Partners in Crime (2015)

Die Beresfords
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Wilfried
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Partners in Crime (2015)

Beitrag von Wilfried »

Die britische DVD zur nicht grad sehr erfolgreichen Neuverfilmung vom letzten Jahr ist inzwischen auf dem Markt. Besitzt sie schon jemand von euch und kann was dazu sagen? Vielleicht sind ja die Folgen, die die BBC gar nicht mehr ausgestrahlt hat, ja die besseren (oder zumindest ganz passabel und damit sammelwürdig) :?: :roll:

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Wilfried
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Re: Partners in Crime (2015)

Beitrag von Wilfried »

Das Vorab-Cover der deutschen DVD ist raus bei Polyband

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...und als die wahren Gentlemen wird Jessica alias Tuppence natürlich zuerst genannt :P
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Wilfried
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Re: Partners in Crime (2015)

Beitrag von Wilfried »

Die DVDs sind bei mir eingetroffen. Erste Überraschung: "N or M" und nur ein Beresford-Roman liegt dem Remake zugrunde... :shock:

Ist schon jemand durch mit den beiden DVDs und teilt uns seine Meinung über Tommy & Tuppence im neuen Gewand mit :?:
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Japp
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Re: Partners in Crime (2015)

Beitrag von Japp »

das Kotz Smiley gibts hier leider nicht

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Wilfried
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Re: Partners in Crime (2015)

Beitrag von Wilfried »

das Kotz Smiley gibts hier leider nicht
Das sind starke Worte, mon Ami Japp :lol:

Also ganz so drastisch sehe ich es nicht. Es war doch sowieso klar, dass nach Poirot mit David Suchet auf längere Zeit weniger brilliante Christies auf uns zukommen werden :shock:

Vom Ansatz her fand ich die beiden Episoden gar nicht soooo übel. Partners in Crime insgesamt in den 1950er Jahren und damit in der Ära des Kalten Krieges anzusiedeln, war vernünftig, und das entsprechende Ambiente zu kreieren, ist der BBC mal wieder vortrefflich gelungen.

Dass die Neuverfilmung kein durchschlagender Erfolg war, lag meines Erachtens vor allem an David Walliams als Tommy. Während Jessica Raine eine ganz agile Tuppence verkörperte, wirkte David Walliams einfach zu hölzern, zu behäbig und zu wenig smart. Insbesondere, wenn man ihn mit dem alten Tommy von 1984, James Warwick, vergleicht (Photo der alten Beresfords s.u.). Ferner haben natürlich auch die Drehbuchschreiber eine gehörige Mitschuld: Mehr Spannung und mehr feinsinniger Humor, so wie er den Christie-Beresford-Romanen zueigen ist, wären wünschenswert gewesen. Schade für die verpasste Gelegenheit, die Beresfords von Agatha Christie wiederzubeleben.

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Als Trostpflaster gibt es für hartnäckige Christie-Sammler (wie mich) beim synchronisierten Re-Make ein kleines Booklet, und auf den beiden DVDs ein längeres "Making of". :)
Zuletzt geändert von Wilfried am 25.10.2017, 18:45, insgesamt 3-mal geändert.
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Wilfried
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Re: Partners in Crime (2015)

Beitrag von Wilfried »

Mein lieber Japp:

In der IMDB-Filmdatenbank erhielt die Serie sogar eine Bewertung "6,4/10" :D

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http://www.imdb.com/title/tt3574152/?ref_=ttmi_tt
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Japp
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Re: Partners in Crime (2015)

Beitrag von Japp »

David Walliams ist ganz ganz ganz ganz schlecht in der Rolle.
Als Transe in Little Britain war er fantastisch. Er kann es. Aber
die Rolle hier...
the computer says NO!

RalfKramp
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Re: Partners in Crime (2015)

Beitrag von RalfKramp »

Ihr Lieben,
nun haben wir uns zwei gemütliche Abende gemacht, meine Frau und ich. Da ich zu den beiden Beresfords nie eine ähnlich enge emotionale Bindung verspürt habe wie zu Poirot oder Miss Marple, fiel es mir nicht schwer, mich einigermaßen neutral an die beiden Folgen heranzumachen. Zwar mag ich die alte Fassung mit Annis und Warwick schon sehr, aber allein die unterschiedlichen Epochen, das jeweils andersartige filmische Setting und die unterschiedliche Art und Weise, wie die Geschichten erzählt werden, erlauben es kaum, zwischen diesen beiden Varianten irgendwelche Vergleiche anzustellen.
Ich muss sagen, dass meine Frau und ich uns bei "Partners in Crime" gut unterhalten gefühlt haben. Das ist schon mal vorab ein Punkt, der nicht zu vernachlässigen sein dürfte. Die Serie ist frisch und streckenweise rasant in Szene gesetzt. Jessica Raine als Tuppence - das muss man einfach sagen - ist köstlich! Humorvoll, ernsthaft, albern, nachdenklich ... sie ist in jeder Situation einfach die perfekte Besetzung für diese Rolle. Schon in "Call the Midwife" war sie ja herausragend. James Fleet liebe ich ja sowieso. Als verknöcherter, Major Carter ist er britisch wie immer und kann sich winden und gequält gucken wie kein Zweiter.
Und David Walliams? Nun, als ich vor Jahren von der Planung der Serie erfuhr, konnte ich es zuerst nicht glauben. Ein Comedian dieses Zuschnitts als Tommy Beresford?
Ich bin überrascht über mein eigenes Urteil: Er macht es alles andere als schlecht. (Die Geschmäcker sind ja bekanntlich unterschiedlich, mein lieber Japp.) Er ist streckenweise herrlich stoffelig, ein echter Pantoffelheld eben. Die Macher haben sich für diese Variante des Beresfordschen Ehelebens entschieden, und das ist sicher nicht die schlechteste Wahl, denn hier entstehen reizvolle Reibungsflächen, hieraus erwachsen höchst unterhaltsame Situationen voller entzückender Sticheleien. Man spürt mit Walliams als Tommy buchstäblich sein Unbehagen wenn er in eine Mordgeschichte hineingezogen wird, der er nicht gewachsen ist und es gefällt mir gut, wie verstört und hilflos er ist, wenn direkt vor seinen Augen ein brutaler Mord verübt wird. Das - und jetzt will ich doch mal rasch den Vergleich zu LWT 1982 bemühen - ist alles sogar glaubwürdiger und authentischer als in der alten Fassung. Hier ist das eben nicht alles nur ein munteres Spiel mit eleganten Hüten und vielen Leichen. Munter auch - aber eben nicht nur munter.
Die Stoffe sind in der Nachkriegsära bestens platziert. Das funktioniert wunderbar. Ich muss leider zugeben, dass ich nicht mehr über die nötige Detailkenntnis die literarische Vorlage betreffend verfüge, kann ich zu dem Maß an freier Bearbeitung nichts sagen.
Eine augenfällige Schwäche der Verfilmung ist wahrscheinlich die ein oder andere Unwucht im Erzählrhythmus. Es gibt durchaus Längen, zum Beispiel dann, wenn Parallelhandlungen in überflüssig viele Teile aufgespalten werden. Das soll Geschwindigkeit erzeugen, bewirkt aber das Gegenteil.
Also zurück zum Anfang: Zwei gemütliche Abende - wir haben uns gut unterhalten gefühlt.
Ich bin gespannt auf weitere Beurteilungen aus Euren Reihen!

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Hastings
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Re: Partners in Crime (2015)

Beitrag von Hastings »

Ich muß auch mal eine Lanze brechen für dieses Stiefkind unter den neueren Christie-Produktionen. Ja, man hat die Storys aus den 20ern bzw. 40ern in die 50er transferiert. Ja, man hat einiges ungeschrieben, aber man erkennt die zugrunde liegenden Stoffe über weite Strecken immer noch wieder (die Werktreue ist ungefähr wie bei den McEwan-Marples). Ja, auch die Charaktere wurden geändert, Tommy ist über 10 Jahre älter (und deutlich schwerer) als seine (hier bereits) Angetraute, und auch ein Kind ist schon da. Aus Albert wurde ein einarmiger Kriegskamerad von Tommy, und auch eine ethnische Minderheit muß aus Gründen der Political Correctness (wann stirbt dieser Trend endlich aus?) repräsentiert werden, hier sind es ausnahmsweise mal nicht die Homosexuellen, sondern die Afroamerikaner (Julius Hersheimer und Jane Finn).

ABER - die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt, die Geschichten sind temporeich inszeniert und durchaus spannend gemacht. Lediglich die letzte Folge fällt hier ab, weil an den originalen Showdown von "Rotkäppchen und der böse Wolf" unbedingt noch ein "dramatisches Finale" angehängt werden mußte, worunter auch die Glaubwürdigkeit deutlich leidet.

Zur Inszenierung muß man nichts sagen, die ist auf der Höhe der Zeit, und auch ausstattungstechnisch wird geklotzt und nicht gekleckert.

Gut - die Vorlagen waren anders. Aber Hand aufs Herz, gerade "Ein gefährlicher Gegner" (bekanntlich erst Christies zweiter Roman überhaupt) war eine üble Räuberpistole, dem steht das neue Styling gar nicht schlecht zu Gesicht. "Rotkäppchen und der böse Wolf" hätte natürlich etwas werkgetreuer sein dürfen, aber den Shitstorm, den sie abbekommen hat, hat diese Miniserie wirklich nicht verdient. Zumal die BBC eine mögliche Fortsetzung (angeblich aufgrund der vollen Terminkalender der Hauptdarsteller David Walliams und Jessica Raine) inzwischen gecancled hat.

Wem die "Detektei Blunt" zu angestaubt und langsam war, der sollte hier ruhig mal ein Auge riskieren, aber auch sonst sollte man der Umsetzung eine Chance geben, ist mal was anderes als Poirot und Marple.

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