And then and then and then

Der erste Vortrag ist für mich in dieser Woche der erste im Torquay Museum. Es geht in der Veranstaltung „And then there wer how many“ um Christies vielleicht erfolgreichstes Werk „And then there were none“ und dessen Bühnenadaption. Julius Green, die treibende Kraft hinter der Agatha Christie Comapany, berichtet zuerst. Green kam mit dem Phänomen Agatha Christie kurz nach der Jahrtausendwende in Berührung, als seine Company den Betrieb des Palace Theatre in Westcliff-on-Sea übernommen hatte. Seine Company versuchte alles, brachte Gaststars nach Westcliffe, aber es wollte sich kein Erfolg einstellen. Dann kam ein Tourneetheater, führte „The unexpected guest“ auf und das Haus war eine Woche ausverkauft. Auf einer Autofahrt nach London mit seinem Geschäftspartner Lenagan überlegten die beiden, sechs Stücke Christies auf die Bühne zu bringen. Als sie kurz vor London waren, meinten sie „Oh, let’s do them all“. „And then there were none“, beziehungsweise „Ten little niggers“ wie das Stück damals noch hieß, war das erste Stück der Queen of Crime, das aufgeführt wurde, das sie selber für die Bühne bearbeitet hatte. Es war sofort ein Erfolg am West End und das Stück wurde auch am Broadway gezeigt. Green erinnert – unter Bezug auf die gestrige „hitzige Debatte“ und Fernsehadaptionen – dass Christie oft selbst die radikalsten Änderungen vornahm, indem sie Poirot aus dem Stück strich oder sogar den Mörder und das Motiv änderte (zum Beispiel in „Appointment with death“).
John Curran nimmt den Faden auf, berichtet über die unterschiedlichen Version für Buch, Bühne und Film und ihre unterschiedlichen Enden. Wobei Christie selber für die Bühnenversion das Ende veränderte.
Anschließend kommen Deborah Grant und Ben Nealon, Mitglieder der Official Agatha Christie Theatre Company, zu Wort. Sie stehen derzeit mit dem Stück in Torquay auf der Bühne. Ben lobt Christies Texte. Er habe öfter die Erfahrung gemacht, dass ihm der Text in den Heften von Samuel Ffrench komisch vorkam und er dann sich den Originaltext besorgte und er dann feststellte, dass eine Zeile fehlte und der Text, so wie ihn Christie ursprünglich geschrieben hatte, absolut Sinn ergibt. Zum Schluss gibt es noch eine Art „Werbeblock“: Eine Mitarbeiterin von Samuel French USA stellt „And then there were none“ als enhanced E-Playscript vor. Ein Skript mit erweiterten Funktionen, wie zum Beispiel Videos mit Übungen für den richtigen englischen Devon-Akzent oder Soldatenfiguren zum Ausdrucken für einen 3D-Drucker. Leider ist das E-Book nur für das iPad in Amerika erhältlich. Besser wäre Samuel French beraten gewesen, das E-Book webbasiert zu entwickeln. Mit html5 wären auch „enhanced features“ im Brwoser sichtbar. Im Sinne der Langzeitarchivierung ist eine E-Book App auch nicht gerade: in ein paar Jahren wird es schon schwierig werden, Abspielgeräte für die App zu finden.

Am Nachmittag höre ich mir David Brawns Vortrag an. David Brawn ist bei Harper Collins zuständig für die Veröffentlichung der Werke von Agatha Christie. Zu Anfang erzählt er etwas über die Geschichte von Harper Collins. Harper Collins ist Teil der News Corporation von Rupert Murdoch und gehört neben Hachette, Holtzbrinck/Macmillan, Penguin Random House und Simon & Schuster zu den fünf größten Verlagen der Welt. Harper Collins entstand 1990 durch den Zusammenschluss von Harper & Row und William Collins unter dem Dach der News Corp. Collins wurde 1819 in Glasgow gegründet und vertrieb zunächst überwiegend religiöse und pädagogische Schriften. Belletristik kam erst 1917 dazu. Ab 1926 erschienen auch Agatha Christies Werke bei Collins, nachdem die ersten sechs Bücher bei The Bodley Head erschienen waren. Ob Collins Christies Erstlingswerk „The mysterious affair at Styles“ zunächst abgelehnt hatte, lässt sich nicht heute nicht sagen, ist aber unwahrscheinlich, da Collins damals noch nicht als Verlag für Detektivromane bekannt war und erst später damit begann, Kriminalromane zu veröffentlichen. David Brawn erzählt anschaulich und unterhaltsam von der Zusammenarbeit zwischen Collins und Christie bis zu ihrem Tod. Eine kleine Krise zwischen Agatha Christie und William Collins, mit dem sie ein Leben lang befreundet war, ergab sich ziemlich zu Anfang der Zusammenarbeit, als Collins einen Editor in seinem Haus damit beauftragte, anlässlich der Filmveröffentlichung von „The Passing of Mr Quinn“ die Kurzgeschichte von Christie zu einem Roman umzuschreiben. Wie der Film hatte auch der Roman nicht viel mit der Kurzgeschichte zu tun. Christies literarischer Agent Edmund Cork protestierte heftig und kurz vor dem Druck wurde aus Mr. Quinn „Mr. Quinny“, um ihn vom Original zu unterscheiden. David Brawn erwähnt auch die Entstehung von „The Big Four“. Öfter ist ja zu lesen, dass Christie den Roman aus mehreren Kurzgeschichten, die in der Zeitschrift Sketch erschienen waren, zusammengestellt hatte. Das ist aber nicht ganz richtig. „The Big Four“ erschien in „The Sketch“ als Fortsetzungsroman unter dem Titel „The man, who was Number Four“. Christie schrieb dann den Text um zu „The Big Four“. Harper Collins wird demnächst den Roman so veröffentlichen, wie er zunächst in „The Sketch“ erschienen war.

Am Abend sehe ich mir eine Aufführung der Agatha Christie Theatre Company von „And then there were none“ im Princess Theatre an. Das Theater ist leider nur zur Hälfte besetzt. Das Stück ist gut inszeniert, kein Vergleich zu der Aufführung in New York.

Die Fotos vom Tag in meinem Fotoalbum

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