The People’s Princess – ein Volk trauert um Diana

Dianas Tod hat in ganz Großbritannien eine bisher nie dagewesene Trauer vor allem auch in der jüngeren Generation ausgelöst. Sämtliche Fernsehsender änderten ihr Programm, die Zeitungen brachten seitenlange Sonderberichterstattungen, auch die wenigen Blätter, die sonst so gut wie nie über das Königshaus berichten.

Blumenschmuck

Vor den Königspalästen, vor Kirchen an der Unglücksstelle in Paris, vor den britischen Botschaften weltweit, wurden Millionen von Blumen abgelegt. Blumenhandlungen in London konnten der Nachfrage nicht mehr nachkommen. Sie mussten zusätzliches Personal anheuern und Blumen aus dem Ausland importieren. Die Nachfrage war fünfmal so groß wie an Muttertag, der Spitzenzeit für Blumenhändler. Dabei schauten die Briten nicht aufs Geld. Kränze und Gebinde für 100 £ (300 DM) waren keine Seltenheit. Leute, die Diana nur aus den Medien kannten, hinterließen persönliche Botschaften. Ein italienischer Tourist namens Fabio Piras, der vor dem St. James’s Palast einen Teddybären stehlen wollte, war zunächst zu sieben Tagen Gefängnis verurteilt worden, dann wurde das Urteil in eine Geldstrafe von £ 100 umgewandelt. Als der Italiener das Gerichtsgebäude verließ, wurde er von einem erzürnten Briten geboxt. Und daheim wartet noch Mama Piras, die schon über die Presse verkündete, sie habe mit ihrem Sohn wegen des Vorfalls ein Hühnchen zu rupfen.

Prinz William und Prince Harry verbrachten eine Woche nach der Trauerfeier mehrere Stunden in St. James’s Palace, um Kondolenzschreiben, Gedichte und Geschenke zu Erinnerung an Diana zu begutachten. Sie versprachen, dass alle über 300000 Briefe beantwortet würden. Unterdessen begannen Freiwillige damit, die Blumenspenden von den Straßen und vor den Palästen wegzuräumen. Noch verwertbare Blumen wurden an Altenheime, Krankenhäuser und Kinderheime weitergegeben, der Rest kompostiert.

“Ihre wahre Geschichte – in ihren eigenen Worten”: Bücher über Diana

Angespornt von dem Verkaufserfolg beginnt nun die Industrie massenweise Andenken an Diana herzustellen. In Buchhandlungen waren Bücher über Diana teilweise ausverkauft. Selbst Bücher, die bei ihrem erstmaligen Erscheinen kaum Käufer gefunden hatten, fanden nun reißenden Absatz. Eine überarbeitete und erweiterte Ausgabe von Andrew Mortons “Diana – the true story” erschien Anfang Oktober. Der Autor enthüllte vor dem Erscheinen der Neuauflage, dass Diana selbst entscheidend an dem Buch mitgearbeitet hatte. Sie gab Morton 1991 sechs private, lange Interviews. Die Fragen wurden ihr von Morton schriftlich vorgelegt, Diana sprach die Antworten auf ein Tonband, das über einen Mittelsmann Morton überbracht wurde. Außerdem las sie das Manuskript, korrigierte es in ihrer eigenen Handschrift, steuerte Bilder aus dem Familienalbum bei und wählte das Coverfoto für das Buch aus. So kann man es im Buch nachlesen, neben 18000 von der Prinzessin selbst verfassten Wörtern, daher auch der neue Titel “Diana – her true story in her own words,” Als das Buch 1992 zum ersten Mal erschien, hatte Diana dementiert, selbst am Buch mitgearbeitet zu haben. Morton selbst hatte angegeben, seine Informationen von engen Freunden der Prinzessin erhalten zu haben. Diese Freunde wurden damals als indiskret kritisiert, obwohl sie von Diana ausdrücklich aufgefordert worden waren, mit Morton zu kooperieren. Nur konnte oder wollte die Prinzessin damals ihre Mitarbeit nicht zugeben und bestritt auch vor der Queen, mitgewirkt zu haben. Earl Spencer zeigte sich verärgert über die Neuauflage. Auch in der Öffentlichkeit wurde Morton heftig kritisiert. Teresa Gorman, konservatives Parlamentsmitglied meinte: “Dies ist ein zynischer und ein schandbarer Versuch, ihr Andenken über das Grab hinaus zu vermarkten und den Verkauf des Buches wieder anzukurbeln. So etwas in dieser Zeit erscheint mir als genau das, was uns die Presse versprochen hat, nicht wieder zu tun.” Und ihre Kollegin Ann Winterton sagte: “Nach dem traurigen Tod der Prinzessin erscheint es mir als mangelnde Integrität und Ehre, Informationen zu enthüllen, die wenn sie gewollt hätte, dass sie bekannt werden sollen, selbst bekannt gegeben hätte. Buckingham Palace schrieb in einer kurzen Stellungnahme: “Das Buch bringt nichts Neues, aber der Zeitpunkt seiner Wiederveröffentlichung ist besonders traurig. Wir beabsichtigen nicht, zu seiner Publizität beizutragen, indem wir es weiter kommentieren.” Morton und sein Verleger wollen “eine beträchtliche Summe” aus dem Verkaufserlös der Kampagne gegen Landminen stiften. Die Neuauflage des Morton-Buches liegt bereits auf Platz der britischen Bestenliste. Hollywood-Produzent Martin Poll kündigte unterdessen an, dass Mortons Buch neu verfilmt werden soll. Bereits 1993 hatte Poll aus dem Buch eine vierstündigen Miniserie gemacht. Wenigstens sollen diesmal britische Schauspieler verpflichtet werden. Und nach einer passenden Besetzung für Diana soll im ganzen Königreich gefahndet werden. Der deutsche Produzent Christian Seidel ist auch an dem Projekt beteiligt.

In einer gemeinsamen Erklärung dementierten im Oktober 1998 Prinz Charles und Camilla Parker Bowles hinter einem neuen Skandalbuch über Diana zu stecken. Darin wurde Diana vorgeworfen, noch vor Charles Ehebruch begangen und Morddrohungen gegen Camilla ausgestoßen zu haben.

Kondolenzbücher

Weltweit trugen sich Menschen in die Kondolenzbücher ein. Stundenlang standen Briten in London an, um sich in den 43 Kondolenzbücher der Hauptstadt einzutragen. Pro Stunde schrieben 300 Personen eine Botschaft in die Bücher im St. James’s Palace. Die Aufstockung der Anzahl der Bücher konnte dem Ansturm allenfalls milden. Deshalb liegen auch nach Dianas Begräbnis weiterhin Kondolenzbücher in London aus.

Über 100 000 Internetsurfer haben über die Web-Site der Königin eine Kondolenzbotschaft verfasst. Über 4 Million Besucher zählte die Seite seit Sonntag. Sofort wurde ein ausführlicher Nachruf auf die verstorbene Prinzessin auf der Web-Site abgelegt. Drei bis vier Zugriffe pro Sekunde wurden gezählt, lange Antwortzeiten waren die Folge.

Der englische Einzelhandel bekam im September starke Verkaufseinbußen zu spüren. In der Woche nach Dianas Tod wurden £ 250 Millionen weniger eingenommen, auch weil die Geschäfte zumindest für einige Stunden am Tag ihrer Beerdigung geschlossen waren.

Nicht genügend Trauer im Königshaus?

Die Königliche Familie, aber auch die Briten selbst, waren über das Ausmaß der Anteilnahme an dem Tod der Prinzessin überrascht. Einzig Premierminister Tony Blair schien wieder eine Gespür für die Lage im Land zu haben. Gleich in seiner ersten Stellungnahme nannte er Diana “The people’s prinzessin” – die Prinzessin des Volkes. Oppositionschef William Hague warf Blair unterdessen vor, den Tod der Prinzessin politisch auszuschlachten. Downing Street habe vertrauliches Material der Presse zugespielt, um den Premierminister in gutem, das Königshaus dagegen in ungünstigem Licht erscheinen zu lassen. Nicht nur die Labour Party reagierte empört auf die Anschuldigungen. Lord St John of Fawsley, ehemaliger konservativer Kabinettsminister und Vertrauter des Königshauses, meinte: “Tony Blair hat sich anlässlich des Todesfalls außergewöhnlich gut verhalten. Er sprach mit großer Würde und drückte die Gefühle des Volkes zu dieser Stunde aus.”

Candle in the wind: Elton John’s Trauerhymne

Elton Johns “Candle in the wind”, sein Tribut für die Prinzessin, gesungen auf ihrer Trauerfeier, bekam in Großbritannien am Tag seiner Veröffentlichung bereits Platin. 600 000 Exemplare gingen über den Ladentisch. 75 000 in der Woche sind normalerweise bei einem Top-One-Hit üblich. 9 Millionen Exemplare von “Candle in the wind” wurden vorbestellt, damit dürfte der Rekord von “Do they know it’s Christmas time” von Band Aid gebrochen sein. Von dieser Single wurde 3,51 Exemplare verkauft. Nach Wochen auf Platz 1 der britischen Charts wurde “Candle in the wind” von der neuen Single der Spice Girls “Spice up your life” abgelöst. Prognosen Elton Johns Lied könne bis Weihnachten auf Platz 1 der Charts liegen, bewahrheiteten sich damit nicht. Die CD kostet 3,99 £, davon gehen 2,50 £ an den Diana, Princess of Wales Fond. Das Finanzministerium verzichtete sogar auf die Mehrwertsteuer aus dem Verkauf. Auch in den USA brach die Single alle Rekorde. Wie in Großbritannien waren die Läden am ersten Tag binnen Stunden ausverkauft. Bisher wurden 8 Millionen Exemplare verkauft: 8 mal Platin. Viele kauften gleich mehre Exemplare, damit möglichst viel Geld an den Fond geht. “Candle in the wind” wurde unterdessen als meistverkaufteste Single aller Zeiten ins Guinness Buch der Rekorde aufgenommen. Mit weltweit verkauften 31,8 Millionen Exemplaren hat die Single Bing Crosbys “White Christmas” überholt. Allein in Großbritannien werden voraussichtlich £ 100 Millionen aus dem Verkaufserlös an die Diana, Princes of Wales-Stiftung gehen. Auch in Deutschland schoss “Candle in the wind” auf den ersten Platz der Hitparade. Der handgeschriebene Text von “Candle in the wind” wird mittlerweile im Diana-Museum von Earl Spencer ausgestellt. 

Unterdessen läuft die Merchandising-Maschine an. Weltweit werden Diana-Artikel verkauft (Bücher, T-Shirts, Tassen, Videos) und sogar Diana-Trips angeboten (nach London und Althorp, wo sie bestattet ist). Die BBC brachte eine CD von der Trauerfeier auf den Markt. Die Kirche wie auch die Familie Spencer waren nicht erfreut darüber. Die Feier sei nicht zum Kommerzialisieren geeignet. Der Profit der CD soll auch an die Diana-Stiftung gehen.

Auch ein Jahr nach ihrem tragischen Unfall beschäftigt Dianas Leben und Tod die Menschen. Teilweise entwickelt sich geradezu ein Diana-Kult. Lesen Sie bitte dazu auch Diana – Der Kult.