London 2001 Freitag, 22.06.2001: A Christie Pilgrimage

"I should write you down as a pilgrim. You have the look of one who ison a pilgrimage". (Agatha Christie: "Nemesis"), Das hätte dieQueen of Crime auch über Norman und mich schreiben können. Um 10 Uhrtreffen wir uns an der U-Bahn-Station Queen’s Park. Wir fahren auf der M 40 Richtung Oxford.
Unsere erste Station ist  Winterbrook, bei Wallingford, das nicht ganz einfach zu finden ist. Zunächst gelangen wir nach Cholsey, wo Agatha Christie auf dem Friedhof der Kirche bestattet ist. Wir durchkämen den alten und den neuen Teil des Friedhofs, finden aber ihr Grab nicht. Wir fragen eine ältere Dame, die das Grab ihres Mannes pflegt. Sie weist uns auf den rückwärtigen Teil des Friedhofs, den wir bisher übersehen haben. Und tatsächlich nach etwas Suchen finden wir die Grabplatte. Auf dem Grabstein stehen Zeilen von Edmund Spensers "The faerie Queen": Sleepe after toyle, port after stormie seas,Ease after warre, death after life, does greatly please.
In Janet Morgans Biographie über Agatha Christie lese ich, dass derGrabsteinen von Freunden gestaltet wurde. Die Steinplatte war so schwer, dassman einen Kran brauchte, um sie über die Friedhofsmauer zu hieven. Nach dem Friedhofsbesuch machen wir Rast: Norman hat für alles gesorgt: zweiKlappstühle, Wurstbrötchen, Chips, Wasser, Kaffee, Kuchen … 
Agatha Christie hatte im Dezember 1934 Winterbrook House in Wallingford gekauft. Da ihr Mann, Max Mallowan, besonders an Oxford hing, suchten er und Agatha in diesem Teil des Themse-Tals nach einem kleinen Landhaus. "Es war ein Queen-Anne-Haus, das zwar nahe an der Straße stand – wobei diese damals noch wesentlich leiser war als heute -, jedoch durch etwas düster wirkende Pappeln abgeschirmt wurde. Der rückwärtige Teil des Hauses war am schönsten, denn vom Wohnzimmerfenster aus blickte man auf einen Garten und eine Wiese, die bis zum Flussufer hinabging. Inmitten eines Feldes, das schon bald Teil des Rasens wurde, stand eine große Zeder, unter der, wie Agatha sofort entschied, sie an Sommernachmittagen Tee trinken würden. Tatsächlich stellten Haus und Garten ein so harmonisches Ganzes dar, dass Agatha und ihre Besucher an schönen Tagen nach den Mahlzeiten fast immer nach draußen gingen und dabei ihre Tassen mitnahmen. Winterbrook war mit drei großen Gesellschaftsräumen und drei Schlafzimmern sehr großzügig angelegt." (Janet Morgan). Während Agatha ihr Elternhaus Ashfield – und nachher vermutlich auch Greenway House – als ihr und das ihrer Tochter Rosalind betrachtete, sah sie Winterbrook House mehr als Max‘ Haus. Als Max Fellow im All Souls‘ College in Oxford wurde, war das Domizil Winterbrook sehr nahe gelegen. Agatha kümmerte sich mit Leidenschaft um den Garten. Anfang der 70-er war Winterbrook sehr baufällig geworden. "Viel Wind und Regen, und irgendwo ist ein Rohr undicht", schrieb sie an eine Freundin. "Das Licht in der Halle ist durchgebrannt – also müssen wir Montag ein SOS an den Klempner und den Elektriker aussenden." (zitiert nach Janet Morgan). Am 12. Januar 1976 verstarb Agatha Christie in Winterbrook. 
Die Dame, die wir auf dem Friedhof getroffen hatten, hatte uns auch den Weg zum Winterbrook House geschildert. Ihre Beschreibung ist zwar nicht ganz akkurat, aber wir finden das Haus. Es steht direkt an der A 329. Links davon liegt The Old Court, für Agatha Christie als Squash court in den 40-ern gebaut. Ein Schild weist darauf hin, das das Old Court zum Verkauf steht. Wir sehen uns das Haus an und können auch einen Blick auf auf die Rückfront von Winterbrook House werfen.
Weiter geht es Richtung nach Bladon,bei Woodstock, wo wir auf demKirchenfriedhof Churchills Grab aufsuchen.
Wir beschließen, weiter nach Blenheim Palace zu fahren, der nicht weitentfernt ist. Wenig später stehen wir auf dem Parkplatz von Blenheim. Ich gehein Richtung Palast, Norman schaut sich den Garten an, da er Blenheim bereitskennt. Am Eingang von Blenheim Palace werden wir Touristen begrüßt und mangibt uns eine kleine Einführung, dann kann man sich eine kleine Ausstellungüber Winston Churchills Jugend ansehen: seine Briefe an den Vater, Briefeseiner Lehrerin an den gestrengen Vater (Winston hatte in einer Prüfung nicht sogut abgeschnitten) und Briefe über den Beginn seiner Karriere beim Militär. ChurchillsEltern lebten nicht in Blenheim Palace, da sein Vater zweiter Sohn war und der ältere Bruder Lordin Blenheim Palace war. Trotzdem wurde Winston Churchillzufälligerweise hier geboren. Bald darauf werden wir von einer weiterenFührerin abgeholt, die uns durch einen Teil des Palastes führt (Fotografierenleider verboten). Das Schloss entstand 1705 bis 1722für John Churchill, erster Herzog von Marlborough, unter Leitung desArchitekten John Vanbrugh. Queen Anne hatte dem Herzog das Land und eine hoheSumme geschenkt als Dank für den Sieg Churchills 1704 in der Schlacht von Blenheimüber die Truppen Ludwig XIV. Eine Kollegin zeigt uns zum Schluss den Rest des Palastes. AmEnde landen wir in der Bibliothek. Die Bücher sehen alt aus, sind es abernicht. 1882 waren dieBücher aus der Bibliothek verkauft worden, ein späterer Lord kaufte neueBücher und ließ ihn einen alten Look geben. Da wir die letzte Gruppe fürheute sind, geleitet uns die Führerin noch heraus.
Draußen fahren viele Fahrzeuge auf. Heute Abend nämlich spielen Armee-Bands auf- anlässlich der Flower Show, die auf dem Gelände stattfindet – und es gibtein Feuerwerk. Zahlreiche ältere Armeeangehörige fahren vor. Jugendliche inArmeeuniform (Marine und Herr) weisen ihnen Plätze auf dem Parkplatz vor. WieNorman mir erklärt, sind sie Kadetten, eine Art Pfadfinder. Wir stellen nocheinmal die Stühle auf und trinken Kaffee. Da stürzt eine Dame auf uns zu: einealte Frau irre herum und wisse offensichtlich nicht mehr nach Hause. Ob wireinen Stuhl ausleihen könnte, damit sie sich setzen könne. Norman schlägtvor, über Handy die Ambulanz zu rufen. Die hilfsbereite Frau muss zum Konzert,die Ambulanz kommt bald und wir bekommen den Stuhl zurück.
Wegen besagten Konzerts können wir leider den Garten von Blenheim Palace nicht weiter besichtigen und so machen wir uns auf die Heimfahrt. Diesmal fahren wir auf der (vergleichbar mit unseren Bundesstraßen), die ruhiger und idyllischer ist. Unterwegs machen wir an einem Pub Halt. Bei Guinness und einem Sandwich, das wir uns teilen müssen, da es das letzte ist, stärken wir uns, bevor wir weiter nach London fahren.
Norman fährt mich noch bis zur U-Bahn-Station Bond Street, wo wir Abschied nehmen. Heute bin ich mal etwas früher zu Hause. Ich lese noch etwas im Führer über Blenheim Palace, schreibe in meinem Fahrtenbericht und dann lösche ich das Licht.
Die Fotos zur Reise finden Sie in meinem Fotoalbum

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