Diana – Der Kult

Auch ein Jahr nach tragischen Unfall beschäftigt Dianas Leben und Tod die Menschen. Zu den Reaktionen unmittelbar nach ihrem Tod lesen Sie bitte “The People’s Princess: Ein Volk trauert um Diana”.

Warnung der Kirche

Der Erzbischof von York, David Hope, warnte vor einem Kult um Diana. Im Blick auf den Jahrestag ihres tödlichen Verkehrsunfalls in Paris am 31. August sagte er in einem Interview mit der “Sunday Times”: “Die Gesellschaft sollte sich ihrer Fürsorglichkeit und ihres Mitempfindens erinnern und nicht in Trauer versinken. Wer die Erinnerung an sie hochhalten wolle, solle sich an die Wohltätigkeitsorganisationen wenden, für die sie tätig war und “nicht an ein Symbol klammern”. Weiterhin meinte Erzbischof David Hope: “Wir sollen aufpassen, dass wir sie nicht anbeten. ” Der Bischof kritisierte insbesondere das tempelartige Diana-Museum, das ihr Bruder Charles auf dem Familiengut der Spencers in Althorp eingerichtet hat. Das Museum sei das letzte, was Diana gewollt hätte.

Auch der Erzbischof von Canterbury, George Carey, zugleich geistiges Oberhaupt der anglikanischen Kirche von England, setzte sich dafür ein, dass die Kirchengemeinden die Emotionen nicht anheizen. Er regte Gebete an, in denen für das Mitempfinden und die Hoffnung gedankt wird, die Diana vielen Menschen gezeigt und ihnen gebracht hat.

Selbsthilfegruppen

Therapeuten bieten Menschen, die immer noch um Diana trauern, Hilfe an. Sie werben für ein “Diana-Wochenend-Seminar”. Für £ 60 werden dann mittels einer mitgebrachten Schere und den Lieblingsfotos von Diana Kollagen gebastelt.

Auswüchse

Ein Gericht sprach Anfang Juli einer Sekretärin mehr als £ 10 000 Schadensersatz wegen ungerechtfertigter Entlassung zu. Wochenlang hatte sie nach dem Tod der Prinzessin geweint. Die alleinerziehende Mutter soll Gedichte und Briefe über Diana geschrieben und ununterbrochen über sie gesprochen haben. Die Sekretärin nach dem Urteil: “Es geht nicht um das Geld. Es ist ein moralischer Sieg. Indem man mich wegen meiner Trauer kritisierte, hat  der Kingstonian Football Club mich und den Namen der Prinzessin Diana beleidigt.

In einer Sonntagsschule einer christlichen Sekte dagegen wurden Kinder verschreckt, indem ihnen erzählt wurde, Diana sei nun in der Hölle, da sie ein sündhaftes Leben geführt habe. Die empörten Eltern nahmen ihre Kinder daraufhin von der Sonntagsschule. Father Michael Roche von der katholischen St. Mary’s Church zu diesem Thema: “Einige sagen, Diana habe gesündigt. Aber wer sind wir, dass wir der göttlichen Gnade zuvorkommen? Wir hoffen, dass sie im Himmel ist.”

Diana-Kitsch

Die Vermarktung Dianas wurde von ihrem früheren Mann, Prinz Charles, und ihren beiden Söhnen wie auch vom britischen Premierminister Tony Blair kritisiert. Dennoch überschwemmen vom Diana-Trust autorisierte wie nicht-autorisierte Kitschartikel die Souvenirläden. Kürzlich brachte ein Stofftierhersteller einen “Diana-Bären” heraus. Die US-Firma Franklin Mint bietet eine Diana-Puppe an, die mit einer Anti-Minen-Ausrüstung versehen ist – eine Anspielung auf Dianas Einsatz für Minenopfer. Der alte Ford Escort, den sie von Prinz Charles geschenkt bekam, ihre schönsten Kleider und das Manuskript zu “Candle in the wind” von Elton John wurden bei Auktionen für riesige Summen versteigert.

Die 79 Kleider, die Diana 1997 zu wohltätigen Zwecken versteigern ließ, haben inzwischen enorm an Wert gewonnen. Ein pinkfarbiges Kleid, das 1997 von einer Australischen Zeitung für 44 000 $ ersteigert und kurz darauf in einem Museum mit dem Slogan “A dress to Di for” (Ein Kleid zum Sterben [schön]; to die = sterben) ausgestellt wurde, bevor es nach dem Tod der Prinzessin eilig aus dem Verkehr gezogen wurde, kommt nun bei einer Auktion in New York erneut unter den Hammer. Die Kleider sind die exklusivsten Objekte des Diana-Souvenir-Handels, der auf £ 250 Millionen im Jahr geschätzt wird. Einfache Autogramme sind £ 750 wert, ein von Diana signiertes Foto wurde für £ 10 400 verkauft.

Ein deutscher Unternehmer, André Engelhardt, will den Namen “Lady Di” kommerziell verwerten. “Lady Di” hatte sich Engelhardt als Markennamen einen Tag nach ihrem Tod eintragen lassen. Nun will er ein “Lady-Di-Parfüm” und -Unterwäsche herausbringen. Die offizielle Diana-Stiftung will dagegen gerichtlich vorgehen.

Mittlerweile tauchte auch ein Diana-Computervirus auf. Das relativ harmlose Virus – es zerstört keine Daten – bewirkt, dass auf dem Bildschirm die ersten zwei Strophen von “Candle in the wind” erscheinen.

Das Kaufhaus Harrods in London, in Besitz von Dodi Al Fayeds Vater, eröffnete zum Jahrestag des Todes von Diana und Dodi im Untergeschoss ein Denkmal aus Granit und Bronze für die beiden. Normalerweise wird die Front von Harrods bei Nacht von 11 000 Glühbirnen erleuchtet. Am Jahrestag des Todes blieb das Kaufhaus dunkel. Das einzige Licht kam von einem Schaufenster, das zum Gedächtnis an das Paar geschmückt war.

Diana im Fernsehen

Im April lief “Diana – The people’s princess” im britischen Fernsehen, die ARD zeigte den Film unter dem Titel “Diana – Königin der Herzen” im Juli 1998. Die bisher unbekannte Schauspielerin Amy Seccombe übernahm die Titelrolle des Films über das letzte Lebensjahr der Princess of Wales. Zumindest optisch reichte sie an das Original heran.

In Dokumentationen über die Hintergründe ihres tragischen Unfalls wurden Komplott-Theorien aufgestellt und verworfen.

Zum Jahrestag ihres Todes liefen auf allen Kanälen Dokumentationen.

Diana-Touren

In London werden mehrere “Diana-Touren” angeboten. Die billigste “Diana’s London” kostet knapp 20 Pfund (ca. 60 DM), die teuerste knapp 60 Pfund (ca. 180 DM). Viel mehr als einen Blick auf den Kensington Palast, den Buckingham Palast und das Kaufhaus “Harrods” hat keine von ihnen zu bieten. Für nur 4,50 Pfund kann man sich zu Fuß und per Ü-Bahn auf Dianas Spuren durch London führen lassen, “wo sie dinierte und einkaufte, wo sie lachte und liebte, wo sie ihr Herz ausschüttete und weinte und wo sie ihren eigenen Weg ging”, heißt es Prospekt. 

Empörung löste kürzlich die von einem Pariser Hotel angebotene “Diana-Tour” aus. Sie führt vom Hotel Ritz bis zum Alma-Tunnel und zum Krankenhaus, in dem die 36-jährige Prinzessin ihren Verletzungen erlag. Diese Tour ist für Hotelgäste kostenlos, die übrigen Interessenten müssen 45 Mark bezahlen. Die Einnahmen werden an die Diana-Stiftung überwiesen.

Die Statue vor dem Alma-Tunnel, eine Nachbildung der Fackel, die die Freiheitsstatue hält, gehört mittlerweile zum Touristen-Programm. Zahlreiche Diana-Bewunderer haben darauf eine Widmung als Graffiti hinterlassen. 

Reformen angemahnt

Die Times mahnte, dass Reformen der Monarchie, wie sie unmittelbar nach dem Tod der Prinzessin versprochen wurden, über die Komplott-Theorien und dem Kult um Diana, in Vergessenheit geraten könnten. Immerhin: eines hat sich geändert: die Fahne weht jetzt auch auf dem Dach von Buckingham Palace, wenn die Queen nicht da ist. Heftig war nach Dianas Tod bemängelt worden, dass jene Fahne nicht auf Halbmast wehte. Begründung damals: die Queen hält sich nicht im Palast auf.

Eine Kommission der Labour-Partei erarbeitete 1998 Pläne zur Reformation der Monarchie. Danach würde die Queen und ihre Familie nur noch eine symbolische Rolle spielen, Gesetze, zum Beispiel, würden dann nicht mehr der formalen Zustimmung des Monarchen bedürfen. Da Premierminister Blair aber ein überzeugter Anhänger der Monarchie ist, wurde bislang nichts von diesen Vorschlägen verwirklicht. 

Immerhin bemühen sich die Royals um mehr Volksnähe: sie besuchte beispielsweise eine McDonald’s Filiale und einen Pub. Umfragen zufolge ist die Beliebtheit der königlichen Familie seit 1998 gestiegen. August 1998 waren 73% der befragten Briten mit der Arbeit der Queen zufrieden. Noch stärker ist die Zustimmung zum Thronfolger gewachsen: waren zu Dianas Lebzeiten 42% mit Charles zufrieden, waren es 63 Prozent im August 1998. Ein Drittel der Befragten meinte aber auch, dass in den Medien viel zuviel über die Royals berichtet würde, 29% sagten zuviel. 63% sagten sogar, die Berichterstattung über Diana sei viel zu viel (20 %: zuviel).

Ein Jahr danach

In stiller Trauer haben die Angehörigen von Diana und Tausende ihrer Anhänger den ersten Jahrestag des Todes der Prinzessin vor einem Jahr begangen. Lord Spencer und seine Familie feierten einen 40-minütigen Gedenkgottesdienst am Seeufer vor der Insel, auf der Diana begraben ist. Prince William, Prince Harry und ihr Vater Charles gedachten ihrer Mutter in Crathie Church auf Schloss Balmoral. Nahezu die gesamte Königsfamilie sowie Premierminister Blair und Frau waren bei dem 20-minütigen Gottesdienst dabei, den der schottische Hauskaplan der Königin abhielt.

Vor dem Kensington-Palast, der Londoner Residenz Dianas, häuften sich wieder die Blumen, die Massenaufläufe wiederholten sich diesmal jedoch nicht. Es gab nur eine hässliche Szene: als der Historiker Dr. David Starkey CBS ein Interview gab, in dem er seine bekannte Anti-Diana-Haltung äußerte, wurde er von Diana-Anhängern ausgebuht. Eine Polizei-Eskorte begleitete ihn aus dem Kensington-Park.

Im ganzen Land wehte die britische Flagge über Regierungsgebäuden und königlichen Residenzen auf Halbmast. Der Buckingham Palace blieb auch an diesem Tag für Besucher geöffnet. In der Woche nach Dianas Tod setzte blieb der Palast eine Woche lang geschlossen. Am Unglücksort in Paris sowie vor dem Kensington-Palast hielten Diana-Anhänger eine Nachtwache. Im Laufe des Tages kamen Tausende zum Eingangstor des Londoner Palastes, legten Blumen ab und hinterließen Fotos, Papierherzen und Trauerbotschaften in vielen Sprachen am Zaun. Viele Briten dagegen gedachten am 31. August weniger des Todes der Prinzessin als an die Volksbetroffenheit, die er auslöste, die Blumenmeere, die kilometerlangen Schlangen der Kondulanten. Nach einer Umfrage glauben nur wenige Briten, dass der tragische Unfalltod von Diana dauerhafte Auswirkungen auf Land und Leute zu Folge hat. Nur 17% meinten, das Unglück habe ihr Leben verändert. Geteilter Meinung sind die Briten über bleibende Konsequenzen in der Königsfamilie: 44 Prozent meinen laut “Independent” die Monarchie habe einen besseren Draht zur Bevölkerung entwickelt. Und nur jeder fünfte glaubt, dass die Presse heute mehr Respekt für die Privatsphäre Prominenter beweist.

Ein Diana-Gedächtnis-Marsch entlang Teilen der Strecke ihres Beerdigungs-Zuges floppte. Statt der erwarteten 15 000 kamen nur 300. Schlechtes Wetter und schlechte Organisation wurden für den Misserfolg verantwortlich gemacht. Der Marsch soll auch 1999 stattfinden.

Zwei Jahre danach

1999 wird die Königsfamilie nicht mehr offiziell des Todes von Diana am 31. August gedenken. Das habe die Königin entschieden berichteten britische Medien. Dianas Bruder, Earl Spencer, sei “bestürzt” darüber, hieß es. Er wolle Prince William und Prince Harry sowie Prince Charles am Todestag nach Althorp einladen. Palast-Insider meinen, dass die königliche Familie nicht absichtlich den Jahrestag ignorierten, sondern vielmehr meine, dass es Zeit sei, mit den öffentlichen Trauerbezeugungen Schluss zu machen. Man nimmt an, dass die Entscheidung der Königin, auf einen Gedenkgottesdienst zu verzichten sich mit den Wüschen von Prince William und Harry in Einklang befindet. Letztes Jahr riefen beide zu einem Ende der öffentlichen Trauer auf. In einer offiziellen Stellungnahme schrieben sie, sie seien “enorm von dem öffentlichen Mitgefühl und der öffentlichen Unterstützung getröstet worden”, aber sie hofften “das ihre Mutter und ihr Andenken nun in Frieden ruhen möge.” Unter den Briten macht sich eine allgemeine Diana-Müdigkeit bemerkbar. “Vergessen” titelte so der “Mirror” neben einem Bild von Diana. Die Kampagne der Zeitung zur Errichtung eines Diana-Denkmals war kaum auf Interesse gestoßen.