Ist Diana schon vergessen?

Fünf Jahre nach ihrem Tod widmen die Briten der Prinzessin keine Schlagzeilen mehr Als die Princess of Wales am 31. August in einem Autotunnel in Paris starb, nahm die Trauer um sie bald exzessive Fomen an. Hunderttausende strömten nach London, um Blumensträuße vor dem Kensington-Palast niederzulegen.

Fünf Jahre nach ihrem Tod bestimmt stilles Gedenken ohne jede offizielle Feier den fünften Todestag von Prinzessin Diana. Vor ihrer Londoner Residenz, dem Kenington Palast, und an dem Pariser Straßentunnel, wurden am Todestag Blumen niedergelegt.

Doch ansonsten scheint die Prinzessin nahezu vergessen. Die britischen Zeitungen haben schon lange erkannt, dass mit Diana keine Auflage mehr zu machen ist und auf den Druck umfangreicher Sonderbeilagen verzichtet.

In Althorp, dem Familiensitz, den der Bruder Earl Spencer zum Diana-Museum umfunktioniert hat, hat der Andrang der Besucher stark nachgelassen. Und auch der Diana-Erinnerungsfond, der ihr Image weltweit für wohltätige Zwecke vermarketet, nimmt immer weniger Spenden ein.

Fünf Jahre nach ihrem Tod scheint vom emotionalen Überschwung wenig übrig zu sein.

(Quelle: Westfälische Nachrichten, Jochen Wittmann)

Prince Charles bei deutschen Ökobauern

Auszeichnung mit europäischem Umweltpreis.

Der britische Thronfolgerprinz Charles besuchte im Juni erstmals seit sechs Jahren wieder Deutschland. Schwerpunkte der zweitägigen Reise durch Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin waren ökologischer Landbau und Umweltschutz. Die Themenwahl folgte den besonderen Interessen von Charles, hieß es im Vorfeld. Er betreibt seinen Landsitz Highgrove seit langer Zeit als Ökogut und gilt als Pionier des ökologischen Landbaus. Auf der offiziellen Visite wurde Charles von Umweltminister Trittin und Verbraucherschutzministern Künast begleitet. Erste Station und offizieller Anlass der Reise war die Verleihung des Euronatur-Umweltpreis an Charles im Rathaus in Lübeck. Die Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur) verlieh Charles die Auszeichnung für seinen langjährigen Einsatz für Umweltschutz und ökologische Landwirtschaft.

Anschließend besuchte der Kronprinz das Institut für ökologischen Landbau in Trenthaus (Schleswig-Holstein), das zur Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft gehört. Außerdem stand ein Besuch auf der Insel Vilm vor Rügen auf dem Programm, die als Teil eines Biosphärenreservats fast vollständig ihrer natürlichen Entwicklung überlassen bleibt.

Charles übernachtete mit kleinem Gefolge in der ehemaligen Ferienanlage des DDR-Ministerrats auf der Insel, in der inzwischen die internationale Naturschutzakademie sitzt.

Am zweiten Tag seiner Reise besuchte der Prinz ein wirtschaftlich betriebenes Ökolandgut in Dalwitz (Mecklenburg-Vorpommern). Den Abschluss des Besuches bildete eine Stippvisite in der neuen britischen Botschaft in Berlin, die vor zwei Jahren von Königin Elisabeth II. eröffnet worden war.

Sir Mick Jagger

Nach langem Zögern erhielt der einstige Rock-Rebell endlich den Adelsschlag wegen seiner „Verdienste um die Popmusik“. Anlässlich des Golden Jubilee wurde Rolling Stones Sänger Mick Jagger in den Adelsstand erhoben und damit „Sir Mick“. Die Entscheidung, auf die Jagger lange warten musste, wurde nicht nur positiv aufgenommen. Sein Lebenswandel wie auch die Tatsache, dass er sich im Gegensatz zu Stars wie Paul McCartney kaum für wohltätige Zwecke eingesetzt hat, stieß auf Kritik. Rolling-Stones-Biograf Philip Norman kritisierte, Jagger habe „nie auch nur irgendetwas für dieses Land getan.“ Er könne sich nicht benehmen und sei nur auf Geld aus: „Als er einmal Prince Charles vorgestellt wurde, blieb er mit einer Hand in der Hosentasche stehen.“ Die konservative Zeitung „Daily Mail“ kommentierte: „Hier haben wir ein gutes Beispiel dafür, wie das System der Ehrenauszeichnungen von der Regierung von Tony Blair entstellt worden ist.“

Jagger selbst meinte: „Ich werde mich deswegen nicht ändern und schon gar nicht zur Ruhe setzen. Die Ehrung ist eine große Anerkennung für das, was die Band über die Jahre hinweg erreicht hat.“

Golden Jubilee week: 09.06.2002 (Sonntag): Wait in lounge

Nach dem Frühstück wird der Koffer gepackt und um 9.30 Uhr verabschiede ich
mich von Mrs Greaves und verlasse das gastliche Wynfrid House. Da meine
Traveller Card inzwischen abgelaufen ist, muss ich einen Einzelfahrschein lösen
und fahre zur Victoria Station. Dort geht es in den Gatwick Express, der mich
nach Gatwick Airport bringt. Ich bin schon sehr früh dort, denn mein Abflug ist
erst auf 15.00 Uhr terminiert. Ich begebe mich zum Nordterminal und gebe schon
mal meinen Koffer auf (einige Kilo schwerer geworden). Eine Durchsage
verkündet, dass um 12 Uhr eine Messe in der Kapelle stattfindet. Wie es der
Zufall will, stehe ich fast vor der Kapelle und gehe herein.

Die kleine Kapelle ist bis auf den letzten Platz besetzt mit Menschen von
unterschiedlichsten Nationen. Die katholische Kirche ist tatsächlich eine
Weltkirche. Der Priester, dem Aussehen nach zu urteilen, indisch-pakistanischer
Herkunft, spricht erstklassiges Oxford-Englisch. Nach der Wandlung betet er
besonders für den Papst: "Ich hatte kürzlich die Gelegenheit bei einer
Audienz den Papst aus nächster Nähe zu sehen – und wie er leidet. Und ich
dachte mir: ‚Wäre es nicht besser, ihn zu ersetzen?‘ Doch am nächsten Tag,
bestellte er die amerikanischen Bischöfe zu sich und sprach zu ihm mit klarem
Geist und mir wurde klar, dass der Papst noch eine Mission hat, die er unbedingt
durchführen will."

Nach der Messe verabschiedet sich der Zelebrant von jedem einzelnen sehr
freundlich.

Ich kaufe noch ein paar Postkarten bei WH Smith. Noch immer ist das Spiel
gegen Argentinien das Top-Thema in den Zeitungen. Es beginnt etwas zu nerven.
Nebenan gibt es inzwischen schon T-Shirts mit dem Aufdruck "England 1 –
Argentinien 0", neben anderen mit "Deutschland 1 – England 5".
Man kann auch Videos mit den Niederlagen Deutschlands in München (2001) und
1966 in Wembley erstehen.

Nun gehe ich durch den Sicherheitscheck. Diesmal bleibt es bei einer
Kontrolle. Das Abfluggate ist noch nicht bekannt. So setzte ich mich in die
Halle, schreibe ein paar letzte Postkarten und gehe immer wieder zwischendurch
zu dem winzigen Bildschirm, auf dem die Flüge aufgelistet wird. Doch beim Flug
nach Düsseldorf heißt es immer wieder "Wait in lounge". 30 Minuten
vor dem Abflug suche ich den Informationsschalter, den ich nach einer Weile
finde. Nach einigem Warten in der Schlange, es ist nur ein Schalter geöffnet,
erfahre ich dass mein Flugzeug eine halbe Stunde Verspätung hat. Ich wage einen
Verbesserungsvorschlag, nämlich solche Informationen über den Bildschirm
bekannt zu machen. "Wieso? Dafür gibt es doch diesen
Informationsschalter." Toll. So schnell werde ich nicht wieder mit der
Deutschen BA fahren. Da der Laden aber sowieso verkauft wird, besteht auch nicht
mehr lange die Möglichkeit.

Ich muss noch eine Weile warten, bis endlich das Gate an dem winzigen
Bildschirm aufleuchtet. Mit 45-minütiger Verspätung landen wir schließlich in
Düsseldorf. Die Rückfahrt verläuft ereignislos. Nur der Zug in Duisburg hat
auch noch 30 Minuten Verspätung. Aber das kennt man von der Deutschen Bahn ja.

So endet schon wieder eine Woche London.

Golden Jubilee week: 08.06.2002 (Samstag): Dinos für umsonst

Heute an meinem letzten Tag in London machen ich noch eine große Besichtigungstour.
Zunächst fahre ich ein paar Stationen bis Monument und gehe zur Millennium
Bridge, auf der Fußgänger die Themse zur Neuen Tate Gallery überqueren
können. Die Brücke war zum neuen Jahrtausend gebaut worden und war zur
unfreiwilligen Attraktion geworden, weil sie schwankte. Inzwischen hat man ein
zusätzliche Dämmung eingebaut, so dass man davon nichts mehr spürt. Schade.

Anschließend schaue ich mir – zumindest von außen – St. Mary-le-Bow und St.
Paul’s Cathedral an. Nur derjenige gilt als waschechter Cockney, der in
Hörweite der Glocken von St. Mary-le-Bow geboren wird. Die Kirche steht an der
Grenze der City of London.

Nun fahre ich nach Westminster. Leider kann ich Lambeth Palace, der Amtssitz
des Erzbischof von Canterbury, nur von außen besichtigen. Deshalb fahre zur
letzten Station meiner Besichtigungstour dem Natural History Museum. Das Museum
zählt zu den zehn, die seit kurzem kostenlos zu besichtigen sind. Hier schaue
ich mir die sehr informative Dinosaurier-Ausstellung an.

Anschließend kaufe ich noch ein paar Mitbringsel und etwas Proviant für die
morgige Rückreise und fahre in mein Quartier, wo ich meine Times-Zeitungen zu
Ende lese. Gegen 17 Uhr fahre ich dann mit der U-Bahn zum Leicester Square, denn
ich habe mir eine Karte für die Vorabpremiere von "Spiderman"
besorgt. Der Film ist sehr unterhaltsam und beeindruckt besonders durch seine
Tricktechnik. Halb London scheint zum Wochenende auf der Straße zu sein. Immer
noch wird der Sieg gegen Argentinien gefeiert. Ich bahne mir den Weg zurück zur
U-Bahn-Station und fahre zurück ins Wynfrid House.

Die Fotos zur Reise finden Sie in meiner Gallery

Golden Jubilee week: 07.06.2002 (Freitag): Vom Stall zum Palast

Morgens steht bei mir nach langer Zeit ein Besuch bei Mme Tussauds auf dem
Programm. Inzwischen beläuft sich der Eintrittspreis auf 16.50 £. Dank meiner
Traveller Card bekomme ich einen großzügigen Nachlass von 0,50 £. Heute ist
das Spiel England gegen Argentinien. Und ich hatte gehofft, dass dadurch etwas
leerer wäre, aber es sind natürlich nicht Briten die das weltberühmte
Wachsfigurenkabinett besuchen und so ist es voll wie immer. Ansonsten scheint
sich so viel nicht geändert zu haben: Helmut Kohl ist weggeräumt worden,
dafür steht jetzt Schröder da (wie lange noch?). Diana steht nicht mehr bei
den Royals, sondern zwischen internationalen Prominenten. Hitler steht
überraschenderweise nicht mehr am Eingang zum Horror-Kabinett. Zum Schluss geht
es auf einer Art Geisterbahn in "The Spirit of London" durch London im
Laufe der Jahrhunderte.

Ein Besuch im Planetarium nebenan – vor ein paar Jahren stieg man auf einen
neuen digitalen Projektor um – lohnt sich meiner Meinung nach nicht unbedingt.
Die Show unterscheidet sich von der Qualität nicht sonderlich von denen anderer
Planetarien, zum Beispiel dem in Münster.

Von der Bond Street aus fahre ich mit der U-Bahn nach High Street Kensington.
Von dort aus gehe zur Sheffield Terrace. Hier – in diesem vornehmen Viertel –
lebte Agatha Christie. Im letzten Jahr wurde ihr Haus mit einer blauen Plakette
versehen (zahlreiche Häuser, in denen einmal berühmte Personen lebten, sind in
London mit blauen Plaketten gekennzeichnet). In ihrem Memoiren schreibt Agatha
Christie, dass sie in No. 48 gelebt hätte. Bei den Recherchen vor der
Anbringung der Plakette stellte man allerdings fest, dass es das Haus No. 58
war. Wieder ein Rätsel der Queen of Crime!

Nach einem kurzen Imbiss in der Buckingham Palace Road besichtige ich die
Royal Mews. Für 5  £ kann man einen Blick auf die königlichen Ställe
(angelegt von John Nash) mit ihren edlen Pferden werfen. Außerdem sind die
aufwendigen Kutschen, z.B. die irische Kutsche, die zu Parlamentseröffnungen
oder die Glaskutsche, die bei Hochzeiten genutzt wird, zu sehen. Höhepunkt ist
die Golden State Coach von 1762, die für George III. entworfen wurde und bei
Krönungen eingesetzt wird. Erst Dienstag ist sie beim Golden Jubilee gebraucht
worden. Die Fahrt in der Kutsche muss recht unangenehm sein. George
V. verglich es mit einem Schiff auf rauer See, Queen Victoria weigerte
sie sich glatt zu benutzen. Vor dem Silver Jubilee hat man dann in die Kutsche
ein paar Gummidämpfungen eingebaut. Die neueste Kutsche stammt aus Australien
und wurde zur 200-Jahr-Feier des Kontinents der Queen spendiert. Alle Kutschen –
einschließlich das spezielle Pferdegeschirr – werden ständig akribisch
gepflegt und instandgesetzt. Außerdem erhält man in den Mews Informationen zum
motorisierten Fuhrpark der Queen bestehend aus diversen Rolls Royce (Typ
Phantom) und Daimlern. Man erfährt, dass im Gegensatz zu den Lenkern der
Kutschen auf den Uniformen der Fahrern keine Rangabzeichen zu finden sind, die
Queen aber trotzdem immer vom Hauptchauffeur oder seinem Vertreter gefahren
wird, die anderen Royals sich aber auch mit Junior drivers begnügen müssen.
Ich hole mir mein Taschenmesser wieder ab, das ich beim Betreten der Royals Mews
hatte abgeben müssen. Man muss nämlich wie am Flughafen durch einen
Metalldetektor.

Nun gehe ein Stück weiter in Richtung Buckingham Palace zur Queen’s Gallery.
Hier steht schon eine Schlange vor der Tür. Anscheinend haben sie alle bereits
Tickets. Ich werde auf einen livrierten Herrn aufmerksam, der nach dem Aussehen
der Butler der Queen sein könnte und der gerade im Gespräch mit einer
Touristin ist. Ich begebe mich in seine Richtung, um ihn zu fragen, wo man
Tickets bekommt. Er entdeckt mich und sagt zu der Frau, die auf ihn einredet:
"Entschuldigen Sie mich, ich muss mich jetzt um den Herrn kümmern."
Ich frage ihn, wie es mit Tickets aussieht. Er klärt mich auf, dass für heute
gerade noch fünf Karten zu haben sein, Einlasszeit sei 16.30 Uhr, ob das ok
sei. Ich sage ja und frage, wo ich die Karten kaufen könne. Er ist so
freundlich, mich zum Ticketschalter zu begleiten. Ich kaufe eine Karte (6.50
£). Als an dem livrierten Herrn vorbeikomme, fragt er noch, ob ich eine Karte
bekommen hätte und verabschiedet sich bis später.

Ich nutze die Zeit, um das Wellington Museum im Apsley House zu besichtigen,
das direkt hinter dem riesigen Reiterdenkmal und dem Wellington Arch liegt. Hier
wohnte der "Eiserne Herzog". Im Eintrittspreis (4.50 £) ist die
Benutzung eines Audiogeräts, das einem die Räumlichkeiten auch auf Deutsch
erläutert. Das Haus wurde 1771 bis 1778 von Robert Adam erbaut. Nach seinem
Sieg bei Waterloo kaufte Wellington das Haus und ließ es total umbauen: es
wurde mit Bath-Stein neu verblendet, die berühmte Waterloo-Galerie angebaut,
ebenso ein Portikus, um die Symmetrie zu erhalten. Das Haus ist auch als
"No. 1 London" bekannt, weil es lange Zeit das erste Haus war, weil es
das erste Haus an der früheren Londoner Stadtgrenze war. Das Haus wurde nach
dem Krieg von der Familie dem Staat vermacht, die Herzöge haben aber im Haus
noch Wohnrecht, d.h. einige Räume sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Ich besichtige den China und Plate Room, wo unter anderem das umfangreiche
Service ausgestellt ist, das der Preußische König Wellington schenkte, ebenso
das Ägyptische Service. In der Waterloo Gallery im Obergeschoss fand
alljährlich das Waterloo Dinner zusammen, bei dem der Herzog mit seinen
Kriegsgefährten tafelte. Der Tafelaufsatz, ein Geschenk des Königs von
Portugal, ist im Dining Room zu sehen. Die Ausstellung macht auch den Charakter
Wellingtons deutlich: den Rummel um seine Person und die Ehrungen scheint er
recht genossen zu haben. Seine Frau lernte er bereits als junger Mann kennen. Da
er – als vierter Sohn – aber nicht genügend Geld hatten, durfte er sie nicht
heiraten. Als er sie Jahre später nach seinen ersten Erfolgen als Offizier
wiedersah, stand er zu seinem Wort und heiratete sie, obwohl sie – wie er seinem
Bruder anvertraute – inzwischen total hässlich sei. Als sie starb, wachte er am
Bett. Seine Zeit als Premierminister war weniger glücklich als die Zeit als
Kriegsherr. In seiner kurzen Amtszeit wurden zwar die Katholiken emanzipiert,
doch stand er einer Ausweitung des Wahlrechts auf die armen Schichten ablehnend
gegenüber. Seine Gegen warfen 1832 (kurz nach dem Tod seiner Frau) Scheiben im
Apsley House ein. Daraufhin ließ er eiserne Fensterläden anbringen und bekam
den Spitznamen "Iron duke".

Ich muss mich mit meiner Besichtigung von Apsley House schon fast beeilen,
weil ich um 16.30 Uhr meinen Termin in der Queen’s Gallery habe. Als ich die Galerie
betrete, werde ich von dem livrierten Herrn mit "Welcome back"
gegrüßt. Am Eingang muss ich mein Pocket Knife wieder zurücklassen. Aus ihrer
gewaltigen Sammlung hat die Queen aus Anlass ihres Thronjubiläums einige der
schönsten und wertvollsten Stücke ausgewählt. Auch wertvolle Möbel, Vasen
und Porzellan ist ausgestellt. Ebenso das neueste Porträt der Königin von Lucian Freund. Gott sei Dank ist es so klein, dass
das hässliche Bild nicht sofort ins Auge fällt. 

Um 17.30 Uhr schließt die Queen’s Gallery schon. Ich sammele mein
Taschenmesser wieder ein und fahre zurück ins Wynfrid House. Dort bleibe ich
aber nicht lange, sondern fahre zum Tower Hill. Dort beginnt um 19.30 Uhr eine
Walking Tour mit dem Titel "Jack the Ripper haunts". Am Tower Hill hat
sich schon eine größere Menschenmenge versammelt, überwiegend Amerikaner.
Donald,
der Führer, echt englisch in einen grünen Wachsmantel gehüllt, verkauft
bereits signierte Ausgaben seines Buches über den Ripper. Um 19.30 Uhr wird die
Gruppe aufgeteilt. Die überwiegende Mehrheit bleibt aber bei Don – auch ich. Don hat einen kleinen Hocker mitgebracht, so dass er uns besser mit seiner
Stimme erreichen kann. "He knows his stuff", meint jemand hinter mir.
Tatsächlich: Opfer, Tatzeit, Tathergang kann er nur so abspulen. Man erfährt
auch viele Hintergrunddetails. "Sie haben sicher alle die Filme über Jack
the Ripper gesehen. Wo die Opfer immer eines gemeinsam hatten: sie waren wahnsinnig
hübsch, ganz jung, vornehm gekleidet, tanzten auf Tischen in einem
Lokal und sangen ‚Oh, wie schön ist es, eine East-End-Prostituierte zu sein‘.
Die Wirklichkeit sah ganz anders aus: East-End-Prostituierte waren über 40,
ihnen fehlten Zähne, sie hatten zerlumpte Kleiner an und lebten meist auf der
Straße." Er erläutert, dass die Grenze zwischen der City of London, wo
die London City Police zuständig ist und des Großraum Londons, wo die
Metropolitan Police zuständig ist, durch das East End läuft. Das machte die
Ermittlungsarbeit schwierig, da die Leiter der jeweiligen Polizeibereiche
eifersüchtig darüber wachten, dass die andere Polizeieinheit nicht ihr
Territorium verletzten. Aber eine Frage oder eigentlich zwei Fragen kann auch Don nicht beantworten: Wer war Jack the Ripper wirklich und warum hörte die
Mordserie plötzlich auf? Das East End ist auch heute noch nicht das beste
Viertel. Don erzählt uns, dass er häufig bei seinen Erläuterungen
unterbrochen würde: von Leuten, die er freundliche Alkoholiker nennten möchte:
einige meinten, sie wüssten mehr über den Ripper, einige imitierten ihn hinter
dem Rücken, andere liefen plötzlich Zickzack. Doch heute sind die Störungen
anderer Art. England hat am frühen Nachmittag den alten Falkland-Gegner
Argentinien mit 1:0 besiegt – zum ersten Mal seit 1986. Ausgerechnet der
"dumme Junge" von 1998 David Beckham hat das Tor erzielt. Das muss
spätestens am Abend im Pup begossen werden. So tönt es uns ständig entgegen:
"Vergesst Jack the Ripper", "Der Ripper hat kein einziges Tor
geschossen" und so weiter. Don bedankt sich höflich für jede einzelne
Bemerkung. Um 21 Uhr ist die Führung an der Liverpool Station beendet. Und
damit geht es zurück ins Wynfrid House.

Die Fotos zur Reise finden Sie in meiner Gallery