International Agatha Christie Conference 2017

Auch die von Jamie Benthal organisierte Internationale Agatha Christie Konferenz findet zum wiederholten Male statt. Nach zwei Malen in Exeter (2014 und 2015 ), im letzten Jahr in London, findet die Konferenz 2017 in Cambridge statt.

Norman und ich reisen schon am Vortrag aus London an. Die Zugfahrt ist mit 8 Pfund erstaunlich günstig. Nach der Ankunft am Nachmittag erkunde ich etwas die Stadt, die ich zuletzt 1995 besuchte hatte und finde mich zu den Evensongs am Spätnachmittag in der Kathedrale ein. Am Abend passiert mir ein Missgeschick: Der Bankautomaten der Barkley Bank spukt trotz korrekter Eingabe der PIN meine Karte nicht wieder aus. Ohne frisches Bargeld und Karte muss ich zurück ins Hotel.

Am Morgen kann ich meine Karte nicht bei der Barkley Bank nicht auslösen – ausländische Karten würden grundsätzlich vernichtet. Man schiebt Sicherheitsgründe vor. Auch mit Personalausweis ist nichts zu machen. Verspätet erreiche ich unverrichteter Dinge die Christie-Konferenz im Lucy Cavendish College der University of Cambridge.

Erste Vortragende ist Dr Rebecca Stewart (Bath Spa University), die in ihrem Vortrag ‘You prefer law and order to private vengeance?’ über Gerechtigkeit und Justice and Selbstjustiz in ausgewählten Poirot-Fällen referiert. Sarah Martin (University of Chester): Old Ladies on Trains: The Inherently Chronotopic Nature of Miss Marple’s Detection in 4:50 From Paddington, berichtet über das Motiv „Eisenbahn“.
Bei Prof. Michelle Kazmer (Florida State University) habe ich wie bei den vorangegangenen Malen Probleme zu erfassen, was sie sagen will. : „Run and find out: Agatha Christie & the Imposed Query“ lautet ihr Thema.

Nach der Kaffeepause knüpft Dr Caroline Derry (Open University) mit ihrem Vortrag „Agatha Christie’s subversion of legal ‘justice’“ an den ersten Vortrag an. Es folgt Dr Fiona Peters (Bath Spa University): mit „Agatha Christie and Evil“ und daran Catherine Brobeck & Kemper Donovan (All About Agatha): „Justice for Whom? Reparation vs. Revenge in the Christie Canon“. „Gothic“ ist das Thema von Dr Tamar Jeffers McDonald (University of Kent) Vortrag.

Keynote Speaker ist diesmal Dr Merja Makinen (Middlesex University): Negotiating the Contradictions, dabei geht es um Christie als Schriftstellerin der Zwanziger Jahren. Ihre frühen Werke unterscheiden sich deutlich von ihren späteren Romanen und Geschichten. Einerseits geprägt durch den Ersten Weltkrieg, andererseits spielen sie in den „Goldenen Zwanziger“ Jahren.

Am Nachmittag stehen folgende Vorträge auf dem Programm:

Panel: The Unexpected Guest: Social Anxieties and Change
Sophie Smith (University of Southampton): Angels of Death: Middle-Class Murderers and Social Healing
Dr Charlotte Charteris (University of Cambridge): A Strange Night in a Strange House: Agatha Christie’s Queer Country Houses
Fern Pullan (Leeds Beckett University): Haunted Reflections: Gothic and Revolutionary Infiltrations in Christie’s Sleeping Murder
Dr Stewart King (Monash University): Murder and Multiculturalism: Re-reading America(ns) in Agatha Christie

Panel: The Girdle of Hippolyta: Gender and Sexuality
Jamie Bowman (Samford University): The Murdering Women of Agatha Christie: How Alternate Moralities Effect Female Representations in Crime Fiction
Dr Ahmet Atay (College of Wooster & University of Bournemouth): The ‘Others’ of Christie
Lies Lanckman (University of Kent) Unnatural Death: Agatha Christie’s Lesbians

Sehr eindrucksvoll ist die Lesung von Agatha Christies Stück „A daughter’s daugther“ im Abendprogramm. „A daughter’s daughter“ ist ein Stück, das so gut wie nie aufgeführt wurde. Christie adaptierte es nach einem ihrer Mary Westmacott-Romanen. Julius Green spricht die Regieanweisungen, einige seiner Schauspieler-Kollegeinnen und Kollegen aus der Agatha Chrsitie Company und weitere Freiwillige, darunter auch Sophie Hannah, übernehmen die (Sprech)-Rollen. Das Stück ist kein Krimi, sondern behandelt die (schwierige) Beziehung zwischen Mutter und Tochter.

Am Vormittag hören wir folgende Vorträge:

Panel: After the Funeral: Christie in Posterity
Tina Hodgkinson (Guided Walks in London): Exploring the Original Prompt Book and Other Material in The Mousetrap Archives (Continuation projects). Tour Guide Tina Hodgkinson konnte in den Archiven des St. Martin’s Theatre recherchieren.
Audrey Cooper and Emily Lilley (The Year of Agatha): Building on the Brand of Agatha Christie: A Case Study of ‘The Year of Agatha’: zwei junge amerikanische Kommunikationsspezialistinnen erzählen von ihrem Social-Media-Projekt: Innerhalb eines Jahres lesen beide sämtliche Werke von Agatha Christie und bloggen darüber und posten Bilder auf Instagram.

Panel: Spider’s Web: Unexpected Connections
Dr Roger Dalrymple (Oxford Brookes University): Christie and Crippen: Partners in Crime?
Dr Jennifer Palmer (Independent Scholar): Agatha Christie’s books of the 1920s and 1930s as a reflection of the political and social attitudes of that age

Keynote Speaker ist am zweiten Tag Julius Green (Birkbeck Centre for Contemporary Theatre): Agatha Christie and the Lord Chamberlain; the Effect of Stage Censorship on Christie’s work as a Dramatist. Man hätte glauben können, Agatha Christies Stücke wären seinerzeit von der Zensurbehörde stets durchgewunken worden. Doch weit gefehlt. Nicht nur „Zehn kleine Negerlein“ stieß aufgrund des damals schon kontroversen Titels auf Widerstand. Interessant auch die Zitate der Mitarbeiter des Lord Chamberlains zu den Stücken selber: aufgrund ihrer Erfahrung waren sie beinahe schon Theaterkritiker.

Am Nachmittag wurde zu folgenden Themen referiert:

Panel: Come, Tell Me How You Live: Writing About Christie
Andrew Wilson (author of A Talent for Murder): The mysterious Mrs Christie: the portrayal of Agatha Christie in fact and fiction. Der Journalist Andrew Wilson hat einen Roman über das Verschwinden Christies im Jahr 1926 verfasst, so anschaulich, dass einige Zeitungen Fiktion und Wirklichkeit nicht unterscheiden konnten.
Tito Prates (author of Agatha Christie From my Heart): The challenge of writing a modern Agatha Christie’s biography. Der brasilianische Christie-Fan berichtet von seinen Recherchen zu seiner Christie-Biographie, die bislang nur in Brasilien erschienen ist.
Alison Joseph (author of Murder Will Out): ‘Misremembered Anticlimaxes’: Agatha Christie and Writing of Life as Art.

Panel: Elephants Can Remember: Christie in Changing Times
Dr Rebecca Mills (University of Bournemouth): Detecting the Blitz: Trauma and Memory in Christie’s Post-War Novels
Federica Crescentini (University of Urbino ‘Carlo Bo’): ‘There are Things One Doesn’t Forget’: The Second Identity of The Mousetrap
Dr Brittain Bright (Independent Scholar): The Pale Horse : Science, Horror, and the Triumph of Pragmatism

Damit geht eine interessante und gut organisierte Tagung zu Ende. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Konferenzen waren fast alle Vorträge auch für Nicht-Literaturwissenschaftler verständlich.

Den Abschluss bildet ein Abendessen in einem italienischen Restaurant – von Sophie Hannah großzuügig gesponsert.

Fotos aus Cambridge in meinem Fotoalbum

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