Die Zwei in Amerika 6. Tag: Mittwoch, 25.9.1996: New Orleans – Salt Lake City

Etwas später als gestern aufgestanden (6.00 Uhr). Frühstück fiel wieder aus, es gab nur Kaffee. Stattdessen sofort zum Flughafen. Nach einer kurzen Stärkung im Flughafenrestaurant eine böse Überraschung. Unser Flugzeug hat zweieinhalb Stunden Verspätung, weil drei Filter ausgetauscht werden mussten. Es gab kein Lunch als Entschädigung, sondern nur den üblichen Kaffee und einen Keks. Kurz vor ein Uhr Ortszeit erreichten wir Salt Lake City. Wir fuhren direkt in das Hotel. Nachdem wir uns etwas frisch gemacht hatten, stärkten wir uns im guten und preiswerten Hotelrestaurant. Dann ging es um 16 Uhr weiter mit der Stadtrundfahrt. Wir besichtigten das Capitol des Staates Utah, ebenfalls mit Kuppel wie das Washingtoner Pendant. Dann ging es zum „Tempel“. Dort nehmen wir an einer Führung der Mormonin „Schwester“ Hahn teil. Sie führte uns durch die Assembly Hall, das „Tabernakel“ und einen Kuppelsaal mit Jesus vor dem Sternenhimmel, wo Jesu Botschaft von kitschiger Musik untermalt abgespielt wurde. Nach dem Überreichen von Werbematerialien wurden wir wieder entlassen. Ich versuchte im Einkaufszentrum mein Glück mit der Videokamera. Da es inzwischen 17.45 Uhr geworden war, war das Geschäft zwar noch geöffnet, aber nicht die Reparaturwerkstatt. So blieb die Kamera weiterhin defekt. Ich sah mir noch die Geschäfte des Einkaufszentrums an und die Genealogische Bibliothek der Mormonen. Offenbar sind doch recht viele Kirschen nach Amerika emigriert. Gegen acht zurück ins Hotel und eine Kleinigkeit im Restaurant gegessen.

Die Zwei in Amerika 2. Tag: Samstag, 21.09.1996: New York

Da das Frühstück nie in der Übernachtung eingeschlossen ist, mussten wir außerhalb frühstücken (im Hotel zu teuer). Im von den Reiseleitern empfohlenen Del Monico gab es eklige, pappige Kartoffeln mit Gurken, die wie Popel aussahen, Toast und Bacon. Dazu wässrigen Kaffee. Den Einheimischen schien es aber zu schmecken. Um 8.45 Uhr brachen wir mit dem Bus zu einer Stadtrundfahrt auf. Weil die Steuben-Parade stattfand, kamen wir mit dem Bus teilweise nicht durch. Am Lincoln Center stiegen wir aus, um die Met etc. zu besichtigen. Nach der Besichtigung kam der Bus nicht an die Stelle, wo wir auf ihn warteten. Dadurch verloren wir fast 45 Minuten. Unsere Reiseleiterin Gill hätte den jungen Busfahrer („Er ist neu, ein ganz lieber Kerl“) nach eigener Aussage umbringen können. Gegen 12.30 Uhr beendeten wir die Fahrt. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Der „liebe Kerl“ brachte uns und andere noch zum Hafen, wo wir ein Schiff der Circle Line bestiegen und drei Stunden ganz um Manhattan fuhren. Die letzte Stunde wurde recht lang. Nach einer kurzen Pause im Hotel ging ich zum Empire State Building. Da es zahlreiche Schlangen gab (am Ticket-Schalter, am ersten Aufzug, am Aufzug auf der 80. Etage) fiel es nicht gleich auf, wie lange es dauerte, bis man endlich oben war. Die Aussicht auf die Lichter der Stadt war natürlich toll, wenngleich man meist nicht in der ersten Reihe stand, weil es doch sehr voll war. Nach einem Abendimbiss bei McDonald’s ging es zurück ins Grand Hyatt.

Die Fotos zu dieser Etappe finden Sie in meiner Gallery.

Die Zwei in Amerika: Vorwort

„Aus der Not eine Tugend machen“ ist das Motto dieses Berichtes. Denn aus dem Vorhaben wie gewohnt ein Video zu drehen wurde dieses Mal nichts. Ab dem dritten Tag der Amerikafahrt streikte meine Videokamera.

Doch auf Erinnerungen an die Fahrt wollte ich natürlich nicht verzichten. Also schrieb ich meine Eindrücke von der Fahrt wie früher in einer Art Tagebuch auf. Auf diese Weise ist – denke ich – ein viel persönlicherer Eindruck von der großen Reise entstanden als bei den bisherigen Reisevideos. Sprachlich kann man doch mehr erzählen und beschreiben als das mit Bildern möglich ist. Illustriert habe ich meine Tagebucheintragungen mit Fotos von mir und meinem Bruder Rüdiger.

Wenn mir die Fahrt nicht nur wegen des Ausfalls meiner Kamera in lebhafter Erinnerung ist, so ist dies vor allem ein Verdienst unserer engagierten Reiseleiterin Gill. Nicht nur die Organisation hatte sie voll im Griff („Es gibt viele Indianer, aber nur einen Häuptling – und der bin ich) auch ihre eindrucksvollen Schilderungen vom Land Amerika und dem Leben dort werden mir in Erinnerung bleiben. Statt irgendwelche Statistiken und Zahlen vorzutragen machte sie das ganze konkret an ihrem eigenen Leben fest.

„Meine Damen und Herren, ich möchte mich heute mit Ihnen unterhalten“, begann sie. Geboren war sie in Ostende. Schon in der Schule habe sie schon alle immer unterhalten wollen. Nach dem Scheitern ihrer Ehe („Ich wollte mir von meinen Eltern nichts sagen lassen, aber sie hatten leider Recht“) war sie zunächst Reiseleiterin für Amerikaner in Europa. Dann wagte sie mit ihrem Sohn den Sprung über den Großen Teich („Ich war schon als Kind von Cowboys fasziniert“). Auch ihr Sohn, um den sie sich wegen ihrer Arbeit als Reiseleiterin wenig kümmern konnte, wollte sich von seiner Mutter nichts sagen lassen und verließ die Schule vorzeitig. Aber er musste feststellen, dass man auch in Amerika ohne Ausbildung nichts wird. So ging er zurück zur Schule und wurde – Feuerwehrmann. Als Staatsbediensteter verdient man in den USA nicht viel, aber man ist wenigstens gut versichert. Mit solchen Erzählungen schilderte Gill eindrucksvoll das Leben im Land der „unbegrenzten“ Möglichkeiten.

Daneben organisierte sie unsere Reise perfekt: ständig hatte sie Briefmarken für uns dabei, die wir kaufen konnte. Sie wusste im voraus vor jeder Station, was das Büfett und die Getränke kosten würden. Auf den Flughäfen riss sie manchmal das Mikrofon an sich, um für uns die Durchsagen zu übersetzen …

Ich könne noch viel erzählen, unterlasse das aber, sonst wird aus dem kleinen Bericht noch ein Roman. Hier ist es also: mein überarbeitetes Reisetagebuch.