Golden Jubilee Week: 31.05.2002 (Freitag): Anreise


Meine Anreise zum Golden Jubilee Weekend in London verläuft diesmal ohne
Zwischenfälle.

Ich plane großzügig Zeit für eventuelle Probleme ein und fahre mit dem Bus
schon kurz nach sechs Uhr morgens zum Hauptbahnhof Münster. Da der Zug in
Münster eingesetzt wird, steht er schon erfreulicherweise auf dem Gleis und so
kann ich für mich und mein Gepäck einen günstigen Platz aussuchen. Um 6.30
Uhr fahren wir am.

Pünktlich um kurz vor 8 Uhr halten wir in Düsseldorf Flughafen (auch
diesmal hält der Zug wirklich im Flughafen an, nicht wie auf meiner fast schon
legendären Romfahrt, wo er einfach bis Hauptbahnhof durchfuhr). Rasch ist das
Gepäck eingecheckt und nach einer Tasse Kaffee und einem mitgebrachten Brot
geht es zur Sicherheitskontrolle: Jacke ausziehen, Taschen ablegen, Schlüssel,
Brieftasche, Gürtel etc. ablegen und durch die Schleuse. Ich begebe mich zum
Schalter B 38. Dort noch mal ein Sicherheitscheck: also  wieder Taschen
ablegen, Gürtel ablegen …

Nicht ganz pünktlich können wir an Bord gehen, da die Maschine aus London
verspätet eintraf. So verschiebt sich auch die Landung um 20 Minuten. Ansonsten
verläuft der Flug mit der Deutschen BA (wie sie noch heißt) problemlos. Zum
Lunch gibt es ein trockenes Baguette mit Salat und Schinken. Ist halt alles
knallhart kalkuliert. Nach der Landung eine weitere Verzögerung: der Bus, der
uns zur Flughalle bringen soll, lässt auf sich warten. Man entschuldigt sich
vielfach dafür. Dafür ist das Gepäck gleich da, als wir das Rollband
erreichen.

Stolze 21 £ kostet die Hin- und Rückfahrt mit dem Gatwick Express nach
Victoria Station. Im Zug verfolgt ein Mitreisender an einem Radio das Eröffnungsspiel
der Fußball-WM. Eine gute halbe Stunde später treffe ich in Victoria Station
ein. Ich löse ein Tagesticket und fahre nach Aldate East, zu meinem Quartier,
dem Wynfrid House.

Diesmal wohne ich im dritten Stock. Aber für den Koffer gibt es einen
Aufzug. Nach dem Auspacken fahre ich zur Charing Cross Road und sehe mir einige
Buchhandlungen an. Das Golden Jubilee macht sich auch hier bemerkbar: zahlreiche
Bücher über die Queen, einige in memoriam für  die Queen Mum und nur
wenige über Prinzessin Margaret werden feilgeboten. Auch viele
Fensterdekorationen anderer Geschäfte widmen sich dem Golden Jubilee. Fahnen,
Mützen und andere Gegenstände mit dem Union Jack, werden angeboten. Auch die
Fußballweltmeisterschaft macht sich bemerkbar: das Nationaltrikot der
englischen Mannschaft ist überall zu haben.

Nach einem Imbiss im Covent Garden geht es zurück in Wynfrid House.

Der verlorene Prinz im Fernsehen

Das Leben eines nahezu unbekannten Onkels der Queen wird verfilmt. Das Drama um John, den jüngsten Sohn von König Georg V. und Königin Mary wird von der BBC mit einem Aufwand von 5,5 Millionen Pfund produziert. Der Junge, der unter epileptischen Anfällen und das, was man heute als Autismus bezeichnen würde, litt, lebte abgeschottet von seinen Brüdern und Schwestern in einem entfernten Winkel auf dem Landgut Sandringham. Seine einzige Gefährtin war das Kindermädchen Lalla Bill.Sie war es, die Queen Mary in Januar 1919 anrief und mitteilte, dass der 13-jährige John nach einem epileptischen Anfall nicht wieder aufgewacht war. Seine Eltern fuhren zu ihm. Später notierte die Königin in ihrem Tagebuch „Wir fanden Mary sehr gefasst, aber ihr Herz war gebrochen. Der kleinen Johnnie sah sehr friedlich dort liegend aus.“ John wurde drei Tage später auf dem Friedhof der Kirche in Sandringham beerdigt.

Das Drama, dass in zwei 90-minütigen Teilen gezeigt und noch einmal für das Kino herausgekommen wird, ist mit Stars besetzt: Mirinda Richrdson (bekannt aus Blackadder) spielt Königin Mary, Gina McKee („The Forsyte Saga“)“ das Kindermädchen. Mehr als 600 Jungen kamen zum Vorsprechen, die Wahl fiel auf Matthew Thomas, der eine kleine Rolle in „Billy Elliot“ hatte, für die Rolle des Kleinen John.

Der Film wird ein Schlaglicht werfen, wie die Royals mit behinderten Verwandten umgingen. In den achtziger Jahren wurde bekannt, dass zwei geistig behinderte Cousinen der Queen in einer Privatklinik versteckt wurden. Der Autor des Dramas Stephen Poliakoff hatte Zugang zu den königlichen Archiven in Windsor und schildert die Zeit aus den Augen eines Kindes. „Es ist Geschichte gesehen durch die halb offene Tür am Vorabend des Ersten Weltkrieges.“

Der Produzent meint: „Es ist eine anrührende Geschichte, die mit großer Sensibilität erzählt wird. Etwas wie „Der letzte Kaiser“, nur etwas kleiner.“

Clarence House demnächst für Besucher geöffnet

Das neue Heim von Prinz Charles wird für die Öffentlichkeit geöffnet. Damit sollen die Steuerzahler darüber hinweg getröstet werden, dass sie für die Restaurierung von Clarence House zahlen werden. Clarence House in London, Heim der verstorbenen Queen Mum, wird nach dem Einzug des Prinz of Wales zu besichtigen sein. Der Steuerzahler wird für ein umfängliches Modernisierungsprogramm aufkommen müssen. Das Haus war seit 1953, als die Queen Mother einzog, unverändert geblieben. Das vierstöckige Haus in der Mall wurde 1820 von John Nash für den Duke of Clarence, später William IV, gebaut. Traditionell ist es das Heim des Thronerben. Das Haus bewohnten auch die Königin und der Herzog von Edinburgh bis die Königin den Thron bestieg. Auch Prinzessin Margaret lebte hier bis zu ihrer Hochzeit 1960. Einige Millionen Pfund sind in den letzten Jahrzehnten für den Unterhalt des Hauses verbraucht worden, nun ist aber eine umfangreiche Modernisierung und neue Verkabelung erforderlich. Da viele der Kosten durch Feuersicherunganlagen und Sicherheitsschutz entstehen, muss die Regierung den Hauptteil der Gelder aufbringen.

Die geführten Touren werden auf dass Erdgeschoss beschränkt bleiben sowie auf den großen Garten, wo die Queen Mum gerne Ihre Gäste zum Lunch bewirtete, und das auch nur in den Sommermonaten August und September.

Andrew, Herzog von York, dagegen wird die Kosten für die Umbauten im Royal Lodge, Windsor, aus eigener Tasche bezahlen müssen. Dafür wird das Gebäude, in dem die Könige Mutter starb, nicht für die Öffentlichkeit geöffnet werden. Hier lebte die Königinmutter von 1931, als König Georg V. es ihr und ihrem Ehemann überließ. Ein Mitarbeiter des Hofes sagte: „Es ist ein Haus, wo die Zeit stehen geblieben ist.“ Andrew wird dafür seinen Wohnsitz in Sunninghill Park, Yorkshire, dass ein Hochzeitgeschenk seiner Mutter war, verkaufen.