscar Conlon-Morrey.

Am nächsten Tag geht es dann mit dem Stansted Express zum Flughafen und dann landet am Nachmittag mein Flieger wieder in Münster-Osnabrück.

Fotos aus Agatha Christies London
Einige Fotos aus der National Portrait Gallery
Weitere Fotos aus London in meinem Fotoalbum

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