Mit dem Flugzeug in den Norden oder die Suche nach dem Vikar

Norman und John R. sind schon vor Tag und Tau wieder nach London zurückgeflogen, während Mike und ich gemütlich frühstücken können und mittags vom Regionalflughafen in der Innenstadt von Reykjavik nach Akureyri in den Norden der Insel fliegen. Da in Reykjavik zum „Abschluss des Sommers“ ein Marathon stattfindet, sind alle Straßen für den Autoverkehr rund um unser Hotel gesperrt. So rollen wir unsere Koffer zur Hallgrímskirkja und fahren von dort mit dem Taxi zum nahe gelegenen Flughafen. Der Flug nach Akureyri dauert dann 45 Minuten. Nun ist Mikes Kunst, einen „special deal“ auszuhandeln, gefragt: am heutigen Samstag fährt nämlich kein Bus zu unserem Ziel Siglufjörður. Nicht nur gelingt es uns, ein Großraumtaxi zu chartern, Mike kann auch den Preis von 28.500 Kronen auf 25.000 Kronen drücken. Die Taxifahrt dauert ungefähr 75 Minuten. Kurz vor Siglufjörður hält der Taxifahrer auf Empfehlung unseres Freundes Ragnar Jonasson kurz am Hedinsfjordur, einem „Beauty spot“ an und wir können ein Foto machen. Per Zufall entdeckt Mike sofort, als wir Siglufjörður erreichen, unser Hotel, Siglunes Guesthouse.

Am Nachmittag trinken wir Kaffee in einer gemütlichen Bäckerei um die Ecke. Wir erkunden den kleinen Ort und besichtigen am Hafen das preisgekrönte Heringsmuseum (2004 erhielt es den europäischen Museumspreis). Es berichtet von der Heringsfischerei, die zwischen 1903 bis 1968 dem Ort zu einer kurzen Blüte verhalf. 20 Prozent des Exports liefen vom Hafen in Siglufjörður, über 3.000 Menschen lebten hier. Doch dann kam es wegen Überfischung zu einem abrupten Ende. Heute ist die Bevölkerungszahl auf ein Drittel geschrumpft.

Die Nahrungsaufnahme am Abend gestaltet sich problematisch: viele Restaurants stehen nicht zur Auswahl. In „Hannes Boy CAfé“, das mein Führer empfiehlt, stehen gerade mal zwei Gerichte zur Auswahl: Pferd und marinierter Hering. Wir gehen lieber ins Haus neben an, wo es weniger experimentierfreudiges Essen gibt, dazu trinken wir „Black death“. Wir überleben das Bier.

Dann schellt mein Handy: es ist Ragnar. Der Vikar, hat seinen Vater angerufen und der hat Ragnar angerufen. Ob wir noch zum Interview vorbeikommen wollen. Der Vikar, der nebenberuflich noch die lokale Website betreut, hatte davon erfahren, dass ich von Siglufjörður in Ragnars Krimis gelesen hatte und nun mir die Schauplätze mit eigenen Augen ansehen will. Wir hatten schon den ganzen Tag über versucht, den Vikar telefonisch zu erreichen, aber keinen Erfolg gehabt. Nun klappt es aber doch noch mit dem Treffen und der Vikar führt uns durch seine schmucke Kirche. Wir dürfen sogar den Turm besteigen und haben eine wunderbare Aussicht auf den Ort. Dann schießt der Pfarrer noch ein paar Fotos von uns vor der Kirche und vor dem Haus von Ragnars Familie. Hier wohnt auch Ari, der Dorfpolizist aus Ragnars sechs Kriminalromanen (zwei davon wurden bisher ins Deutsche übersetzt). Morgen kann der Vikar übrigens ausschlafen: nur an zwei Sonntagen im Monat wird Gottesdienst abgehalten.
Der Artikel des Vikars über unseren Besuch.
Fotos aus Siglufjörður in meinem Fotoalbum.


Videoclip (Fahrt durch den Tunnel)

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