Live aus Florida: Abflug mit Hindernissen Donnerstag, 10.12.1998

5.45 Uhr schellt der Wecker. Aufstehen. Ich bin bereits so früh an der Bushaltestelle, dass ich sogar einen Bus eher zum Bahnhof fahren kann. Der Zug ist wie immer voll, ausnahmsweise fährt er pünktlich ab. Ich finde einen Platz im Fahrradabteil, das voll von Menschen, aber leer an Fahrrändern ist. In Dortmund steige ich um und bekomme diesmal einen Platz im Großraumabteil. Nur mit 10-minütiger Verspätung erreicht der Zug den Frankfurt Flughafen. Dort steht bereits mein brüderlicher Reisebegleiter. Beim Einchecken die übliche Inquisition: „Haben Sie Ihren Koffer alleine gepackt?. War der Koffer zeitweilig unbeaufsichtigt? …“

Bei der Sicherheitskontrolle interessiert man sich sehr für die Filmrollen meines Bruders. In der Zeit muss jemand seinen Ausweis und unsere Boardcards, die er neben das Rollband abgelegt hat, gegriffen haben. Jedenfalls, sind Pass und Boardcards verschwunden, als der Kontrolleur von ihm und seinen Filmrollen abgelassen hat. Wir suchen alles ab, Taschen, Jacke, den Fußboden. Aber kein Pass, keine Bordkarten. Wir gehen zum Delta-Schalter. „Ohne Pass können Sie nicht fliegen“, heißt es. Nach einiger Zeit Ratlosigkeit kommt die Dame, bei der wir eingecheckt hatten, uns entgegen. Jemand hat die Boardcards abgegeben, der Pass sei beim Bundesgrenzschutz. Ein zufällig anwesender Polizist (er ist am Delta-Schalter weil morgens eine verwirrte Frau mit Delta in die Bundesrepublik geflogen war und nun wieder zurückfliegen soll), sagt beim BGS Bescheid und mein Bruder kann sich seinen Pass abholen.

Trotz des ganzen Hin- und Her waren wir noch 20 Minuten vor dem geplanten Abflug an Bord. Vor dem geplanten Abflug. Wir können erst mit zweistündiger Verspätung starten, wegen des schlechten Wetters. Der Kapitän persönlich kommt zu uns in den Passagierraum, um aus den Fenstern zu schauen und die Lage einzuschätzen. Durch die Verspätung haben wir nur eine gute Stunde Zeit, um in Atlanta in die Maschine nach Miami umzusteigen. Dazu müssen wir unsere Koffer vom Gepäckband holen (unsere Koffer sind unter den letzten), durch die Einwanderungsbehörde („Was machen Sie beruflich? Wann fangen Sie zuhause wieder zu arbeiten an?“) und den Zoll gehen, unsere Gepäck wieder aufgeben und mit einem Shuttle-Zug zu einem anderen Terminal fahren. Zwei Minuten vor dem Abflug erreichen wir das Flugzeug. Aber ist unser Gepäck auch mitgekommen? Es ist. Kurz vor 22 Uhr Ortszeit erreichten wir Miami, unsere Koffer sind diesmal unter den ersten auf dem Gepäckband. Wir gehen zum Shuttle-Express und legen unseren Transfer-Gutschein vor. Nach 10 Minuten fahren wir in einem kleinen Bulli in Richtung Hotel. Woher wir kommen, fragt unserer Fahrer, gegenüber dem Bill Cosby ein phlegmatischer Typ ist. Aus Germany. „Oh Germany. Da war ich als Soldat. Frankfurt, Bad Kissingen. Wunderbar, Wunderbar. Das Weißbier. Wunderbar.“ Immer wieder weist er darauf hin, dass ihm kaum Trinkgeld gegeben würde und seine Kinder deswegen nicht Weihnachten feiern könnten. Nein, kein Santa dieses Jahr, vielleicht nächstes Jahr, um dann lauthals „Stille Nacht“ anzustimmen. Als wir ein Geschäft namens Kirsh passieren, ist es völlig um ihn geschehen. Hahahaha Kirsh, hahaha. Dann singt er eine Tonleiter nach der anderen. Lalalala, lalala. Kein Santa dieses Jahr. – Nach 40 Minuten, die mir wie eine Ewigkeit vorkommen, erreichen wir unser Hotel, Monaco Ocean Front. Ich packe meine Koffer nicht aus, sondern falle nach fast 24 Stunden auf den Beinen nur noch ins Bet

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