Nach Neujahr nach London

Um gut ins Jahr zu starten, fliege ich kurz nach Neujahr nach London. Bereits mittags fliege ich mit British Airways von Düsseldorf ab und lande um 13 Uhr Ortszeit auf dem recht neuen Terminal 5 in Heathrow Airport. Mit der Elizabeth Line fahre ich zugig zur Station Whitechapel, von der es nur ein relativ kurzer Fußweg bis zu meinem Hotel „The Corner“ ist. Leider ist wegen eines vorausgegangenen „Big events“ noch kein Check-in dort möglich und Lunch gibt es auch nicht. Eine Dreiviertel Stunde später stehe ich dann endlich in meinem Zimmer von dessen Ausstattung ich nicht begeistert bin. Es gibt keinen Kleiderschrank, stattdessen eine Art Garderobe in Baustellen-Optik. Man muss die Zimmereinrichtung gesehen haben, um es nicht zu glauben.

Fünf Theater-Aufführungen habe ich mir ausgesucht und schon am ersten Abend geht es mit „Sunset Boulevard“ los. Das Revival des Musicals von Andrew Lloyd Webber ist ein ganz besonderes Erlebnis. Die Aufführung ist total ausverkauft. Die Inszenierung durch Jamie Lloyd verzichtet gänzlich auf Kulissen. Die Bühne ist total leer. Stattdessen wird mit der Choreographie und den Gesichtsausdrücken der Schauspieler, die auf eine gigantische Leinwand übertragen werden, die tragische Geschichte von einem alternden Stummfilm-Star erzählt. Die Schauspieler tragen Straßenkleidung, in schwarz und weiß, was zum Thema „Stummfilm“ passt. Nach der Pause sieht man, wie man Tom Francis alias Joe Gillis zum Auftakt des zweiten Aktes seine Garderobe verlässt – mit einem Augenzwingern an einem Pappaufsteller des Komponisten Lloyd Webber vorbeigeht, auf die Straße geht und dann durch den Bühneneingang die Bühne betritt. Ich vermute, dass es keine Liveübertragung ist, sondern aufgezeichnet wurde. Denn an dem Abend regnet es in London heftig, während Tom knochentrocken die Bühne betritt.
Alle vier Hauptdarsteller – Nicole Scherzinger als ehemaliger Hollywood Star Norma Desmond, Tom Franics als Joe Gillis, Grace Hodgett Young als Betty Schaefer und besonders auch David Thaxton als Max Von Mayerling sind gesanglich wie schauspielerisch brilliant. Die Inszenierung und die Hauptdarsteller wechseln demnächst an den Broadway.

Am nächsten Tag fahre ich nach Windsor. Ich war im letzten Jahr dort und habe meine Tageskarte für den Besuch des Castle in eine Jahreskarte ändern lassen. Dieses Angebot ist kostenlos. Da ich beim letzten Besuch Queen Mary’s Dolls’ House ausgelassen habe, da es so viel zu sehen gibt, hole ich die Besichtigung heute nach. Nach einem Lunch gehe ich weiter zum Eton College, wo ich feststellen muss, dass wegen Ferien keine Besichtigungen dort möglich sind. So fahre ich wieder nach London zurück. Das neue Musical „Mrs. Doubtfire“ hatte mir im September so gut gefallen, dass ich es am Abend noch einmal besuche. Und auch heute werde ich nicht enttäuscht. Die Darsteller der Hillard-Kinder wurden inzwischen ausgetauscht, die super-besetzte Cast ist ansonsten unverändert.

Am nächsten Vormittag besuche ich die Oxford Street. In den letzten Jahren hat sich die Einkaufsstraße sehr verändert. Viele große Geschäfte haben mittlerweile geschlossen. Das „House of Fraser“ (früher „Army and Navy Store“, wo Miss Marple gerne einkaufte) schloss schon vor zwei Jahren. Das Art Deco Gebäude soll einem modernen Gebäude-Komplex mit Dach-Restaurant Platz machen. Selfridges und John Lewis sind noch da – und HMV ist wieder da. Mein Theaterstück des Tages ist der Klassiker von Agatha Christie: Witness for the Prosecution in der Old County Hall, die wie geschaffen für das Gerichtsdrama ist. Ich sitze optimal, zwei Plätze weiter nimmt der Staatsanwalt Platz. Das Stück sollte eigentlich nur ein paar Monate in der County Hall laufen. Aus Monaten wurde inzwischen sieben Jahre.

Ballet steht am nächsten Tag auf meinem Programm. London verfügt nicht nur über das Royal Ballet, sondern auch – das war mir bis vor Kurzem auch neu – über The National Ballet. Dieses führt heute noch einmal „The Nutcracker“ im Coliseum auf. Das Theater ist ausverkauft und das Niveau der Aufführung lässt nichts zu wünschen übrig. Vor der Aufführung besuche ich die Messe in Westminster Cathedral und statte der Buchhandlung Waterstones am Piccadilly meinen üblichen Besuch ab.

Leider ist am nächsten Tag schon wieder mein letzter Tag in London. 1985 bei meiner Londonfahrt mit der Schule stand St. Paul’s Cathedral auf dem Pflichtprogramm. Ein paar Jahre später habe ich das Meisterwerk von Sir Christopher Wren noch einmal mit meiner Mutter besucht. Höchste Zeit für eine Auffrischung. Ich habe Glück, dass am Vormittag eine sehr informative und kostenlose Führung angeboten wird. Unser Guide verfügt über den typisch englischen Humor. Freimütig räumt er ein, dass St. Paul’s besser im Beerdigen (Winston Churchill) als im Verheiraten (der damalige Prince Charles und Princess Diana) ist. Wir erfahren auch , dass ein Teil des Geldes für den Unterhalt der Kathedrale durch Drehgenehmigungen für Filme erwirtschaftet wird. So wurde unter anderem für Harry Potter in den heiligen Mauern gefilmt.

Nach der Besichtigung gehe ich ein Stück an der Themse entlang, Leider ist es nicht mehr so sonnig wie am gestrigen Sonntag, sodass ich am Tower Hill wieder in die U-Bahn steige, um zum Hotel zurückzufahren. Sam Tutty hatte ich 2022 zweimal als Evan Hansen gesehen. Der junge Mann hat für die Rolle den begehrten Olivier gewonnen. Jetzt steht er für eine kleine Produktion mit dem Titel „Two Strangers – carry a cake across New York“ mit nur einer Partnerin auf der Bühne. Die Aufführung findet im Kiln Theatre in Kilburn statt. Ich habe großes Glück, denn eigentlich ist für den Tag und die nächsten Tage ein U-Bahn-Streik angekündigt. Doch der Bürgermeister von London hat kurz vor Streikbeginn noch 30 Millionen aufgetrieben und die Gewerkschaft damit besänftigen können. In dem unterhaltsam Stück fliegt Dougal für 36 Stunden nach New York zur Hochzeit seines Vaters, der die Familie kurz nach Dougals Geburt verlassen hatte. Auf dem Flughafen holt ihn Robin, die jüngere Schwester der Braut ab. So unterschiedlich die beiden auch sind, verstehen sie sich überraschend gut. Dougal erkennt, dass sein Vater kein Interesse an ihm hat und seine künftige Frau ihm die Einladung geschickt hat. Dougal beschließt die wenigen Stunden in New York lieber mit Robin zu verbringen als mit seinem Vater, der ihn nicht liebt. Der Erfolg der Produktion im Kiln Theatre mit ausverkauften Shows sorgte dafür, dass das Stück demnächst mit den beiden Hauptdarstellern im West End aufgeführt wird.

Am nächsten Tag geht es schon wieder zurück nach Düsseldorf. Auf der Elizabeth Line ist kurz vor dem Flughafen Heathrow eine Störung. Als sie nach circa 20 Minuten behoben ist, endet die Fahrt, damit der Zug auf der Rückfahrt die Verspätung wieder aufholen kann. Ein schlechter Brauch, der bei der Deutschen Bahn auch durchaus üblich ist. Wir müssen also auf den nächsten Zug Richtung Heathrow warten. Da ich genug Zeit eingeplant habe, wirkt sich die Verspätung nicht aus. Ich erreiche meinen Flug mehr als pünktlich. Und am Ende der Reise erreiche ich mit der üblichen Minimal-Verspätung von 15 Minuten Münster Hauptbahnhof.

Fotos vom London-Besuch in meinem Fotoalbum

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